Schon der kurze Befehl sfdisk /dev/hda < hda.part.tab kann ausreichen, den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben: War /dev/hda gar nicht die Platte, bei der Sie die Partitionstabelle herstellen wollten, haben Sie nun ein Problem. Jetzt schlägt die Stunde für ein Rettungssystem – optimalerweise eine Live-CD, auf der Sie alle wichtigen Tools vorfinden.
Hier kommt Grml [1] ins Spiel: Die Live-Distribution spricht Systemadministratoren und Texttool-User an und bringt für den Notfall alle Werkzeuge zur Datenrettung mit. Wie für Live-CDs typisch, brauchen Sie für den Einsatz nicht zwangsweise eine Festplatte. Sie booten Grml einfach von CD-ROM, USB-Stick oder auch übers Netzwerk (via Grml-Terminalserver).
Die mitgelieferte Hardware-Erkennung kümmert sich um das Laden der passenden Treiber und Applikationen. Das Booten geht schnell und lässt sich vollständig konfigurieren. Damit eignet sich Grml optimal als Rettungssystem, Testumgebung, zur Analyse von Netzwerken und Systemen, für forensische Untersuchungen sowie als rasch einsatzbereite Arbeitsumgebung. Durch den Einsatz von Squashfs passen über 2,1 GByte Software und Dokumentation auf ein 700 MByte ISO-Image.
Spezialitäten
Im Gegensatz zu den meisten anderen Live-CDs startet Grml keine grafische Oberfläche, sondern bleibt nach dem Boot-Vorgang im Textmodus, wo das Programm Screen und die Z-Shell (zsh, [2]) das Arbeiten mit den vielen Text-Tools sehr komfortabel gestalten. Die Zsh bietet ein mächtiges Completion-System, verfügt über eine flexible Konfiguration und stellt damit Shell-Usern eine besonders effiziente Kommandozeile bereit (Abbildung 1).
Wer die Bash gewohnt ist, findet sich auch in der Zsh schnell zurecht. Um mit Grml und der Zsh besonders effizient auf der Konsole zu arbeiten, haben die Maintainer die Grml-Zsh-Referenzkarte [3] erstellt. Sie dokumentiert die wichtigsten vordefinierten Aliase und Funktionen. Beispiele für ihre vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten sammelt die Manpage zsh-lovers.
Darüber hinaus enthält das System auch einen X-Server, den Sie mit grml-x konfigurieren. Eine Auswahl von effizienten Window-Managern ergänzt die grafische Oberfläche. Besonders einsteigerfreundlich gibt sich Fluxbox, den Sie via grml-x fluxbox starten. Wollen Sie zusätzlich zu diesem Window-Manager gleich Gkrellm und Idesk starten, erreichen Sie dies via grml-x wm-ng (Abbildung 2).
Software-Auswahl
Als Distribution für Texttools-Benutzer und Sysadmins bringt Grml eine Vielzahl von Editoren mit. Von Vim und Joe über Nano und Ex-vi bis hin zu Emacs in der GNU-Variante ist für jeden Geschmack etwas dabei. Im Bereich Kommunikation stehen Applikationen wie Mutt/Muttng, Slrn, Centericq und Irssi bereit. Beim Retten eines Systems helfen Tools wie Gpart, Recover, Testdisk und Chntpwd. Applikationen wie LVM, Mdadm oder Dmraid erlauben auf Systemen mit LVM und RAID den Zugriff auf die Festplatten.
Netzwerktechniker finden zum Beispiel Nessus, Nmap, Hping, Doscan und Scapy vor, aber auch Server-Dienste wie Apache/Apache2 und Samba sind präsent. Für Audits dienen zum Beispiel Rats, Pscan, Bass, Satan und Smb-nat. Damit Sie Dokumentation nicht nur lesen, sondern auch schreiben können, bringt die Grml-Standardversion die Textsatzsysteme LaTeX und Lout ebenfalls (siehe Kasten "Unterschiede").
Unterschiede
Aus Platzgründen enthält die Grml-Release "Bootenschnitzel@LU" auf der LinuxUser-Heft-CD nicht die vollständige Ausgabe von Grml 0.7. Alle LaTeX-verwandten Pakete, einige Dokumentations-Pakete, Emacspeak, Kaffe, Valgrind, Docbook/Sgmltools-lite und Groff mussten weichen. Im Gegenzug haben etliche Bugfixes und einige Updates in die LinuxUser-Ausgabe von Grml Einzug gefunden [6].
Damit deutschsprachige Leser keine Probleme mit dem standardmäßig englischen Tastaturlayout von Grml haben, stellt "Bootenschnitzel@LU" per Default ein deutsches Enviroment bereit. Wer die englischen Einstellungen bevorzugt, aktiviert diese mit der Boot-Option lang=us.



