Betrachter gesucht
Eindrucksvolle Präsentationen mit KeyJnote
Let the show begin …
Nach dem Start- und Ladebildschirm zeigt KeyJnote sofort die erste Seite an. Um die Seite zu wechseln, hat man zahlreiche Möglichkeiten: Die linke Maustaste, [Bild-Ab] oder die Leertaste führen zur jeweils nächsten Seite; die rechte Maustaste, [Bild-Auf] oder die Rücktaste kehren zur vorigen Seite zurück. Seitenwechsel erledigt KeyJnote mittels sanfter Übergangseffekte. Deren Auswahl nimmt es normalwerweise auf zufälliger Basis vor. Bei den meisten Übergängen handelt es sich um schlichte weiche Wischblenden, wie man sie aus den Star-Wars-Filmen kennt. KeyJnote hat aber auch einen netten Umblättereffekt (Abbildung 1) im Repertoire.
Weiche Überblendungen sind jedoch reines Eye Candy und haben eigentlich keinen praktischen Nutzwert. Ganz anders die Hervorhebungsfunktionen: Um die Aufmerksamkeit des Publikums auf bestimmte Teile der gerade angezeigten Folie zu lenken, drücken Sie einfach die Eingabetaste. Daraufhin erscheint um den Mauscursor herum eine Art "Spotlicht" (Abbildung 2, oben), während der Rest der Seite dunkler und leicht unscharf in den Hintergrund tritt. Mit den Tasten [+] und [-] ändern Sie den Radius des Spots, erneutes Betätigen des Eingabetaste schaltet ihn ganz aus.
Reicht die runde Hervorhebung nicht aus, ziehen Sie mit gehaltener linker Maustaste einen Markierungsrahmen auf. Auch mehrere Rahmen pro Seite sind möglich (Abbildung 2, unten). Um Hervorhebungen wieder zu löschen, klicken Sie mit der rechten Maustaste in diese hinein.
Gelegentlich benötigt man eine Vergrößerung des Folieninhalts, um kleinere Skizzen besser darzustellen. Sofern als Eingabeformat PDF verwendet wird, schalten Sie dazu mit der Taste [Z] einen Zweifach-Zoom ein und aus. Im Zoom-Modus verschieben Sie den sichtbaren Bildausschnitt bei gehaltener rechter Maustaste mit der Maus.
Ein weiteres nützliches Feature stellt die Übersichtsseite dar (Abbildung 3): Mit der Tabulator-Taste zoomt das Bild sanft zurück und gibt den Blick auf eine "gekachelte" Vorschau aller Seiten der Präsentation frei. Dort wählen Sie mit der Maus eine beliebige Seite aus, ein Klick zeigt diese dann wieder groß an.
Fazit
KeyJnote ist ein effektives kleines Präsentationswerkzeug, das zudem beim Publikum einen kleinen "Wow"-Effekt erzielt. Allerdings fallen die Anforderungen an die Hardware recht hoch aus. Insbesondere der Verbrauch an Arbeitsspeicher ist bei Verwendung des Vor-renderings immens – bei 1024x768 Pixel Bildschirmauflösung schlägt jede Seite mit fast 2,5 MByte zu Buch. Auch die Wartezeiten beim Start sind bei längeren Präsentationen gelegentlich lästig. Die kommende Version 0.9 wird diese Probleme jedoch lösen, indem sie die Präsentation im Hintergrund vorberechnet und auf der Festplatte zwischenspeichert.
Anpassungsfähig
Um die Präsentationen nach eigenem Gusto "feinzutunen", bietet KeyJnote so genannte Info-Scripte an. Dabei handelt es sich um eine Textdatei mit selbem Namen wie die anzuzeigende PDF-Datei oder das Verzeichnis mit den Bildern, jedoch mit der zusätzlichen Endung .info. Das Info-Skript für folien.pdf hieße also beispielsweise folien.pdf.info. Bei den Info-Dateien handelt es sich eigentlich um Python-Skripte, die etliche Eigenschaften der Präsentation beeinflußen.
Einen gängigen Anwendungszweck stellt die Steuerung der verwendeten Übergangseffekte dar. So lässt sich etwa der vergleichsweise spektakuläre Blättereffekt gezielt zwischen den Abschnitten einer Präsentation einsetzen, während sonst nur "gewöhnliche" Wischblenden vorkommen sollen. Dazu kann man in einer Variable PageProps für jede Seite unter anderem die Eigenschaft transition einstellen, die den Übergangseffekt von dieser Seite zur nächsten festlegt. Ein typisches Info-Script könnte etwa so aussehen:
AvailableTransitions.remove(PagePeel)
PageProps = {
4: { 'transition': PagePeel },
9: { 'transition': PagePeel }
}
Dabei entfernt die erste Zeile den Effekt PagePeel aus der Liste der AvailableTransitions, sodass KeyJnote diesen Effekt nicht mehr zufällig irgend einer Seite zuweist. Die PageProps legen dann fest, dass zwischen den Seiten 4 und 5 sowie 9 und 10 dennoch eben dieser Übergangseffekt verwendet werden soll. Zahlreiche weitere Anpassungsmöglichkeiten beschreibt die KeyJnote-Hilfedatei.
Troubeshooting
Ganz problemfrei funktioniert KeyJnote leider nicht. Als häufigsten Fehlerquellen erweisen sich OpenGL und GhostScript.
KeyJnote hält stets das Abbild der aktuellen und nächsten Seite in einer OpenGL-Textur. Da solche Texturen stets Abmessungen haben müssen, die Zweierpotenzen entsprechen, rundet KeyJnote die Größe dabei großzügig auf: Für 1024x768 Pixel Nutzfläche kommen 1024x1024 Pixel zum Einsatz, bei 1280x1024 Pixeln wären es schon 2048x1024. Leider können nicht alle OpenGL-Implementationen mit solch großen Texturen umgehen oder verfügen schlichtweg nicht über genügend Grafikspeicher. Im günstigsten Fall funktioniert dann lediglich die Zoom-Funktion nicht, im schlimmsten Fall muss man mit der Kommandozeilenoption -g die Bildschirmauflösung auf 1024x768 herabsetzen. Hilft auch das nicht, liegt ein ernsthaftes Problem vor: Die nächstkleinere Auflösung, die wirklich eine Ersparnis bringt, ist 512x384.
Problemquelle Nummer zwei stellen PDF-Dateien dar, die sich nicht mit der installierten GhostScript-Version vertragen. GhostScript 7.x versagt beispielsweise bei Dateien, die mit pdflatex generiert wurden, und zeigt einige Zeichen völlig falsch an. In anderen PDFs funktioniert das Antialiasing der Schriften nicht oder nur unbefriedigend. Dies lässt sich jedoch mit der (rechenzeitintensiven) Option -s teilweise beheben. Recht häufig, vor allem bei OpenOffice.org-Exporten, spuckt GhostScript außerdem Warnungen über fehlerhafte Schriften aus, zeigt sie jedoch korrekt an. Generell gilt: Je neuer die GhostScript-Version, desto weniger Probleme sind zu erwarten.
Infos
[1] Projekt-Homepage von KeyJnote: http://keyjnote.sourceforge.net/



