Distribits

01.06.2006

Linux für Epia

Die nur 17x17 Zentimeter großen Epia-Mainboards von VIA eignen sich hervorragend zum Aufbau kleiner, leiser Wohnzimmerrechner, die als Stereoanlage und Videorecorder dienen. Der richtige Einsatz spezieller Komponenten wie MPEG-Decoder und hardware-beschleunigter Grafik auf den Boards erfordert bei den Standard-Distributionen allerdings viel Handarbeit. Das Projekt EpiOS (http://www.epios.net) versucht, ein speziell auf diese Hardware angepasstes System auf Gentoo-Basis zu entwickeln.

Die Installation des aus nur einer CD-ROM bestehenden Systems beginnt mit der Wahl des Ausgabegeräts. Neben Monitoren unterstützt EpiOS hier auch Fernsehgeräte. Während das grafische Installationsprogramm im Hintergrund das System auf der Festplatte einrichtet, fragt es noch das Root-Passwort ab, richtet einen oder mehrere Benutzer ein und bestimmt Zeitzone und Rechnernamen. Als Desktop kommt ein aktuelles KDE zum Einsatz.

Der Hardware-MPEG-Decoder der Epia-Boards funktioniert, die Videoplayer Xine und Mplayer arbeiten mit Hardware-Support. Neben den Videoprogrammen bringt EpiOS eine Reihe von Anwendungen zum Abspielen von Musik mit. Doch auch an die tägliche Arbeit auf dem Computer haben die Entwickler gedacht: OpenOffice 2 und Opera sind ebenso an Bord wie Grafik-Programme.

Obwohl die Entwickler das System noch als Beta-Software bezeichnen, arbeitet EpiOS bereits sehr stabil. Die gute Unterstützung der Epia-Hardware kommt besonders bei der Wiedergabe von Videos zum Tragen, da es hier aufgrund der etwas schwachbrüstigen Epia-Prozessoren unter anderen Distributionen häufig Ruckler und Aussetzer gibt.

EpiOS unterstützt die Hardware der Epia-Boards perfekt und bringt ein umfangreiches Software-Repertoire mit.

Ausblick auf den Nervösen Molch

Noch ist das kommende Ubuntu 6.06 noch nicht ganz fertig, da macht sich Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth bereits Gedanken über dessen Nachfolger: Er soll Edgy Eft (Nervöser Molch) heißen und im Dezember 2006 erscheinen. Shuttleworth schwebt dabei ein eher experimentelles Release vor: Die Entwickler dürfen neue Techniken wie Virtualisierung mit Zen oder 3D-Desktops mit XGL und AIGLX ausprobieren, ohne dabei übermäßig auf Stabilität zu achten. Wer ein stabiles System braucht, soll weiterhin Ubuntu 6.06 einsetzen, das auch neue Hardware unterstützt.

Multimediales Multitalent

Die Knoppix-basierende Live-CD Musix (http://www.musix.org.ar) legt den Schwerpunkt auf Musikgenuss. Die Distribution enthält eine Reihe von Programmen zum Aufzeichnen und Bearbeiten von Audio-Inhalten in verschiedenen Formaten. Da das System zudem den Einsatz von MIDI-Geräten unterstützt, eignet es sich auch für Komponisten und Musiker. Als Oberfläche dient ein übersichtlicher Icewm-Desktop, der zusätzlich Anwwendungen zum Arbeiten im Internet enthält.

Musix ist für den digitalen Hörgenuss vollständig ausgestattet.

Partitionierung live

GParted Live (http://gparted.sourceforge.net/livecd.php) ist eine kleine Live-Distribution von nur knapp 30 MByte Größe, die das Partitionierungsprogramm GParted und den Window-Manager Fluxbox enthält. Mit Hilfe der CD partitionieren Sie bequem die Festplatte eines Rechners neu, bevor Sie das Betriebssystem aufspielen.

GParted ist ein einfach zu bedienendes grafisches Partitionierungsprogramm.

Weiter Stühlerücken bei Novell

Der ehemalige Suse-CTO (Chief Technical Officer) Jürgen Geck hat im März Novell auf eigenen Wunsch verlassen. Geck hatte in Nürnberg die Entwicklung der Enterprise-Produkte geleitet. Er arbeitete seit 1997 bei Suse und betreute die Technologie-Partner des Unternehmens, wie AMD und IBM.

Auch Chief Operating Officer (COO) Ammon Harman verlässt Novell im August. Harman war seit letztem Jahr als Vizepräsident und COO für den Bereich Europa, Naher Osten und Asien zuständig und koordinierte dort die Bereiche Finance & Administration, Legal und Interne IT.

Damit verlängern Geck und Harman die inzwischen beträchtliche Liste prominenter Suse-Mitarbeiter, die dem neuen Brötchengeber Novell den Rücken kehren.

BSD für den Schreibtisch

DesktopBSD (http://www.desktopbsd.net) ist neben PCBSD ein weiterer Versuch, eine BSD-Distribution zu schaffen, die sich einfach installieren lässt und für die tägliche Arbeit eignet. Das Grundsystem findet auf einer CD-ROM Platz. Eine weitere CD enthält die Daten zum Anpassen des Systems an den eigenen Sprachraum. Als Desktop kommt KDE 3.5.1 zum Einsatz. DesktopBSD setzt auf ein grafisches Installationsprogramm, das den Benutzer in wenigen Schritten und ohne unverständliche Fragen durch den Installationsprozess führt.

Erste Tests auf drei mit Nvidia-Grafik ausgerüsteten PCs fielen allerdings ernüchternd aus: Das Installationsprogramm bekam kein funktionierendes X-Window-System zustande, so dass einige Handarbeit nötig war, um eine grafische Oberfläche zu benutzen. Auch die Unterstützung von PCMCIA-NKomponenten ließ zu wünschen übrig: Mit gleich vier verschiedenen Netzwerkkarten, die ein Linux-System allesamt problemlos erkennt, war kein funktionierendes Netzwerk aufzubauen.

Gelingt die Installation, steht am Ende ein sauber eingerichteter KDE-Desktop bereit, den sich per Mausklick über das Netz mit weiteren Programmen ergänzen lässt. In der vorliegenden Form bedarf das System aber noch einiger Arbeit, bis es auf gängiger Hardware problemlos zu installieren ist. Für Einsteiger eignet sich DesktopBSD daher sicherlich nicht.

Kurz notiert

Die Entwickler von Debian (http://www.debian.org) haben die zweite Revision des stabilen Debian-Version 3.1 freigegeben. Diese umfasst ausschließlich Sicherheits-Updates und Korrekturen für schwere Fehler. Aktualisierte CD-Images stehen auf dem Debian-Server zum Download bereit. Bestehende Installationen lassen sich mittels Apt auf den neuesten Stand bringen. Wer ohnehin laufend die aktuellen Sicherheits-Updates einspielt, braucht am System nichts zu ändern.

Larry Ellison, Chef von Oracle (http://www.oracle.com), denkt über eine eigene Linux-Distribution für die Firma nach. Als Grund für das Planspiel nennt er die Tatsache, dass das Unternehmen seinen Kunden ein vollständiges Angebot vom Betriebssystem bis hin zu den Anwendungen machen möchte – wie der Konkurrent Microsoft auch. Oracle unterstützt Linux bereits seit einiger Zeit. Nach Angaben von Ellison käme eine Ubernahme von Novell in Betracht; eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Der schwedische Entwickler Niklas Höglund hat Zero Install auf den Handheld Nokia 770 portiert (http://web.telia.com/~u86012345/nokia770). Zero Install hilft, Software-Pakete zu installieren, ohne dass der Benutzer Schreibrechte auf die Verzeichnisse unterhalb von /usr benötigt. Die Schwierigkeit beim Portieren auf die Hardware lag darin, dass das Gerät keine Festplatte besitzt und alle Daten im Flash-Speicher hält. Als Beispiel für ein Zero-Install-Paket stellt Niklas Höglund Contact, einen für den Rox-Desktop entwickelten Kontakt-Manager, auf seiner Homepage zum Download bereit.

Die Autoren der freien BSD-Variante FreeBSD (http://www.freebsd.org) haben den ersten Release-Kandidaten der kommenden Version 6.1 zum Download freigegeben. Die Entwickler legten besonderen Wert auf das Beheben von Fehlern, erweiterten das Angebot an Treibern und verbesserten die Geschwindigkeit der Distribution.

Das Slackware-Derivat Zenwalk (http://www.zenwalk.org) ist in Version 2.4 erschienen. Die schlanke Distribution zeichnet sich dadurch aus, dass für jeden Zweck nur ein Programm vorhanden ist. In der aktuellen Version setzen die Entwickler erstmals auf Udev, so dass das System USB-Geräte automatisch mountet. Ferner haben die Autoren um die 130 Pakete aktualisiert, so dass jetzt die frischesten Versionen von KDE, Gnome und OpenOffice dabei sind. Zwei Gtk1-Programme ersetzten sie dabei durch Gtk2-Alternativen.

Der amerikanische Distributor Red Hat (http://www.redhat.com) hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2005/2006 seinen Umsatz mehr als verdoppelt. Den Löwenanteil machte dabei mit knapp 67 Millionen US-Dollar das Geschäft mit Linux-Abonnements aus. Im gesamten Geschäftsjahr 2005/2006 setzte Red Hat gut 278 Millionen US-Dollar um, was einem Zuwachs um 42 Prozent entspricht. Die liquiden Mittel Red Hats betrugen zum 28. Februar 2006 1,1 Milliarden US-Dollar. Red Hat beschäftigt im Augenblick 1200 Mitarbeiter und möchte in der nächsten Zeit einhundert neue Mitarbeiter pro Quartal einstellen.

Novell (http://www.novell.com) erwartet für 2007 den Durchbruch von Linux auf dem Unternehmens-Desktop. Dabei sieht sich das Unternehmen dank des für Sommer geplanten Suse Linux Enterprise Desktop in einer guten Position. Chancen räumt die Firma dem freien Betriebssystem vor allem bei Unternehmen ein, deren Mitarbeiter nur die grundlegenden Tätigkeiten an ihren PCs ausführen sowie bei Mittelständlern, die durch den Einsatz von Linux Lizenzkosten sparen. Als weiteren großen Markt schätzt Novell Russland, Brasilien, China und Indien ein, wo viele Unternehmen die hohen Lizenzkosten für Microsoft-Produkte scheuen.

Die Entwickler von Debian (http://www.debian.org) haben Anthony Towns zum neuen Debian-Projektleiter (DPL) gewählt. Der DPL bestimmt während seiner einjährigen Amtszeit die Ziele, die die Entwickler die Distribution vorantreiben sollten. Towns hat vor seiner Wahl bereits als Release-Manager von Debian gewirkt. Nun verspricht er eine höhere Schlagzahl bei Veröffentlichungen und Updates sowie die Aufnahme neuer Entwickler.

Auf dem diesjährigen Linuxtag (http://www.linuxtag.de) in Wiesbaden findet am 4. Mai parallel ein OpenSuse-Tag statt. Im Saal 6.2 erwarten den Besucher vier Vorträge, ein Treffen der OpenSuse-Community und ein Workshop zum Paketieren von Software für verschiedene Distributionen. Die Teilnahme am OpenSuse-Tag ist für Besucher des Linuxtags kostenlos.

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