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Frisch tapeziert

Digitaler Videorekorder VDR 1.4

01.06.2006 Die VDR-Version 1.2.6 erreichte ein fast biblisches Alter von 30 Monaten – jetzt liegt mit Version 1.4 endlich eine frisch renovierte, stabile Version vor.

Nach fast zweieinhalb Jahren und 48 Development-Releases veröffentlichte Klaus Schmidinger Ende April mit der Version 1.4 endlich wieder ein Stable Release von VDR. Auf den ersten Blick bemerkt der Anwender jedoch kaum etwas von der langjährigen Entwicklungsarbeit: Zwischen der letzten stabilen Version 1.2.6 vom 14. November 2003 (Abbildung 1) und der aktuellen Version 1.4 (Abbildung 2) gibt es auf den ersten Blick fast keinen Unterschied. Tatsächlich hat sich die grundlegende Bedienung von VDR auch nicht verändert, allein schon um bisherigen VDR-Benutzern den Umstieg nicht unnötig zu erschweren.

Abbildung 1: Zwei Generationen, eine Optik: Die so genannte klassische Bedienoberfläche von VDR 1.2.6 ist der Videotext-Anzeige vieler Fernsehgeräte nachempfunden.

Abbildung 2: Außer der Schriftart und wenigen Farbanpassungen bringt die klassische Oberfläche nicht viel Neues, was den Umstieg erleichtert.

Die auffälligste Neuerung stellt die Unterstützung von Skins dar: Neben der klassischen Bedienoberfläche (Abbildung 2), die sich lediglich bei der verwendeten Schriftart von der Oberfläche der alten Version 1.2.6 unterscheidet, gehört zu VDR auch ein Star-Trek-Skin, das den Computer-Bedienkonsolen aus Raumschiff Enterprise nachempfunden ist (Abbildung 3). Gefällt Ihnen keiner der beiden Standard-Skins, rüsten Sie einfach das Text2Skin-Plugin von Sascha Volkenandt nach und spielen dann Skins von [2] ein (Abbildung 4) oder entwerfen kurzerhand Ihre eigenen. Dazu benötigen Sie lediglich eine Reihe Hintergrundgrafiken und verändern am besten ein bestehendes Skin. Dies ist nicht weiter schwierig, da es sich bei den Skins um XML-Dateien handelt, die Sie mit jedem Editor bearbeiten können. Ein Nachteil gegenüber integrierten Skins: Text2Skin arbeitet deutlich langsamer.

Abbildung 3: Die wohl augenfälligste Neuerung in VDR 1.4 ist die Unterstützung von Skins – hier eine an Raumschiff Enterprise angelehnte Variante.

Abbildung 4: Mit dem Text2Skin-Plugin lassen sich Skins problemlos selbst herstellen. Die roten Schatten sind Darstellungsfehler im Screenshot, die am Fernseher nicht auftreten.

Die Ausgabe von Surround-Sound nach Dolby 5.1 war bei VDR 1.2.6 ein leidiges Thema, da hierzu der Ton über eine Soundkarte oder mit Hilfe spezieller Patches per S/P-DIF ausgegeben werden musste. Viele AV-Receiver konnten mit dem Datenstrom jedoch nichts anfangen, es funktionierten längst nicht alle Geräte. VDR 1.4 liefert den Surround-Sound standardmäßig über den S/P-DIF-Anschluss der Hauppauge Nexus aus, oder über ein entsprechendes Adapter-Board bei den übrigen Technotrend-Karten. Eingriffe oder Patches in VDR sind dazu nicht länger nötig.

Platz da!

VDR berechnete die noch zur Vefügung stehende Aufnahmezeit lange Jahre nur aus dem noch freien Speicherplatz der Festplatten. Diese Angabe war jedoch oft ungenau oder sogar irreführend: Löscht der Anwender eine Aufzeichnung, so löscht VDR die zugehörigen Dateien nicht unmittelbar von der Festplatte, da diese Aktion je nach Betriebssystem eine hohe Festplattenbelastung zur Folge hat.

Würde VDR gleichzeitig zwei Sendungen aufzeichnen und einen längeren Spielfilm löschen, könnte das das Speichersystem so weit auslasten, dass VDR die Videodaten nicht schnell auf die Festplatte schreiben würde – früher oder später käme es zu einem Pufferüberlauf. Deshalb benennt VDR die zu löschenden Verzeichnisse lediglich um, sie bekommen die Endung .del an Stelle von .rec. Das Löschen erledigt VDR, wenn nach seiner Ansicht gerade Zeit dazu bleibt, oder aber die freie Festplattenkapazität auf unter ein Gigabyte sinkt.

Das kann dazu führen, dass über Stunden hinweg gelöschte Filme Platz auf der Platte belegen, den VDR 1.2.6 dann als nicht als verfügbar anzeigt. Bei VDR 1.4 dagegen berechnet den von zum Löschen vorgemerkten Aufzeichnungen belegten Platz zum verfügbaren Speicher hinzu. So lässt sich sehr einfach feststellen, ob auf der ständig gefüllten Festplatte für den Folgetag noch genügend Speicherkapazität verbleibt oder man weitere Aufzeichnungen löschen sollte.

Ein weiteres Problem auf Systemen mit gut gefüllter Festplatte war, dass VDR sie bis zum letzten Bit mit Filmen füllte. Da VDR bei den meisten Installationen mit Root-Privilegien arbeitete, führte dies zu mitunter haarsträubenden Problemen beim nächsten Systemstart, weil sich wichtige temporäre Dateien nicht mehr anlegen ließen. Weiterhin kam es vor, dass VDR seine eigene Konfigurationsdatei setup.conf nicht mehr speichern konnte, womit VDR nächstes Mal mit den Standardeinstellungen startete. Dies passiert mit der Version 1.4 nicht mehr, da VDR bei weniger als 300 MByte freier Festplattenkapazität nicht weiter aufnimmt.

Kanalsuche

Für Einsteiger und Linux-Unkundige war bei VDR 1.2.6 die Kanalsuche ein besonderes Problem. So musste VDR zunächst angehalten, dann die Treiber manuell geladen und schließlich ein externes Scan-Programm aus den DVB-Tools aufgerufen werden. Das Ergebnis war eine Kanalliste, die VDR ohne manuelle Nachbearbeitung nicht verarbeiten konnte. Bei der neuen Version 1.4 ist die manuelle Kanalsuche nicht mehr erforderlich – es genügt, in den Einstellungen den Menüpunkt Kanäle aktualisieren auf neue Transponder zu stellen. VDR sucht dann, während der übliche EPG-Scan läuft, nach neuen Kanälen und neuen Transpondern, und fügt sie der Kanalliste hinzu. Ein bislang noch ungelöstes Problem ist jedoch das Löschen der überzähligen Kanäle, etwa verschlüsselte aus dem Ausland: VDR kann im Kanal-Menü lediglich einen Kanal nach dem anderen löschen. So dauert es eine Weile, bis man aus den rund 1000 bis 1200 Kanälen der Astra-Gruppe die herausgesucht hat, die man wirklich benötigt.

Damit die Kanalliste aktuell bleibt, genügt es, Kanäle aktualisieren auf Namen und PIDs umzustellen. Dann aktualisiert VDR lediglich den Kanalnamen, was etwa bei Premiere-Sendern erforderlich ist, sowie die Kanaldaten – nimmt jedoch keine neuen Kanäle in die Senderliste auf.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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