Ganz schön anhänglich

Zugriff auf Datenträger mit Mount und Fstab

01.05.2006
Laufwerksbuchstaben wie unter Windows kennt der Pinguin nicht – stattdessen bindet Linux Datenträger direkt in die Verzeichnishierarchie ein. Das Mounten findet schon beim Booten oder manuell auf Befehl statt. Wir geben Tipps und Tricks für das Ein- und Aushängen auf der Kommandozeile.

Im Linux-Verzeichnisbaum hat alles seinen Platz – für sämtliche Geräte, wie z. B. Netzwerk-Devices, Wechseldatenträger oder Festplattenpartitionen finden Sie in der Regel unterhalb des Ordners /dev (wie englisch "device" = "Gerät", Abbildung 1) eine Gerätedatei.

Namen von IDE-Geräten (Festplatten oder CD-ROM-/DVD-Laufwerke) beginnen mit hd (Hard Disk); welcher Buchstabe danach kommt, hängt vom Anschluss und der Reihenfolge ab: Jeder Controller stellt zwei Anschlüsse zur Verfügung. Der erste heißt Master, der zweite Slave. Daraus ergeben sich die Gerätebezeichnungen hda (Master) und hdb (Slave) für die Geräte des ersten Controllers; die des zweiten heißen hdc (Master) und hdd (Slave).

SATA-Platten, USB Mass Storage Devices und Zip-Laufwerke behandelt Linux wie SCSI-Geräte, die Namen ihrer Gerätedateien fangen mit sd (SCSI Disk) an. SCSI-CD-/DVD-Laufwerke finden Sie unter scd (SSI CD) und Diskettenlaufwerke heißen fd (Floppy Disk).

Abbildung 1: Im Verzeichnis "/dev" liegen die Gerätedateien.

Neben den Buchstaben sehen Sie für viele Geräte Nummern; diese werden entsprechend der logischen Struktur des Speichermediums verteilt: So trägt die erste primäre Partition einer IDE-Festplatte des Masters am ersten Controller beispielsweise den Namen hda1, die zweite hda2 usw. Logische Partitionen erhalten die Ziffern ab 5 – die zweite logische Partition von hdc hat beispielsweise die Gerätedatei /dev/hdc6.

SCSI-CD-/DVD-Laufwerke zählt das System genau so durch (scd0, scd1 usw.) wie Diskettenlaufwerke (fd0, fd1 etc.), von denen heute aber nur selten zwei und oft kein einziges in einem PC verbaut sind.

Bei vielen Distributionen finden Sie außerdem für CD-ROM-/DVD-Laufwerke Verknüpfungen, wie /dev/cdrom oder /dev/dvd, die auf den tatsächlichen Gerätenamen verweisen.

Um den Zugriff auf die verschiedenen Geräte und deren Dateisysteme zu ermöglichen, stellt man eine Verbindung zwischen dem Gerät und einem Verzeichnis im Linux-Verzeichnisbaum her: Die Gerätedatei wird "eingehängt". Dieser Vorgang heißt Mounten.

Eingehängt

Das Einhängen geschieht entweder schon während des Boot-Vorgangs oder später manuell. Plattenpartitionen bindet man normalerweise beim Systemstart ein, CDs, DVDs und andere Wechseldatenträger machen Sie in der Regel von Hand mit dem System bekannt. Das Mounten ist – sofern es nicht ausdrücklich anders definiert ist (siehe Abschnitt Tabellarisch -- die Datei "/etc/fstab") – dem Administrator Root vorbehalten.

Das Dienstprogramm zum Einhängen auf der Kommandozeile heißt Mount; neben optionalen Parametern geben Sie die Gerätedatei und den Mountpunkt an. Ohne Parameter aufgerufen, zeigt der Befehl an, welche Datenträger aktuell eingebunden sind:

# mount
/dev/hda10 on / type ext3 (rw,errors=remount-ro)
/dev/hda5 on /boot type ext2 (rw)
/dev/hda13 on /home type ext3 (rw)
/dev/hdd on /media/cdrom0 type iso9660 (ro,noexec,nosuid,nodev,user=huhn)
…

Neben den Partitionsbezeichnungen und dem Einhängepunkt verrät Mount mehr über die Dateisysteme der Geräte und die verwendeten Mount-Optionen. Die Partition /dev/hda10 ist beispielsweise mit Ext3 formatiert und als Root-Partition (unter /) eingehängt, das IDE-CD-Laufwerk enthält einen Datenträger mit dem Dateisystem ISO9660 (Standard für Daten-CDs), der nach /media/cdrom0 gemountet wurde. Weiter sehen Sie im Listing, dass die Plattenpartitionen les- und schreibbar (rw für "read-write") sind; die Option

errors=remount-ro

sorgt dafür, dass im Fall eines Dateisystemfehlers der Datenträger ohne Schreibrechte (read-only) neu gemountet wird – d. h., die Daten sind noch lesbar, aber weitere Schreibzugriffe sind unmöglich.

Wechseldatenträger einbinden

Daten-CDs/-DVDs, Disketten und USB-Medien hängen Sie normalerweise von Hand ein, sofern sich kein Automounter darum kümmert. Linux sieht für die Wechselmedien Verzeichnisse unterhalb von /mnt oder /media vor. Auf der Kommandozeile geben Sie den Namen der Gerätedatei und den Mount-Punkt an. Im Fall von USB Mass Storage Devices verrät ein Blick ins Logfile /var/log/messages, ob das Gerät erkannt wurde und wie die Gerätedatei heißt (siehe Kasten "Kernel-Meldungen bei USB-Stick").

Kernel-Meldungen bei USB-Stick

Mar 31 19:05:14 transpluto kernel: Attached scsi removable disk sdd at scsi0, channel 0, id 0, lun 3
Mar 31 19:05:14 transpluto usb.agent[4316]:      usb-storage: loaded successfully
Mar 31 19:05:14 transpluto kernel: usbcore: registered new driver usb-storage
Mar 31 19:05:14 transpluto kernel: USB Mass Storage support registered.

Um das hier erkannte Gerät sdd in ein bestehendes Verzeichnis /media/usb einzuhängen, tippen Sie beispielsweise:

mount /dev/sdd /media/usb

Hier entfällt eine Partitionsangabe, weil der USB-Stick aus dem Beispiel nicht partitioniert ist – bei einem formatieren Stick wäre es /dev/sdd1 gewesen.

In der Regel erkennt Linux das verwendete Dateisystem des Datenträgers selbst. Erhalten Sie hingegen eine Beschwerde, helfen Sie nach und geben das Dateisystem über den Parameter -t explizit an, zum Beispiel

mount -t vfat /dev/sdd /media/usb

für einen mit dem älteren Windows-Dateisystem FAT formatierten Datenträger. Neben vfat (für das DOS-/Windows-Dateisystem) sind hier Angaben, wie ext2 (Extended Filesystem, Version 2), ext3 (Extended Filesystem, Version 3), reiserfs (Reiser Filesystem), iso9660 (ISO9660), ntfs (NT Filesystem) usw., möglich.

Für CDs/DVDs und Disketten ist auf den meisten Systemen schon definiert, wie das Gerät und der entsprechende Mountpunkt heißen (siehe Abschnitt Tabellarisch -- die Datei "/etc/fstab"), so dass normalerweise ein Befehl wie

mount /media/cdrom

ausreicht.

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