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Gnomogramm

01.05.2006

Gnome 2.14 ist fertig

Im gewohnten sechsmonatigen Turnus ist jetzt Gnome 2.14 (http://www.gnome.org) erschienen. Auf den ersten Blick scheint sich nicht viel geändert zu haben – jedoch gilt die neue Version als performanter und benutzerfreundlicher als der Vorgänger. Einen ausführlichen Blick unter die Haube von Gnome 2.14 wirft der Artikel ab Seite 80 in diesem Heft.

Zu den Neuerungen zählt unter anderem die VoIP-Software Ekiga, die die Nachfolge von Gnomemeeting antritt. Das Programm unterstützt nicht nur die Standards SIP und H.323, sondern interagiert außerdem mit LDAP und Evolution. Auch bei Evolution gibt es mit der Termin- und Besprechungsfunktion eine wichtige Neuerung. Daneben unterstützt das Programm jetzt den offenen Kalenderstandard CalDAV.

Im administrativen Bereich debütieren die Programme Pessulus und Sabayon, mit denen der Administrator bei Bedarf den Zugriff der Benutzer auf Hardware und Programme reguliert und beschränkt.

Wer es jetzt nicht erwarten kann, bis das nächste Release seiner Distribution mit Gnome 2.14 erscheint, findet beim Gnome-Projekt eine auf Ubuntu 6.04 basierende Live-CD also ISO-Image gnome-livecd-2.14-i386-en-1.iso unter http://ftp.gnome.org/mirror/temp/gnome-livecd-2.12.

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Gnome 2.14 bringt unter anderem das neue Administrationsprogramm Sabayon mit, das die Systemverwaltung in großen Netzen vereinfachen soll.

Den Taschenrechner zur Hand

Ein Taschenrechner ist fester Bestandteil jeder grafischen Oberfläche. In Gnome übernimmt Gcalctool (http://ftp.gnome.org/pub/GNOME/sources/gcalctool/5.7/) diese Aufgabe. Beim ersten Aufruf erscheint das Programm mit seiner Standardoberfläche und wirkt wie ein einfacher Kalkulator.

Aber Gcalctool kann mehr, es kennt zwei weitere Oberflächenmodi: So verwandelt sich das Programm auf Wunsch in einen Finanztaschenrechner mit Funktionen wie linearer Abschreibung und periodischer Zinsrechnung. Daneben verfügt Gcalctool über einen wissenschaftlichen Modus, der Funktionen wie Sinus, Cosinus, Logarithmus oder Tangens beherrscht. In dieser Betriebsart rechnet das Tool außerdem auch im binären, oktalen oder hexadezimalen Bereich. Für komplexe Berechnungen besitzt das Programm zehn Speicherregister, in die der Anwender nach Belieben Zwischenergebnisse ablegt.

Die hier vorgestellte Version 5.7.32 korrigiert unter anderem einige Fehler, die bei trigometrischen Berechnungen auftraten, und kommt als Bestandteil von Gnome 2.14 (siehe Artikel auf S. 80), das eben erschienen ist. Der Quell-Code lässt sich jedoch auch unter Gnome 2.12 kompilieren.

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Der Taschenrechner Gcalctool lässt sich auch für wissenschaftliche Kalkulationen einsetzen.

Musik professionell schneiden

Bei Soundtracker (http://www.soundtracker.org/) handelt es sich um eine Schnitt- und Editierlösung für Audio-Samples im XM- und MOD-Format. Die Entwickler ließen sich von Klassikern wie dem DOS-FastTracker oder dem Amiga-Derivat Protracker inspirieren.

Ein Tracker-Programm erlaubt dem Musiker, Klangstücke auf verschiedenen Tonspuren zu arrangieren und damit zu einem Gesamtwerk zu kombinieren. Einzelne Passagen lassen sich schneiden, zudem können Tempo und Tonhöhe manipuliert werden. Soundtracker blendet bei Bedarf auch einzelne Spuren aus oder arrangiert sie neu.

Das Ergebnis der Arbeit speichert der Benutzer wahlweise als XM- oder MOD-Datei oder exportiert es in eine WAV-Datei. Die gängigen komprimierten Formate Ogg Vorbis oder MP3 finden derzeit keine Unterstützung. Die aktuelle Version 0.6.8 beherrscht neben OSS und ESD auch die Sound-Ausgabe via SDL und beseitigt eine Reihe kleinerer Fehler. Außerdem bietet der Sample-Editor mit den Funktionen Trim und Crop weitere Möglichkeiten, ein Sample nachzubearbeiten.

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Ein Vierkanal-MOD stellt für den Audio-Editor Soundtracker keine besondere Herausforderung dar.

Immer im Takt

Das gute alte Metronom bekommt mit Gtick (http://www.antcom.de/gtick/) jetzt digitale Konkurrenz. Das Gnome-Programm liegt jetzt in der Version 0.3.9 vor und besticht durch eine übersichtliche Oberfläche: Mit wenigen Klicks lassen sich Geschwindigkeit, Lautstärke und Taktart einstellen.

Vier Taktarten gibt Gtick vor, weitere definiert der Anwender selbst. Außerdem können für jeden Taktart individuelle Einstellungen getroffen werden. Wer eine optische Taktanzeige präferiert, aktiviert einen Laufbalken im oberen Fensterbereich von Gtick. Darüber zeigt ein Fortschrittsbalken an, in welchem Bereich des Taktes der Musiker sich befindet.

Ein besonderer Vorteil von Gtick ist die Option, beim Starten und Beenden des Metronoms zusätzlich Befehle auszuführen. Damit kann der Benutzer beispielsweise gleich die gewünschte musikalische Begleitung aus der Konserve starten.

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Mit dem digitalen Metronom Gtick gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn man aus dem Takt kommt.

Texen mit AmyEdit

Der LaTeX-Editor AmyEdit (http://amyedit.sourceforge.net) eignet sich vor allem für fortgeschrittene Tex-Anwender. Tastaturkürzel oder Vorlagen, die Textsatzelemente einfügen und damit Einsteigern unter die Arme greifen würden, sucht man vergebens. Lediglich ein gutes Syntax-Highlighting hilft, im Dschungel aus Text und Tags nicht den Überblick zu verlieren.

Zu den interessanten Funktionen von AmyEdit zählen daneben auch eine Rechtschreibprüfung sowie eine Routine zum Zählen der Worte. Als besonders hilfreich erweist sich die Vorschaufunktion, die aus dem aktuellen Text on-the-fly ein PDF-Dokument erstellt und anzeigt. Alternativ lässt sich der Text auch als Postscript oder DVI-Dokument anzeigen.

Mit der aktuellen Version 1.0 haben die Entwickler begonnen, eine Plugin-Schnittstelle zu implementieren, damit Erweiterungen und neue Funktionen schneller den Weg ins Programm finden. Außerdem hält sich die Konfiguration jetzt an die Vorgaben des FreeDesktop-Projektes und des Human Interface Guide.

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Der LaTeX-Editor Amyedit beschränkt sich auf die wesentlichen Funktionen.

Systemmeldungen im Überblick

Wer die Systemmeldungen von Syslog im Auge behalten möchte, gibt sie meist regelmäßig in einem Terminalfenster aus. Unter Gnome gibt es eine wesentlich elegantere Alternative: Bandsaw (http://bandsaw.sourceforge.net/) sammelt die Meldungen ein und zeigt sie übersichtlich an.

Bandsaw greift nicht direkt auf die Syslog-Meldungen zu, sondern bezieht seine Daten aus einer FiFo-Warteschlange. Der Anwender muss lediglich die Syslog-Konfiguration um einen Eintrag erweitern, der die Warteschlange speist. Die Systemeinträge stellt Bandsaw in tabellarischer Form dar, wobei eine Suchmaske das Auffinden bestimmter Einträge erleichtert. Mit Hilfe eines Regelwerks aus frei definierbaren Filtern schränkt der Anwender bei Bedarf die Menge der angezeigten Einträge ein.

Im Normalfall analysiert Bandsaw die Systemmeldungen im Hintergrund und tritt lediglich als Icon in der Symbolleiste von Gnome in Erscheinung. Im Gegensatz zu früheren Versionen, die bei wichtigen Meldungen ein Popup-Fenster öffneten, zeigt die aktuelle Version 0.3.0 wichtige Systemereignisse durch ein rotierendes Symbol an.

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Der Syslog-Monitor Bandsaw filtert die Meldungsflut und informiert den Benutzer nur von wichtigen Systemereignissen.

Kurz notiert

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der erste Gnome-Podcast erscheint. Zwei Episoden von zirka 10 MByte Größe und 10 Minuten Dauer stehen dem interessierte Hörer unter http://feeds.feedburner.com/gnomepodcast im MP3- oder Ogg-Format zur Verfügung. Der englischsprachige Podcast ist gut verständlich, bietet eine News-Rubrik und greift aktuelle Themen aus der Gnome-Community auf.

Die Entwickler des Gnome-Audiomanagers Rhythmbox haben es sich zum Ziel gesetzt, mobile MP3-Player künftig besser zu unterstützen – insbesondere all jene, die Linux automatisch als Massenspeicher erkennt. Rhythmbox-Anwender sind nun aufgerufen, die Identifikationsinformationen ihres Players aus dem HAL-Device-Manager zu erfassen und mit der auf dem Player gespeicherten Playlist-Datei an Rhythmbox zu senden. Apples iPod und Sonys PSP erfahren bereits Unterstützung. Das Rhythmbox-Team hofft, dass schnell weitere folgen.

Wer Gnome 2.12.2 auf einem Xgl-fähigen X-Server testen will, bekommt mit der neuen Kororaa Xgl Demo Live CD Gelegenheit dazu (http://getkororaa.com). Als System-Voraussetzung geben die Entwickler mindestens einen Pentium 3 mit 384 MB RAM sowie einer passende Grafikkarte von Nvidia (ab GeForce 3) respektive ATI (ab Radeon 8500) an. Ist entsprechende Hardware vorhanden, darf sich der Anwender auf optischen Effekte wie Transparenz und das Anordnen der virtuellen Oberflächen auf den Seiten eines drehbaren Würfels freuen.

Da kaum jemand wirklich alle Funktionen von Gnome kennt, haben engagierte Entwickler jetzt ein Wiki mit Tipps und Tricks zu Gnome (http://live.gnome.org/DocumentationProject/TipsAndTricks) ins Leben gerufen. Die Ausrichtung des Wiki überschneidet sich zwar inhaltlich mit dem Gnome-Anwenderhandbuch, allerdings sind die Informationen im Wiki kompakter. Die Initiatoren hoffen nun, dass sich möglichst viele Anwender am Wiki beteiligen und weitere Beiträge einstellen.

Das Vektorzeichenprogramm Xara Xtreme der Xara Group steht jetzt in der Version 0.3 Rev 676 unter der GPL zum Download bereit. Bereits vor sechs Monaten hatte Xara die Portierung nach Linux und die Veröffentlichung unter der GPL angekündigt. Dabei setzten die Entwickler auf GTK+ und wxWidget für die grafische Oberfläche. Auf ersten Screenshots macht diese einen guten Eindruck. Das 8 MByte große Programmarchiv der Linux-Ausgabe Xara LX kann bei Xara heruntergeladen werden (http://www.xaraxtreme.org/developers/sourcecode.html).

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