Distribits

Gnome, frisch vom Fass

Die Entwickler um Ken VanDine haben in der aktuellen Version 0.9.4 von Foresight Linux (http://www.foresightlinux.com) wieder die aktuellsten Programme aus der Open-Source-Welt versammelt. Grundlage des Systems bildet der aktuelle Kernel 2.6.15.6, dem D-Bus und HAL zur Seite stehen.

Als Desktop kommt das kürzlich fertig gestellte Gnome 2.14 zum Einsatz. Auch Mono ist mit von der Partie, mitsamt Programmen wie die Desktop-Suche Beagle, der Bildverarbeitung F-Spot und dem elektronischen Notizblock Tomboy. Die Paketverwaltung übernimmt Conary.

Dank kompletter Software-Ausstattung eignet sich Foresight Linux nicht nur als Technology Preview, sondern auch als System für die tägliche Arbeit. Auf der Homepage des Projekts stehen CD- und DVD-Images sowie eine Abbildddatei für den VMPlayer zum Download bereit.

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Forsight Linux bringt ein sorgfältig konfiguriertes Gnome in der aktuellen Version 2.14 mit.

Ubuntu eingebettet

Die Ubuntu-Distributionsfamilie hat Zuwachs bekommen: Bei Embedded Ubuntu (https://wiki.ubuntu.com/EmbeddedUbuntu) handelt es sich um eine Distribution für mobile Endgeräte wie PDAs oder Smartphones. Zunächst beschränken sich die Entwickler auf Geräte mit ARM-Prozessoren, für die es bereits eine Emulationsplattform und ein Cross-Compile-System gibt.

Das ebenfalls neue Nubuntu (http://www.nubuntu.org) ist als Werkzeug für Systemverwalter gedacht und enthält eine Reihe von Programmen zum Testen und Überwachen von Netzwerken sowie Werkzeuge zur Systemverwaltung. Als Window-Manager kommt Fluxbox zum Einsatz.

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Nubuntu ist der neueste Spross der Ubuntu-Familie und hilft bei Sicherheitsüberprüfungen.

Skolelinux

Nach nur einem Release Candidate ist die Version 2.0 von Skolelinux (http://www.skolelinux.org) erschienen. Die auf Debian Sarge basierende Distribution richtet sich an Schulen sowie andere Bildungseinrichtungen und bringt zahlreiche Programme für den Schulunterricht mit. Das Software-Repertoire erscheint allerdings nicht ganz taufrisch: So liegen OpenOffice 1.1.3, Firefox 1.0.4 und Thunderbird 1.0.2 bei.

Die Installation verlangt lediglich das Beantworten von vier Fragen und bietet die Varianten Kommunikationsserver, Thin Client, Arbeitsplatzrechner oder Einzelplatzrechner an. Nutzerdaten legt das Setup zentral auf einem Server ab, sofern ein solcher im Netz verfügbar ist. Auf diesem landen dann auch die privaten Daten der User.

Für die anfallenden Administrationsarbeiten kommt das Web-Frontend Webmin zum Einsatz. Das System besteht aus einer CD, die für x86- und PowerPC-Systeme auf der Homepage von Skolelinux zum Herunterladen bereit liegt.

Ubuntu ohne Ende

Die kommende Version von Ubuntu Linux (http://www.ubuntu.com) erhält als erste Support für fünf Jahre, um sie auch für Firmen und Betreiber von Servern interessant zu machen. Aus diesem Grund haben sich die Entwickler entschieden, den Erscheinungstermin von April auf Juni 2006 zu verschieben und die Distribution entsprechend 6.06 zu nennen.

Nach Aussage von Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth erfüllt das bestehende System zwar bereits die Spezifikationen, die Developer verwenden die zusätzliche Zeit aber für die Fehlersuche. Auch die Zertifizierung nach der Linux Standard Base 3 ist geplant.

Mit dieser Version rückt die Integration von asiatischen Gebietsschemata in den Mittelpunkt, insbesondere für Chinesisch, Koreanisch und Japanisch. Möglicherweise schafft es auch XFCE durch das spätere Release noch in die Hauptdistribution. Auch die Integration von KDE 3.5.2 ist möglich, wenn es denn rechtzeitig erscheint.

Für den Linux-Tag, der vom 3. bis 6. Mai in Wiesbaden stattfindet, planen die Ubuntu-Entwickler am 6. Mai einen "Ubuntu Love Day". An diesem Tag findet eine Unterkonferenz statt, die verschiedene Aspekte der Entwicklung von Ubuntu zum Thema hat. Die Eröffnungsrede hält Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth persönlich.

Novell und die Zukunft des Linux-Desktops

Auf der CeBIT 2006 hat Novell mit dem Suse Linux Enterprise Desktop (SLED) die nächste Generation des Linux-Desktops für Unternehmen vorgestellt. Viel Aufwand steckte das Unternehmen dabei in eine bessere Benutzerschnittstelle, um den Anwendern das Bedienen des Computers zu vereinfachen und Umsteigern von Windows zu Linux entgegen zu kommen.

Kernstück des Systems bildet ein angepasster Gnome-Desktop und OpenOffice 2.0, das Novell um Funktionen zum Ausführen von Visual-Basic-Makros ergänzt hat. SLED fügt sich in bestehende Windows-Netzwerke ein und erlaubt den Zugriff auf Lotus-Notes/Domino-Server. Der Desktop enthält Xgl, das Hardware-beschleunigte, grafische Effekte ermöglicht.

Novell plant die Freigabe des fertigen Suse Linux Enterprise Desktops für diesen Sommer, ein Preis steht noch nicht fest.

Mandriva in unruhigen Fahrwassern

Der französische Distributor Mandriva (http://www.mandriva.com) hat sich überraschend von Gaël Duval getrennt, der die Distribution 1998 mit aus der Taufe hob. Als Grund für die Maßnahme nennt Mandriva eine nach dem Kauf der brasilianischen Distribution Conectiva notwendigen Umbau der internen Struktur des Unternehmens.

Duval reagierte enttäuscht und plant, gegen seine Entlassung zu klagen. Gleichzeitig kündigte er an, noch in diesem Jahr ein neues System namens Ulteo (http://www.ulteo.com) zu entwickeln, das das Bedienen des Computers noch einmal drastisch vereinfacht.

Unterdessen stellte Mandriva mit Mandriva One eine kombinierte Live- und Installations-CD vor. Mandriva One basiert auf dem Ende letzten Jahres erschienen Mandriva Linux 2006 und enthält auf einer CD alle Anwendungen für die tägliche Büroarbeit.

Ein Installer bannt das System auf Wunsch auf die Festplatte, wobei er alle Änderungen aus dem Live-System berücksichtigt. Mandriva One steht in siebzig Sprachen zur Verfügung. Zur Zeit ist Mandriva One nur für Mitlieder des Mandriva Clubs zu haben; in einigen Wochen soll es auch einen freien Download geben.

Linux am Limit

Lange war es still um die Performance-optimierte Distribution Yoper (http://www.yoper.com). Jetzt hat das Entwicklerteam um Tobias Gerschner eine erste Beta-Version von Yoper 2.2 in die freie Wildbahn entlassen. In den letzten Monaten haben die Entwickler das System komplett überarbeitet: Die distributionseigenen Skripte wurden neu geschrieben, der Installer bekam einen neuen Aufbau. Die Hardware-Erkennung übernahmen die Entwickler vom Live-System Kanotix.

Yoper basiert auf Kernel 2.6.15, nutzt X.org 6.8.2 für die grafische Oberfläche und bringt mit KDE 3.5 einen aktuellen Desktop mit. Der Philosophie folgend, dass es für jeden Zweck nur ein Programm gibt, weist das System eine eingeschränkte Software-Auswahl auf.

Die aktuelle Yoper-Beta lässt sich über die Yoper-Homepage sowie einige Spiegelserver herunterladen und besteht aus lediglich einem CD-Image.

Kurz notiert

Das chinesische Unternehmen Menglan beginnt laut Washington Post (http://www.iht.com/articles/2006/03/15/bloomberg/sxlaptop.php) im Mai mit dem Verkauf eines preiswerten Laptops, auf dem Linux installiert ist. Zielgruppe sind Bewohner ländlicher Gebiete in China gedacht, für die ein herkömmlicher PC zu teuer wäre. Der Longmeng ("Drachentraum") getaufte Rechner kostet umgerechnet etwa 155 Euro. Er bringt ein DVD-Laufwerk mit und fällt bei einem Gewicht von rund 500 Gramm mit 17 x 14 Zentimeter sehr klein aus. Das Unternehmen verbaut eine in China entwickelte CPU, den Godson II, dessen Leistung einem Pentium III entspricht. Menglan plant, innerhalb des nächsten Jahres 100 000 Geräte abzusetzen.

Terra Soft Solutions hat Yellow Dog Linux 4.1 (http://www.yellowdoglinux.com) zum Download freigegeben. Die PowerPC-Distribtion läuft auf entsprechender Apple-Hardware, basiert auf Kernel 2.6.15 und bringt die Desktops KDE 3.4.2 und Gnome 2.10 mit. X.org liegt in Version 6.8.2 bei. Yellow Dog Linux besteht aus vier CDs, deren ISO-Images auf der Homepage des Herstellers zum Download bereit liegen.

Greg Ley hat sein Buch The Complete Free BSD zum freien Download für den privaten Gebrauch freigegeben. Das Buch eignet sich für Einsteiger und Kenner von FreeBSD gleichermaßen. Bei gewerblicher Nutzung des Werkes fällt eine Gebühr von 20 US-Dollar pro Kopie an. Unter http://www.lemis.com/grog/Documentation/CFBSD/book.pdf.gz finden Sie eine PDF-Version des Buches, die Quellen gibt es ebenfalls auf der Homepage des Autors.

Der amerikanische Computer-Händler Dell (http://www.dell.com) liefert eine Reihe seiner Workstations ab sofort mit einem vorinstallierten Red Hat Enterprise Linux aus. Es handelt sich dabei um die Modelle Dell Precision 670n, Dell Precision 470n und Dell Precision 380n. Die Preise liegen zwischen 879 und 1629 Euro. Das Angebot richtet sich vor allem an kleine und mittelständische Firmen. Dell gewährt auf die Hardware drei Jahre Support, Red Hat auf das installierte System ein Jahr.

Der Distributor Linspire (http://www.linspire.com) überlegt, sein kostenpflichtiges Software-Angebot auch auf Ubuntu auszudehnen. Im Gespräch ist ein Client für das Linspire-eigene Click and Run-Warehouse (CNR). Der Client integriert sich über Apt ganz normal ins System und fordert den Benutzer nach 15 Tagen auf, ein Abonnement für CNR abzuschließen. Für den Service fällt voraussichtlich eine jährliche Gebühr von 20 US-Dollar an, die den Zugriff auf den Shop und kostenlose Programme beinhaltet. Kommerzielle Programme wie Win4Lin oder StarOffice schlagen extra zu Buche.

Der Distributor Xandros (http://www.xandros.com) bringt seine Distribution in Zusammenarbeit mit der Firma Avanquest in die Regale deutscher Einzelhändler. Zugleich gab Xandros die Verfügbarkeit der deutschen Version der Business Edition von Xandros 3.1 bekannt. Diese führt mit Hilfe von Crossover Office Windows-Programme aus, bringt ein eigenes Antiviren-Programm mit und erlaubt das Authentifizieren gegenüber Windows Primary Domain Controller und einem Active Directory Server. Xandros Linux Business Edition ist im Handel zu Preisen ab 109 Euro erhältlich. Die Open Circulation Edition der Distribution findet sich auf der aktuellen LinuxUser-Heft-CD.

Version 3.0.1 des Diskettenrouters Fli4l (http://www.fli4l.de) beseitigt einige Fehler der Ende letzten Jahres erschienen Version 3.0. Fli4l erlaubt das Einrichten eines ISDN-Routers auf einem älteren Rechner. Mit Hilfe von Erweiterungen lässt sich der Router um Server-Funktionen erweitern. Alle Plugins funktionieren mit der aktualisierten Version, wenngleich diese zuweilen Konflikte meldet.

Gentoo (http://www.gentoo.org) hat Version 2006.0 erreicht. Die wichtigste Änderung ist der neue Installer, der das Einrichten des Systems erleichtert und mit der x86-Live-CD mitkommt. Gentoo 2006.0 enthält die Desktops KDE 3.4.3, Gnome 2.12.2 und XFCE 4.2.2. Als Compiler verwendet das aktuelle Gentoo GCC 3.4.4 und steht für die Architekturen x86, Alpha, AMD64, HPPA, IA64, PPC, PPC64 und Sparc64 bereit. Zur Installation gibt es ISO-Images für eine universelle Installations-CD, eine Live-CD und für ein Minimalsystem.

Der langjährige Debian-Entwickler und LinuxTag-Organisator Martin Schulze tritt von seiner Position als Debian-Releasemanager für Debian Stable zurück. Als Grund nennt er Probleme und mangelnde Bereitschaft zur Kooperation zwischen den Mitarbeitern der Distribution.

Das neue Installationsprogramm für Debian (http://www.us.debian.org/devel/debian-installer) macht Fortschritte. Der Installer ist für die nächste Version von Debian gedacht und erledigt die Installation bei einem auf Kernel 2.6.15 basierenden System. Zum Erkennen der Hardware verwendet das Programm Udev. Die gesamte Installation läuft jetzt einschließlich Konfiguration ohne Neustart ab. Eine grafische Oberfläche für den Installer gibt es noch nicht.

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