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Hoch gestapelt

Fünf SATA-RAID-Controller im Test

01.04.2006 Der Ausfall einer einzigen Festplatte und der damit verbundene Zeitverlust bringt Selbständige oder Studenten schnell in Bedrängnis. Für wenige Euro versprechen RAID-Systeme eine zusätzliche Absicherung. Der Test zeigt, wann der Aufwand lohnt.

Vielen Anwendern erkennen den Wert ihrer Daten erst, wenn die Festplatte kurz vor dem Abgabetermin einer Hausarbeit oder eines Auftrags ausfällt. Selbst das Einspielen der Daten aus einem täglich aktualisierten Backup legt den Rechner für mehrere Stunden lahm. Außerdem finden sich im Privatbereich solche Sicherungskonzepte überaus selten.

Sichern Sie nur Ihre Texte und sonstige Dokumente, wartet auf Sie zudem noch die Neuinstallation und Konfiguration von Betriebssystem und Anwendungen. RAID-Systeme sorgen dafür, dass beim Ausfall einer Festplatte zumindest ein Notbetrieb gesichert ist.

In der einfachsten Form eines RAID-1 führt der Defekt einer Festplatte lediglich dazu, dass Sie nun ohne weitere Ausfallsicherheit weiterarbeiten. Bei einem RAID-5-System – bestehend aus drei Festplatten und einem Ersatzlaufwerk (Hot Spare) – hingegen beginnt der Controller unmittelbar nach einem Festplattendefekt, das Ersatzlaufwerk als zusätzliche Redundanz einzubinden – fällt anschließend noch eine Festplatte aus, sind die Daten noch immer unbeschädigt.

Für den Test wählte die Redaktion fünf aktuelle RAID-Controller aus, die für den Heimbereich und kleine Büros gedacht sind. Die Preisspanne reichte von 50 bis 500 Euro und umfasste sowohl RAID-1 als auch RAID-5-Systeme.

3Ware Escalade 8506-8

Die Escalade-Controller-Familie von 3Ware eignet sich sowohl für den professionellen Server-Einsatz als auch für den Heimbereich. Das Modell 8506 gibt es in verschiedenen Ausführungen, mit zwei bis zwölf SATA-Anschlüssen.

Die Technik ähnelt sich bei allen Controllern: Ein Controller-Chip steuert über jeweils einen separaten Datenpfad bis zu vier Festplatten an – das hier getestete Modell 8506-8 mit acht SATA-Anschlüssen besitzt demzufolge gleich zwei RAID-Controller auf der Platine, bei dem Modell 8506-12 für bis zu einem Dutzend Festplatten sind es sogar drei. Abbildung 1 zeigt, dass der Hersteller den dritten Platz beim kleineren Bruder einfach nicht bestückt hat. Der Computer bekommt von der Anzahl der RAID-Chips nichts mit, da ein Host-Controller-Chip sie verdeckt.

Abbildung 1: Die Controller der 3Ware-Escalade-Familie verwenden stets die gleiche Hardware. So enthält das Modell 8506-8 acht SATA-Ports wohingegen beim größeren Modell alle drei Controller-Chip bestückt sind.

Der Escalade-Controller wartet mit einer weiteren Besonderheit auf: Er steuert jede Festplatte über einen eigenen Datenbus an, anstatt die Laufwerke als Master und Slave anzubinden wie etwa beim Intel Advanced Host Controller. Beim Datentransfer zwischen Controller und Festplatte muss hier das zweite Laufwerk warten, bis der Bus wieder frei ist.

In der Praxis punktete der 3Ware-Controller jedoch nur bei der Schreibrate: Mit 66 MByte/s brachte er die Daten fast doppelt so schnell wie Intels Onboard-Chip auf die Platten. Beim Lesen hingegen liefert der Intel-Controller 10 MByte/s mehr als der Escalade.

Die Datentransferrate der Escalade 8506 ist gleich, unabhängig von der Anzahl der SATA-Ports, sofern gleich viele Festplatten angeschlossen sind und der gleiche RAID-Modus zum Einsatz kommt. Die Messwerte aus Tabelle 1 gelten daher nicht nur für den mit vier Festplatten im RAID-5-Verbund getesteten Escalade 8506-8 für 450 Euro, sondern auch für den mit 300 Euro deutlich billigeren Escalade 8506-4.

RAID-Verwaltung unter Linux

Zum Lieferumfang des Controllers gehören die nötigen SATA-Kabel sowie Stromadapter für die Festplatten, falls das Netzteil des PCs noch keine entsprechenden Stromanschlüsse bereit stellt. Auf der CD liefert der Hersteller neben den Treibern für Windows auch die Quellen des Linux-Treibers mit – nötig ist dies indes nicht, weil der Linux-Kernel den Treiber bereits seit Jahren enthält.

Das Administrationsprogramm tw_cli (Command Line Interface) des Herstellers hingegen hat noch keinen Eingang in die Distributionen gefunden, auch ein grafisches Frontend fehlt.

Der Escalade 8506 ist ein klassischer Hardware-RAID-Controller, der einzige in diesem Testfeld. Er präsentiert dem Betriebssystem ein aus drei Festplatten und einem Ersatzlaufwerk bestehendes RAID-5 als ein einzelnes SCSI-Laufwerk. Für den Kernel macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine einzelne Festplatte oder um einen RAID-Verbund handelt, oder wie viele Festplatten das RAID umfasst.

Auf der anderen Seite braucht sich das Betriebssystem nicht um das Verteilen der Daten über die Festplatten, den Ausfall eines Laufwerks oder Inkonsistenzen zu kümmern, wie es bei Software-RAIDs der Fall ist. Das macht sich besonders im Fehlerfall bemerkbar, wenn eine Festplatte ausfällt und der Transfer der Daten auf das Ersatzlaufwerk: Beim Hardware-RAID bekommt der Rechner von dem Ausfall nichts mit.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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LinuxUser 06/2012

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