Reanimiert

Animationen rendern mit Synfig

01.04.2006
Mit Synfig legt eine professionelle 2D-Animations-Software ihren Quellcode offen. Was das noch in der Beta-Phase befindliche Tool bereits kann, zeigt ein Test.

Zwar gab Robert Quattlebaum seine Animationsfirma "Voria Studios" aus Mangel an Kundschaft auf – von seinem Produkt, dem 2D-Animations-Programm Synfig [1], trennte er sich aber glücklicherweise nicht. Stattdessen stellte er die Software, die Animatoren vom Tweening befreien soll, Ende 2005 unter die GPL. Wir werfen einen ersten Blick auf das freie Synfig.

Synfig setzt das Tweening mit Hilfe von Vektorgrafik um. Dank dieser rendert der Rechner die Animation nicht nur in beliebiger Auflösung, sondern auch mit beliebig vielen Frames pro Sekunde, was für eine flüssige Grafikdarstellung sorgt.

Installation

Synfig steht bis jetzt nur in einer Entwicklerversion zum Download bereit: Das Programm leidet noch unter diversen Bugs – so funktioniert etwa die Rotation nicht – demonstriert aber recht beeindruckend sein Potential in einem Video [2].

Suse 9.3 fehlten die von Synfig benötigten Bibliotheken. Besser ist sicherlich, Synfig unter Suse 10.0 zu installieren: Packman bietet fertige Pakete an, binden Sie sein Repository [3] einfach als Installationsquelle ein. Abgesehen von einem gröberen Bug beim Löschen der Keyframes lässt sich damit gut arbeiten. Auch unter Mandriva 2006 verursacht die Installation der Version 0.61.03 keine Probleme, die nötigen Pakete finden Sie auf der Heft-CD. Daneben gibt es auch Binärpakete für Fedora 4, Gentoo Linux, Arch Linux sowie Slackware.

Möchten Sie Synfig aus den Quellen erstellen, gilt es die drei Programmkomponenten ETL, Synfig-core und Synfig-studio in der genannten Reihenfolge zu komplieren. Dabei setzt synfig-core die Bibliotheken libxml++ und libsigc++ voraus, die grafische Oberfläche synfig-studio benötigt gtkmm ab Version 2.4, gtk ab Version 2.0, glibmm sowie libsigc++.

Die Installation aus dem Quellcode bereitet allerdings unter Umständen Scherereien: Unter Debian scheiterte das Kompilieren von synfig-studio an einem Speicherzugriffsfehler; unter Ubuntu ließ sich Synfig zwar installieren, allerdings versagte das Farb-Management.

Schöne Bildchen

Synfig taugt nicht nur zum Animieren, es eignet sich auch als Vektorgrafikprogramm (Abbildung 1). Wie sie mit Synfig eine Animation erstellen, zeigt im Folgenden ein einfaches Beispiel, bei dem ein Ball im Bogen unterhalb einer Sonne entlang fliegt.

Abbildung 1: Schon nach relativ kurzer Zeit gestaltet man mit Synfig nette Bildchen, die man in beliebiger Größe exportiert und zum Beispiel als Desktop-Hintergrund verwendet.

Klicken Sie auf das leere Blatt Papier links oben, um eine neue Zeichenfläche (Canvas) zu öffnen (Abbildung 1). Ein Dialog erwartet einen Namen und eine Beschreibung (Description) für das Bild. Im Bereich Time legen Sie die Anzahl der Frames pro Sekunde (FPS) fest, mit denen Synfig die Animation rendert. Unter End Time tragen Sie neben s eine "10" ein, damit die Animation nach 10 Sekunden endet. Über das kleine schwarze Dreieck oben links auf der Zeichenfläche erreichen Sie das Synfig-Menü. Speichern Sie den Entwurf zunächst über FileSpeichern als ball.sif im Synfig-Dateiformat. Nun machen Sie sich mit der Toolbox vertraut: Abbildung 2 erklärt, was die einzelnen Symbole bedeuten. Bewegen Sie die Maus über die Icons in der Toolbox, erscheint jeweils eine kurze englischsprachige Beschreibung. Wählen Sie die Werkzeuge aus und testen Sie diese auf der Zeichenfläche – die meisten funktionieren wie in Gimp.

Abbildung 2: Die Toolbox von Synfig. Probieren Sie zunächst die verschiedenen Werkzeuge aus, um zu sehen, welche Sie für die Umsetzung Ihrer Ideen benötigen.

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