Wenn ein digitales Foto von der Kamera auf Ihrer Festplatte ankommt, ist mit ihm schon einiges passiert. Es hat nicht nur eine Reise durchs USB-Kabel zum PC hinter sich, sondern auch in der digitalen Kamera schon einiges erlebt. Beim Auslösen entsteht nicht gleich ein fertiges JPEG-Bild, die Kamera verarbeitet die aufgenommenen Daten erst einmal in mehreren Stufen. Einige Kameramodelle speichern auf Wunsch die unverarbeiteten Rohdaten (RAW) und erlauben so dem Fotografen, etwas mehr Qualität aus den Bildern herauszuholen. Welche Geräte diese Methode unterstützen, verrät der Kasten "Kameras".
Kameras
Grob gesagt können alle digitalen Spiegelreflexkameras (Single Lens Reflex, SLR) Bilder in RAW-Formaten speichern. Viele der so genannten Bridge-Kameras, die an der Schwelle zwischen Kompakt und SLR stehen, beherrschen das ebenfalls, so diverse Canon Powershots, Fuji Finepix, mehrere Kodak-Kameras und einige Olympus-Modelle. Sogar Consumer-Kameras wie einige Nikon-Geräte lassen sich mit Tricks in den entsprechenden Modus versetzen. Eine vollständige Liste geeigneter Kameras finden Sie auf der Dcraw-Webseite von David Coffin [1].
Der Weg zum Bild
Anders als man denken würde, liefern Kamera-Bildsensoren nur ein Graustufenbild. Um damit Farbbildern zu erzeugen, liegen über dem Sensor drei gerasterte, leicht zueinander versetzte Farbfilter, die jeweils nur rotes, grünes und blaues Licht durchlassen. Einzelne Sensorpunkte auf dem Bild-Chip erfassen also immer nur eine der drei Grundfarben, die resultierende Farbe ergibt sich aus mehreren nebeneinander liegenden Punkten. Aus diesen Daten macht die Kameraelektronik ein gewöhnliches Bild, das pro Pixel drei Werte für die Farbkomponenten RGB (rot, grün, blau) besitzt.
Je nach Beleuchtung gilt ein anderer absoluter Farbwert als Referenz-Weiß eines Fotos, das die so genannte Farbtemperatur bestimmt (also wärmere oder kältere Töne). Analogfotografen führen deshalb normalerweise vor jeder Aufnahme einen Weißabgleich (White Balance) durch, der diesen Wert festlegt. Auch bei der Digitaltechnik ist ein solches Vorgehen sinnvoll und üblich. Die Kamera-Elektronik verwendet diesen Wert dann zur Umrechnung der Rohdaten in Jpeg-Bilder. Da die resultierenden Fotos weniger Farbtiefe besitzen als der Bildsensor liefert, muss die Kamera auch hier die Daten reduzieren – normalerweise auf nur acht Bit pro Farbkanal. Am Ende der automatische Verarbeitung schärft die Kamera-Elektronik das Bild, das durch die beschriebene Technik der Filterraster von Haus aus ein wenig unscharf ist.
Eigenes Labor
Im Allgemeinen machen digitale Kameras ihre Arbeit in den angesprochenen Verarbeitungsschritten recht ordentlich und für den Hausgebrauch ausreichend gut. Weichen die Beleuchtungsverhältnisse jedoch vom Durchschnitt ab, stößt die Elektronik auch mal an ihre Grenzen. Hier verschafft die RAW-Verarbeitung dem ambitionierten Fotografen zusätzlichen Spielraum – und das sogar nach der eigentlichen Aufnahme. In diesem Sinn lassen sich die RAW-Formate als digitales Negativ verstehen: Sie enthalten vielfach mehr Informationen als ein fertiges Bild, zu dem man über die "Entwicklung" bei der RAW-Verarbeitung gelangt.
Haben Sie die Kamera über das eingebaute Menü zur Aufnahm in den RAW-Modus bewogen und einige Fotos geschossen, laden Sie sie auf ihren Linux-PC. Keine Schwierigkeiten bereiten normalerweise Kamera mit Mass-Storage-Betriebsart. Sie erscheinen beim Anstecken als zusätzliche Festplatte, auf der Sie RAW-Fotos finden. Die Datei-Endung richtet sich nach den Herstellern, die je eigene, spezifische RAW-Formate verwenden. Bei Canon tragen RAW-Bilder beispielsweise meist die Endungen CR2 oder CRW.
Sollten Sie unter Gnome den PTP-Modus zum Herunterladen der Fotos benutzen, stellen Sie besser Gtkam als Hilfsanwendung dafür ein: Das vorkonfigurierte Gthumb findet die RAW-Bilder nicht. Den zugehörigen Dialog erreichen Sie über SystemPräferenzenWechseldatenträger und -medien hinter dem Reiter Multimedia. Den Befehl gthumb ersetzen Sie dort durch gtkam. Das KDE-Programm Digikam beherrscht RAW-Formate ab der Version 0.8.1, der Gnome-Bildbetrachter Gqview erst ab der aktuellen Beta-Version 2.1, die sich allerdings auf neuen Distributionen ohne Probleme installieren und benutzen lässt.



