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Digitaler Atlas

01.03.2006
Wissen Sie, wie die Nationalhymne von Marokko klingt? Wussten Sie, dass Grönland über eine Küste von 44087 Kilometern verfügt? Falls nicht, ist es an der Zeit, das Tool Xrmap zu installieren.

Im digitalen Zeitalter gehören Informationen sinnvollerweise auf den Rechner. Das gilt gerade für Fakten über die Welt, in der wir leben. Mit dem Tool Xrmap steht Ihnen ein Programm zur Verfügung, das auf eine interessanten Datensammlung zurückgreift: das CIA-Factbook.

Im World Factbook [6] stellt der amerikanische Auslandsgeheimdienst aus seiner umfangreichen Datenbank Länderportraits mit detaillierten Informationen her. Diese bereitet er zusätzlich durch Bilder und MIDI-Dateien auf. So etwas sucht der steuergebeutelte Bürger bei seinem eigenen Geheimdienst derzeit noch vergeblich.

Laut Homepage des Projektes zeigen zudem die Vektorkarten neben Flughäfen, Bergen und Sternwarten insgesamt 20 000 Städte. Auch diese finden Sie im gepackten Archiv der Publikation. Die Software Xrmap nutzt dieses Bündel an Daten und erlaubt einen schnellen Zugriff über eine Oberfläche, die auf jedem X11-System läuft.

Abbildung 1: Das CIA-Factbook liefert Ihnen bereits zahlreiche Informtionen über den Staat Südafrika.

Das Tool Xrmap steht sowohl als RPM als auch im Tar-Archivformat auf der Homepage [1] zum Download bereit. Da sich die Installation des RPM-Paketes hinlänglich bekannt und simpel gestaltet [2], helfen die folgenden Hinweise bei der Installation der Software aus dem Quelltext. Haben Sie das Archiv heruntergeladen, entpacken Sie es und wechseln anschließend mit den Befehl cd in das neu entstandene Verzeichnis:

[akneib]~os > tar xvjf Xrmap-2.33.tar.bz2
[akneib]~os > cd Xrmap-2.33/

Im nächsten Schritt editieren Sie die Datei Imakefile mit einem Editor, wie zum Beispiel Vim [3]: vim Imakefile. Über die Variablen in der Datei bestimmen Sie, in welche Verzeichnisse die Programmteile von Xrmap Sie installieren möchten:

XCOMM Install to /usr or /usr/local ??
DESTDIR=/usr

Wenn Sie den voreingestellten Wert behalten, landen Teile der Software wie Manual-Seiten oder Binärdaten im Verzeichnisbaum unter /usr. Also beispielsweise /usr/X11R6/man/man1 oder usr/X11R6/bin. Da dies nicht unbedingt der geeignete Ort für distributionsfremde Dateien ist, empfiehlt es sich, DESTDIR auf /usr/local zu setzen. Auf die selbe Weise weisen Sie der nächsten Variablen MANDIR den Wert /man/man1 und der Variable BINDIR ein /bin zu.

Unter der Kommentarzeile XCOMM Default external utilities finden Sie die externen Programme, die Xrmap zum Betrachten von HTML-Seiten und Postscript-Dateien oder zum Abspielen von MIDI-Files benötigt:

PS_VIEWER="gv -noantialias"
IM_VIEWER="display -background gray84"
HTML_VIEWER="dillo"
PRINT_CMD="lpr -Plp"
EDITOR="emx -fn 9x15"
MIDIPLAYER="timidity -ig"

Wenn Sie also einen anderen Bildbetrachter als das vorgeschlagene Programm Display bevorzugen, passen Sie die Variable IM_VIEWER entsprechend an. Gleiches gilt für die restlichen Konfigurationsvariablen des Abschnittes. Im Test stellt sich allerdings heraus, dass es zum Beispiel mit manchen Texteditoren beim Start aus Xrmap heraus zu Problemen kommt. Zum Beispiel zeigte der Editor Gvim nur eine leere Seite an.

Da es sich bei den angegebenen Tools um ausgezeichnete Werkzeuge handelt, spricht eigentlich nichts dagegen, die Vorschläge aus Imakefile zu übernehmen. Bei Bedarf passen Sie später die externen Programm später durch Kommandozeilen-Optionen an.

Eine aktuelle Suse-Distribution enthält mindestens Ghostview (gv), Timidity und das Imagemagic-Paket, zu dem Display gehört. Einzig der schnelle Webbrowser Dillo findet sich selten auf aktuellen Distributionen, sodass hier das Nachinstallieren aus dem Netz [4] anfällt. Der Editor Emx gehört übrigens zum Umfang von Xrmap.

Nachdem Sie Imakefile Ihren Bedürfnissen angepasst und die Datei abgespeichert haben, starten Sie das Kommando xmkmf. Ein anschließende make kompiliert das Programm.

[akneib]~os/Xrmap-2.33 > xmkmf
[akneib]~os/Xrmap-2.33 > make

Nachdem make erfolgreich durchgelaufen ist, sehen Sie eine Meldung, welchen externen Dateien das Programm außerdem benötigt. Kopieren Sie den Text zur Sicherheit aus der Shell heraus in eine Textdatei, um ihn bei Bedarf noch einmal zu lesen.

Doch zunächst gilt es, Xrmap zu installieren. Dazu wechseln Sie mit dem Kommando su in die Rolle des Systemadministrators. Danach testen Sie mit dem Befehl make -n install | less, ob das Setup Komponenten wie die Manpage im gewünschten Verzeichnis abgelegt.

[akneib]~os/Xrmap-2.33 > su
Password: <I>Passwort<I>
root# make -n install | less

Verläuft der Test zur Zufriedenheit, starten Sie als root das Kommando make install. Nun wenden Sie sich den in der Meldung aufgeführten Daten-Files zu. Es handelt sich dabei unter anderem um die komprimierte Karte CIA_WDB2.jpd.bz2, das Tar-Archiv flags-2.5-eps.tar.bz2 mit den Nationalflaggen oder das CIA-Factbook im HTML-Format mit dem Namen factbook_html_2005.tar.bz2. Die Meldung selbst gliedert diese Dateien in erforderliche (required), empfohlene (recommended) und optionale Daten und beschreibt ihre Funktion.

Dieses Material bekommen Sie vom FTP-Server des Projektes [4]. Wie weit Sie Xrmap damit ausstatten wollen, hängt nicht zuletzt von Ihrer Internet-Verbindung ab. Mit Größen zwischen 26 MB und 476 MB ist das Herunterladen einige der Module nur für DSL-Nutzer spruchreif. Damit die Besitzer analoger Modems nicht im Regen stehen, finden sich die wichtigsten Erweiterungen außerdem auf der CD, die diesem Heft beiliegt.

Nach dem Download verschieben Sie die Dateien ins Share-Verzeichnis, das in Imakefile über die Variable SHAREDIR definiert ist. In unserem Beispiel handelt es sich um das Verzeichnis /usr/local/share/rmap. Im nächsten Schritt wechseln Sie ins SHAREDIR und entpacken die noch komprimierten Zusätze:

root# cd /usr/local/share/rmap
root# for i in *.tar.bz2; do tar xvjf $i; done

Jetzt steht Xrmap vollständig zum Einsatz bereit.

Stadt, Land, Fluss

Im Gegensatz zum Installieren des "Geographic Information System" Xrmap fällt das Bedienen der Software beinahe ein kinderleicht. Nachdem Sie das Programm durch den Aufruf xrmap in der Shell gestartet haben, präsentiert es sich in Form einer Weltkugel.

Um näher in einen Kartenbereich zu zoomen, drücken Sie die Taste [+]. Das Minus-Zeichen [-] verkleinert den sichtbaren Ausschnitt wieder, und mit den Pfeiltasten bewegen Sie sich auf der Karte. Alternativ dazu markieren Sie mit der rechten Maustaste ein Feld. Die Software zoomt dann genau in diesen Ausschnitt, sodass Sie ihn genauer betrachten können.

Abbildung 2: Im aktuellen Kartenausschnitt zeigt das Programm Xrmap Nordafrika mit Städten und Flughäfen.

Die mittlere Maustaste öffnet ein Menü, über das Sie verschiedene Einstellungen vornehmen, indem Sie auf die eingerahmten Buchstaben klicken. Ein Beispiel zur Funkionsweise: Drücken Sie hier auf die Taste [O], öffnet sich der Editor zum Einstellen der Optionen. Hier wählen Sie Datei und in dem erscheinenden Sub-Menü den Parameter Externe Programme.

Jetzt haben Sie die Möglichkeit zum Anpassen der Tools, die Sie zuvor in Imakefile bestimmt haben. Wenn Sie nach einen Klick auf das Kästchen HTML-Surfprogramm das folgende Textfeld von dillo in firefox ändern, dann zeigt nun der Mozilla Firefox die HTML-Seiten des CIA-Factbook an.

Sämtliche Optionen fallen sehr umfangreich aus. Sie erstrecken sich von der Druckerkonfiguration über zu benutzende Kartenbilder und detaillierte Farbanpassungen bei Landesgrenzen und Flüssen bis hin zur Suche von Staaten, Orten und Regionen. Auch die Anzeige von Flughäfen, Gipfeln, Observatorien oder Längen- und Breitenkreisen nehmen Sie hier vor.

Viele Parameter erreichen Sie am schnellsten über Tastaturkürzel. Die Taste [I] informiert Sie über den Namen von Städte, ein Druck auf die Taste [A] zeigt Ihnen die Flughäfen und deren Namen. Um Observatorien zu sehen, drücken Sie die Taste [B]. Namen von Ländern und Meeren sehen Sie über die Taste [L]. Ein [P] für Peak bildet Gipfel wie den Großglockner, die Zugspitze oder die Ammergauer Hochplatte ab.

Die Darstellung rotiert auf Tastendruck zwischen Anzeige des Ortes, Anzeige des Ortes samt des Namens und Ausblenden des Ortes. Der Doppelpunkt [:] öffnet für Sie eine topografische Karte der ausgewählten Region. Zum Überblick haben wir in der Tabelle "Shortcuts für Xrmap" noch einmal die wichtigsten Tastaturkommandos für Sie zusammengefasst.

Abbildung 3: Xrmap zeigt auf Wunsch den Text der Irischen Nationalhymne mit Übersetzung an.

Shortcuts für Xrmap

[A] Flughäfen ein-/ausblenden
[B] Observatorien ein-/ausblenden
[H] Hilfe anzeigen
[I] Städte ein-/ausblenden
[L] Länder ein-/ausblenden
[P] Gipfel ein-/ausblenden
[Q] Xrmap beenden
[S] Suche aufrufen
[:] Umschalten zur topografische Karte
["] Liste der Tastaturkürzel anzeigen
[+] Kartenausschnitt vergrößern
[-] Kartenasusschnitt verkleinern

Die Funktionen, die Sie über die rechte und mittlere Maustaste auslösen, kennen Sie bereits. Bleibt noch der Klick mit der linken Maustaste übrig. Er öffnet, wenn sich der Mauszeiger auf einer Stadt befindet, den Infokasten Stadt & Land. Dort finden Sie, wie der Name sagt, Wissenswerstes über die Ortschaft und das Land, in dem sie sich befindet. Das Fenster berichtet über das Bundesland, zu dem die Stadt gehört, ebenso wie über deren geografische Eigenschaften und die Bevölkerungsstruktur.

Über einem Flughafen geöffnet verrät Ihnen Xrmap dessen Flughafencode oder die Länge der Startbahn. Bei Gipfeln erfahren Sie zusätzlich, zu welchem Gebirge sie gehören und wie ihre Höhe ist. Ähnlich verfährt das Programm bei Sternwarten.

Doch gleichgültig, ob es sich um eine Stadt, einen Gipfel, ein Observatorium oder einen Flugplatz handelt: Das Fenster liefert neben Landesdaten sechs Buttons. Diese Knöpfe öffnen, von links nach rechts betrachtet, Länderdaten, das CIA-Factbook, den Text der Nationalhymne, die Melodie der Nationalhymne und die Landeskarte als Postscript, PDF oder Grafik. Der letzte Button zentriert das Bild im Fenster.

Abbildung 4: Zu jedem Ort liefert die Software detaillierte Informationen in einem neuen Fenster.

Da bei Xrmap buchstäblich 1000 Wege nach Rom führen, versteht es natürlich zahlreiche Kommandozeilen-Parameter. Die Manpage verschafft Ihnen einen Überblick von den rund achtzig Optionen, die Ihnen in der Shell zur Verfügung stehen. Sie erreichen sie über den Befehl man xrmap in der Kommandozeile oder direkt aus Xrmap heraus mit der Taste [H] für die Hilfe.

Grundsätzlich existieren für viele Shortcuts und Schalter der Konfiguration entsprechende Paramater, die Sie dem Tool bei Bedarf einfach in der Shell übergeben. Zum Beispiel zeigt das Programm gleich die Städte (+cities) und Flughäfen (+airports) beim Start an. Die Karte auf Europa beschränken Sie mit -continent 3, und die Länderdaten laden Sie mit -editor xedit in den gleichnamigen Texteditor.

Wenn Sie Ihr Karten-Studium an einen bestimmten Ort beginnen wollen, helfen Ihnen die Parameter -latitude (Breitengrad) und -longitude (Längengrad): xrmap -latitude 52.520 -longitude 13.380 -zoom 10 ++cities.

Im obigen Beispiel zentriert Xrmap die Karte beim Start auf Berlin, vergößert die Ansicht zehnfach (-zoom 10) und führt die Städte namentlich auf (++cities). So landen Sie auf der Karte punktgenau dort, wo Sie möchten.

Auch wenn die Installation aus den Quellen zunächst schwierig erscheint und viele der Erweiterungen beträchtlichem Umfang haben, besitzen Sie mit Xrmap ein Werkzeug, dass ebenso mächtig wie flexibel ist, und dass durch seine übersichtliche Bedienbarkeit überrascht.

Infos

[1] Xrmap-Seite: http://frmas.free.fr/li_1.htm#_Xrmap_

[2] Hans-Georg Eßer: Software-Installation leicht gemacht, http://www.linux-user.de/ausgabe/2000/08/044-installieren/installieren.html

[3] Texteditor Vim: http://www.vim.org

[4] Webbrowser Dillo: http://www.dillo.org

[5] FTP-Server mit den Zusatzdaten: ftp://ftp.ac-grenoble.fr/ge/geosciences/xrmap/data/

[6] CIA-Factbook: http://www.cia.gov/cia/publications/factbook

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