Ins Netzwerk integriert

Asterisk und ISDN

01.03.2006
Mit Asterisk installieren Sie auf Ihren Rechner eine Telefonanlage für das gesamte Netzwerk. Wir zeigen Ihnen, wie Sie in die Internet-Telefonie einen Festnetzanschluss integrieren.

Über welche Features die Telefonanlagen-Software Asterisk genau verfügt, darüber berichteten wir in einem Artikel in der Ausgabe 12/2005. Unter den zahlreichen Leserbriefen, die die Redaktion zu diesem Thema erreichte, tauchte immer wieder die Frage auf, ob es nicht möglich sei, einen vorhandenen Festnetzanschluß irgendwie an Asterisk zu kuppeln. Dieser Artikel verrät, wie Sie die Schulterschluss zu ISDN bewerkstelligen.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Nachdem Sie einige Wochen Internet-Telefonie mit Asterisk und einem Software-Telefon abgewickelt haben, entschließen Sie sich zum Kauf eines Hardware-VoIP-Telefons. Anschließend stehen bei Ihnen zwei Telefone auf dem Schreibtisch, und im schlimmsten Falle haben sie ähnliche Klingeltöne, sodass Sie beim Klingeln im ersten Augenblick nicht merken, welches der Telefone klingelt.

Oder Sie haben vielleicht einen Computer mit Netzwerkanschluss an ihrem Schreibtisch stehen, ein Telefonanschluss fehlt allerdings. Dann erlaubt Asterisk Ihnen – vorausgesetzt, Sie besitzen einen ISDN-Anschluss – eine ideale Kombination aus VoIP- und Festnetztelefonie.

Voraussetzungen

Sie sehen – Gründe, um Asterisk mit dem Festnetzanschluss zu verbinden gibt es genug. Bevor Sie aber loslegen, ein Wort zu den Voraussetzungen für das Unterfangen. Zunächst benötigen Sie einen ISDN-Festnetzanschluss. Dementsprechend benötigt der Rechner mit dem Asterisk-Server zusätzlich eine ISDN-Karte. Ob es sich dabei um eine passive oder eine aktive Karte handelt, spielt im Grunde keine Rolle. Achten Sie aber darauf, das die CAPI-Treiber von AVM [1] Ihre Hardware unterstützen. Andernfalls steuert Asterisk die Karte später nicht richtig an.

Die folgende Hinweise fußen auf dem schon erwähnten ausführlichen Artikel zur Asterisk-Installation aus Heft 12/2005. Als Testsystem kommt Debian zum Einsatz. Mit etwas Geschick übertragen Sie die Schritte allerdings ohne größere Probleme auf andere Distributionen.

CAPI4Linux installieren

Haben Sie die Hardware in den Rechner eingebaut, folgt als nächster Schritt das Installieren der ISDN-Treiber. Setzen Sie auf dem Asterisk-Rechner Suse Linux 9.3 ein, finden Sie die wichtigsten Informationen ebenfalls auf der AVM-Homepage [2]. Bei allen anderen Distributionen gestaltet sich die Arbeit etwas umständlicher. Hier fangen Sie im Grunde bei Null an, indem Sie einen neuen Kernel bauen. Wie das funktioniert, erfahren Sie ebenfalls im Hilfe-Archiv von AVM [3].

Hat der Kernel Ihre ISDN-Karte als CAPI-Controller erkannt und Sie das CAPI4Linux-System auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt, dann beginnen Sie mit der Konfiguration von Asterisk. Diese Software ist über Module beliebig erweiterbar. Ein Modul namens Chan_capi bindet es über die CAPI-Schnittstelle direkt an die ISDN-Karte, so dass Asterisk direkten Zugriff auf die Leitungen.

Wenn Sie das Asterisk-Paket Ihrer Distribution verwenden, hier im Beispiel also Debian, empfiehlt es sich, auf das Paket des Distributors für Chan_capi zu setzen. Hier funktioniert das Zusammenspiel mit dem Asterisk des Distributors am besten, und Sie sparen sich das Kompilieren des Moduls aus dem Quelltext. Das ist bei Chan_capi sehr umständlich.

Unter Debian installieren Sie Chan_capi über apt-get install asterisk-chan-capi. Leider konfiguriert das System bei der Installation dn Asterisk nicht entsprechend, sodass der Server das neue Modul tatsächlich lädt. Das holen Sie manuell nach, indem Sie die Zeile load => chan_capi.so in /etc/asterisk/modules.conf nach autoload=yes einfügen und chan_capi.so=yes unter [global] eintragen.

Nun ist zunächst ein Neustart von Asterisk fällig. Das erledigen Sie mit /etc/init.d/asterisk restart. Haben Sie die ISDN-Karte im Asterisk-Rechner jetzt mit dem entsprechenden Anschluss verbunden, dann registriert der Rechner ab nun die eingehenden Anrufe auf diesen Leitungen. Da der Server jedoch nicht für die Annahme solcher Telefonate konfiguriert ist, schickt er den Anruf stillschweigend ins Leere.

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