Am schönsten ist Videoschauen immer noch am Fernseher. Heute geht das am einfachsten mit dem DVD-Player. Deshalb brennen viele die heruntergeladenen oder selbstgemachten Filme auf die Scheibe, statt sie am Computer anzusehen. Doch weil kein DVD-Player auch alle existiertenden Videoformate beherrscht, wollen die Filme erst einmal ins passende Format gewandelt werden. Eine Sammlung von Kommandozeilenprogrammen unter dem Namen Videotrans hilft dem Linux-Benutzer dabei.
Alle Formate
Hinter den Kulissen verwendet Videotrans den Mplayer zum Konvertieren [2]. Deshalb verarbeitet es als Eingabeformat jeden Codec, den der mächtige freie Player abspielen kann. Mit dem Win32-Codec-Pack beherrscht er sogar die neuesten Windows-Videoformate. Außer dem Mplayer braucht Videotrans noch FFmpeg, den Encoder mpeg2enc aus dem Mjpegtools-Paket und spumux von Dvdauthor.
Das Configure-Skript überprüft die meisten Abhängigkeiten und meldet, wenn ein Paket fehlt. Einige spezielle Punkte übersieht es allerdings. So setzt Videotrans das Paket Imagemagick mindestens in Version 6.0 voraus: Es verwendet die Option -splice des Convert-Befehls, die in älteren Imagemagick-Versionen fehlt. Nach dem make install finden Sie alle Videotrans-Skripts in /usr/local/bin, sofern Sie kein anderes Installationsverzeichnis eingestellt haben. Es gibt zwar kein Skript dieses Namens, man videotrans zeigt aber eine Liste der enthaltenen Programme.
Am Anfang der DVD-Herstellung steht die Umwandlung des Ausgangsmaterials in je einen Video- und einen Audio-Stream im MPEG-Format. Das erledigen Sie mit dem Skript movie-to-dvd, das eine Reihe von Kommandozeilenparametern versteht. Obligatorisch ist nur -m, das den Fernsehstandard fürs Ausgabeformat festlegt (hierzulande PAL), was sich auf die Bildgröße und die Frame-Rate auswirkt. Der Aufruf movie-to-dvd -m pal Video.avi erzeugt aus Video.avi den Video-Stream Video.m2v und die Audiodatei Video.mp2. Wenn Sie auf eine DVD gleich mehrere Filme brennen wollen, konvertieren Sie die anderen Videos auf die gleiche Weise. Im Test trat bei den meisten Skriptaufrufen eine Fehlermeldung des Unix-Tools tr auf (Ungültiger Backslash am Ende der Zeichenkette), die aber keine merklichen Konsequenzen mit sich brachte.
Bewegende Menüs
Haben Sie das Rohmaterial umgewandelt, geht es ans Erzeugen des Menüs. Die einfachste Variante ist ein einfarbiger Hintergrund mit Buttons zum Starten der Filme. Ein solches DVD-Menü gestalten Sie mit movie-make-title-simple und dem Schalter -n none (keine Animation). Für unbewegte Vorschaubilder wählen Sie -n static, für bewegte Vorschaufilme -n animated. Letzteres ist die Standardeinstellung, wenn Sie den Schalter weglassen.
Mit -b und einem hexadezimalen Farbcode legen Sie die Hintergrundfarbe fest. Wie in HTML-Seiten stehen die drei Zahlen für die Farbkomponenten rot, grün und blau. Für das hellste Weiß nehmen alle drei Farbkanäle den Maximalwert ff an, zusammen also ffffff. Mit dem Schalter -i legen Sie statt einer einfarbigen Fläche eine Bilddatei als Hintergrund fest, hinter -a folgt eine Audiodatei, die während des Menüs abläuft. Ist das Bild kleiner als die PAL-Größe 720x576, sorgt der Schalter -s dafür, dass das Programm es entsprechend vergrößert. Das hinter -o stehende Ausgabeverzeichnis legt das Skript selbst an, sofern es noch nicht existiert.
Gefällt Ihnen ein DVD-Menü mit animiertem Hintergrund besser, besteht der erste Schritt darin, aus der Filmvorlage genügend Einzelbilder für die Animation zu extrahieren. Das übernimmt das Skript movie-make-title, das die meisten Parameter des eben vorgestellten Skripts versteht, so auch -n. Der Schalter -m legt wieder das Fernsehformat fest, -s bestimmt den Startzeitpunkt in Sekunden, -e das Ende. Folgende Zeile extrahiert alle Einzelbilder zwischen 20 und 30 Sekunden aus dem Video-File und legt sie im Verzeichnis titel ab:
movie-make-title -o titel ↩ -m pal -s 20 -e 30 Menu.mpeg
Die Titelanimation muss nicht unbedingt aus einem der Videos stammen, die Sie auf DVD brennen wollen. Sie können diese auch aus anderen Filmchen extrahieren oder ganz andere Bilder in diesem Verzeichnis ablegen. Dabei sollten Sie darauf achten, dass es so viele Bilder sind, dass sie für eine Animation der gewünschten Länge reichen. Auch die im Verzeichnis befindliche title.wav können Sie durch eine eine andere Audiodatei ersetzen, die Sie zum Beispiel in einem Audio-Editor wie Audacity bearbeitet haben.
Weil auch das Skript movie-make-title im Hintergrund Mplayer verwendet, und dieser beim Ansteuern der Zeitpunkte nicht sehr genau ist, sollten Sie nach oben und unten einige Sekunden mehr einkalkulieren. Mit einem Bildbetrachter sehen Sie sich dann die erzeugten Einzelbilder an und löschen unerwünschte.
Diese Bilder dienen nur der hinter dem Menü liegenden Titelanimation. Die einzelnen Menüpunkte fertiger Videotrans-DVDs bestehen aus rechteckigen Kästen, in denen Ausschnitte der vorhandenen Filme ablaufen. Das Skript movie-title erzeugt aus der Titelanimation und den vorher berechneten MPEG-2-Videodateien ein komplettes DVD-Menü im VOB-Format:
movie-title -o titel.vob -t ↩ titel/ *.m2v
Mit Mplayer können Sie sich das Zwischenergebnis titel.vob ansehen, nicht aber die Interaktion mit dem Menü testen.
Interessant ist auch der Schalter -T, der die (unsichtbare) Matrix festlegt, auf der movie-title die Vorschaubilder oder -filme anordnet. Normalerweise macht das Programm das automatisch, es wählt also zum Beispiel für sieben Filme ein Raster von 3x3 Feldern. Brennen Sie nur zwei Filme auf eine DVD, füllt movie-title mit den Menüpunkten fast die ganze Fläche aus und der Hintergrund bleibt weitgehend unsichtbar. Setzen Sie mit -T 3x3 ein Raster vom neun Feldern fest, platziert movie-title die beiden Filme nur in die ersten beiden Felder, in der freien Fläche läuft wie in Abbildung 1 die Hintergrundanimation ab.



