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Planetarium @ /home

Sterne gucken mit Stellarium

Mondsüchtig

Betrachten Sie nun den Mond etwas genauer: Dazu wählen Sie das Symbol mit der Lupe oder drücken [Strg]+[F], rufen dann den Reiter Planets & Moons auf und tippen in das Textfeld Moon ein. Beenden Sie den Vorgang mit [Eingabe], sucht Stellarium den Planeten und zentriert ihn auch gleich. Sie betrachten den Mond nun mit Hilfe der Zoom-Funktion aus der Nähe oder folgen seiner Laufbahn, indem Sie [T] drücken und zugleich die Zeit beschleunigen. Das klappt auch mit Konstellationen, Nebeln oder Sternen, die Sie mit Hilfe der Suchfunktion ebenfalls finden. Sterne rufen Sie mit den Namen oder der Nummer aus dem Hipparcos-Katalog auf, Nebel suchen Sie nach den Konventionen im Messier-Katalog.

Unsichbare Welten

Es gibt auch ein paar kleine Tricks in Stellarium, für die Sie die Datei /.stellarium/config.ini in Ihrem Home-Verzeichnis brauchen. Dank dieser Datei befindet sich das Planetarium gewöhnlich zunächst in Paris, ersetzen Sie diese Daten einfach durch Ihre Lieblingsstadt. Für München lautet der Eintrag:

        [init_location]
        name = Munich
        latitude = +48 08'24.00\"
        longitude = +11 34'30.00\"
        altitude = 0

Dem Namen folgen Längen- und Breitengrad, die eingetragene Höhe spielt allerdings keine Rolle. Stellarium liegt bis jetzt leider noch nicht komplett auf Deutsch vor. Aber ein wenig Lokalkolorit bringen Sie über die Datei config.ini dennoch hinein: Im Abschnitt localization tragen Sie sky_locale=deu ein, dann erscheinen deutsche Namen für die Planeten und Sternbilder am Himmelszelt.

Setzen Sie die Option flag_show_script_bar auf true, erscheint im unteren Menü ein zusätzliches Eingabefeld, über das Sie Stellarium in Form verschiedener Kommandos steuern – eine Referenz für diese Kommandos gibt es im Netz [4].

Auch Skripting funktioniert: Mit [Strg]+[R] zeichnen Sie alle Aktionen, die Sie in Stellarium vornehmen, auf. Das Programm erzeugt während der Aufnahme eine Datei namens stellarium0.sts in Ihrem Home-Verzeichnis, mit der Kombinationen [Strg]+[R] stoppen Sie die Aufzeichnung auch wieder. Das Starten eines solchen Skripts verläuft mitunter etwas umständlich: Zunächst kopieren Sie die Datei stellarium0.sts in das Verzeichnis /usr/local/stellarium/data/scripts/startup.sts, dann starten Sie Stellarium neu und drücken [M], um in ein Textmenü zu gelangen. Mit [Pfeil-unten] arbeiten Sie sich zum Punkt 6. Scripts vor und wechseln dann mit [Pfeil-rechts] zu 6.1 Local Scripts: Select and exit to run. Mit [Pfeil-oben] und [Pfeil-unten] durchsuchen Sie die vorhandenen Skripte und drücken [Eingabe], wenn Ihr Skript erscheint. Verlassen Sie das Menü mit [M], startet das Skript automatisch; mit [7] stoppen Sie es wieder.

Mit [Strg]+[S] nehmen Sie einen Screenshot auf, den das Programm ebenfalls im Home-Verzeichnis deponiert. Mit der richtigen Software erstellen Sie gar ein eigenes Panoramafoto, dass Sie dann als Landschaft für Ihr Planetarium nutzen [5, 6]: Das kann Ihr Garten sein, aber auch die Wiese im Park.

Koordinatensysteme

Planeten drehen sich, von der Erde aus betrachtet, um einen festen Punkt: den Himmelspol (celestial pole). Der Himmelspol besteht eigentlich aus zwei Polen, steht man am Nordpol, befindet er sich direkt im Zenith; am Südpol gilt dasselbe, nur heißt der Zenit dort Nadir. Vom Äquator aus betrachtet, liegen die Himmelspole also im Süden und Norden. Die imaginäre Himmelskugel (celestial sphere) verbindet diese beiden Pole und schafft so ein Koordinatensystem am Firmament. Der Himmelsäquator (celestial equator) verläuft – ähnlich dem Äquator – quer zur Achse der beiden Himmelspole, aber die Himmelspole sind nicht mit Nord- und Südpol identisch.

Azimuthal Grid (Altitude/Azimuth coordinate system) Eine Methode zur Ortsbestimmung von Himmelskörpern: Man lokalisiert einen Fixstern und denkt man sich einen Winkel, der aus der Perspektive des Beobachters vom Stern gerade hinunter reicht bis zum Horizont. Dieser Winkel legt die Höhe (Altitude) fest. Die horizontale Strecke vom Norden bis zu dem Punkt, wo der Höhenwinkel den Horizont schneidet (ein Bogen), nennt man Azimut (Azimuth) (Abbildung 4). Dieses Koordinatensystem ist recht einfach, taugt allerdings nicht zur Bestimmung einer exakten Position von Planeten [7]. Denn die Koordinaten ändern sich durch die Bewegung der Erde und beim Überschreiten eines Breitengrads.

Equatorial Grid (Right Ascension/Declination (RA/Dec) coordinate system) Dieses Koordinatensystem verwendet auch der Hipparcos-Sternen-Katalog. Es misst, ausgehend vom Himmelsäquator die exakte Position eines Sterns im Koordinatensystem. Beim Frühlingspunkt – einem Fixstern – startend, bestimmt man entlang des Himmelsäquators den ersten Winkel (Rektazension) und anhand der Ausrichtung zum Nordpol den zweiten Winkel (Deklination) und errechnet so die Position eines Himmelskörpers und ordnet ihn auf dem Koordinatensystem ein (Abbildung 5). Der Vorteil an dieser Methode: Der Himmelsäquator bleibt statisch, die Position bleibt genau [8].

Abbildung 4: Die Skizze von Andras Mohari, Matthew Gates und der Open Clipart Library verdeutlicht das "Altitude/Azimuth"-Koordinatensystem.

Abbildung 5: Das "Right Ascension/Declination"-Koordinatensysten ist komplizierter, funktioniert dafür aber unabhängig vom Breitengrad des Betrachters.

Glossar

Astronomische Nebel

Interstellare Wolken aus Staub und Gas, die entweder selbst Licht aussenden oder angestrahlt werden.

Hipparcos-Katalog

Beruht auf Daten, die der Satellit Hipparcos über die Orte und Bewegungen von 118.000 Sternen sammelte.

Messier-Katalog

Listet astronomische Objekte auf, vorwiegend Galaxien, Nebel und Sternenansammlungen, benannt nach seinem Verfasser Charles Messier.

Infos

[1] Homepage des Stellarium-Projekts: http://stellarium.sourceforge.net

[2] Quellcode von Stellarium: http://prdownloads.sourceforge.net/stellarium/stellarium-0.7.1.tar.gz?download

[3] Tastaturkürzel in Stellarium: http://porpoisehead.net/mysw/stellarium_user_guide_html/node20.html

[4] Kommando-Referenz: http://cvs.sourceforge.net/viewcvs.py/*checkout*/stellarium/stellarium/doc/commands.html?rev=1.16

[5] Oliver Frommel, "Panoramas mit Hugin und Enblend", Linux User 12/ 2004.

[6] So schaffen Sie eine eigene Landschaft: http://porpoisehead.net/mysw/stellarium_user_guide_html/node39.html

[7] Mehr zum "Azimuthal Grid": http://porpoisehead.net/mysw/stellarium_user_guide_html/node46.html

[8] Weitere Infos zum "Equatorial Grid": http://porpoisehead.net/mysw/stellarium_user_guide_html/node47.html

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

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LinuxUser 06/2012

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