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Von der Rolle

Digitaler Videorekorder VDR

01.02.2006 Filmrollen und Videokassetten haben heute als Datenträger ausgedient: Im Zeitalter des digitalen Fernsehens landen die Hollywood-Produktionen mit Hilfe von VDR direkt auf der Festplatte.

Im digitalen Zeitalter haben es analoge VHS-Videorekorder schwer, mit den Funktionen und der Qualität ihrer digitalen Konkurrenten mitzuhalten. Während über Satellit fast DVD-taugliche Digitalkanäle zur Verfügung stehen, zeichnen VHS-Rekorder mit gerade einmal 200 Zeilen nur einen Bruchteil der Bildinformationen auf. Mit dem digitalen Videorekorder VDR [1] hingegen, einem Linux-Programm, zeichnen Sie die volle Qualität auf und schneiden sogar verlustfrei.

Voraussetzung dafür ist, dass Sie eine so genannte Full-Featured- oder Premium-Empfangskarte für DVB eingebaut haben. Im Gegensatz zu den deutlich günstigeren Budget-DVB-Karten, die lediglich über den Empfangsteil verfügen, besitzen die Full-Featured-Karten einen Hardware-MPEG-Decoder, der das Fernsehbild am TV-Anschluss der DVB-Karte fertig zur Verfügung stellt.

Nachschubprobleme

Derzeit bereitet das Angebot an Full-Featured-Karten der VDR-Gemeinde arge Kopfschmerzen: Die sehr guten Technotrend-DVB-S-Karten der Revisionen 1.5 und 1.6 gibt es nicht mehr, einzig die Revision 1.3 trifft man noch relativ häufig an. Als Ersatz kommt lediglich die Technotrend DVB-S 2300 in Frage – sie wird jedoch erst seit Kernel 2.6.14 ausreichend gut unterstützt. Baugleich zur Technotrend DVB-S 2300 ist die Hauppauge Nexus-s Revision 2.3.

Die Wiedergabe über die Grafikkarte, sei es per Xine oder MPlayer, befindet sich noch immer in Entwicklung – gelegentlich hakt es am Zusammenspiel der VDR-Erweiterungen mit verschiedenen Plugins, so dass Einsteiger nach wie vor zu einer Full-Featured-Karte greifen sollten.

Für die ersten Gehversuche mit VDR greifen Sie am besten auf ein fertiges Paket Ihrer Distribution zurück. Bei Redaktionsschluss war noch immer die Version 1.2.6 vom November 2003 die neueste stabile Release, was nicht bedeutet, dass sich beim VDR-Projekt seit zwei Jahren nichts getan hätte: Klaus Schmidinger arbeitet mit Hochdruck an dem Entwicklerzweig 1.3.x, der in wenigen Wochen zur neuen Stable-Release 1.4 ernannt werden könnte. Wann genau die Version 1.4 erscheinen wird, ist genau wie beim Debian-Projekt nicht vorab bekannt – ein Zeitplan würde lediglich mehr Druck bedeuten, der kaum in besserem Code enden dürfte.

Suse Linux 10 bringt nach wie vor VDR Version 1.2.6 mit, hält jedoch die Treiber für die DVB-Karten sehr aktuell – leider fehlt noch die Unterstützung für die neuen Technotrend DVB-S 2300. Für die Grundfunktionen eines digitalen Videorekorders reicht das Suse-Paket von VDR vollends aus: Aufnehmen, Schneiden und Timeshifting sind problemlos möglich.

VDR im Wohnzimmer

Für den Einsatz im Wohnzimmer taugen herkömmliche Distributionen jedoch wenig, sie bringen sehr viel Ballast in Form von Diensten und Programmen mit, die ein Videorekorder gar nicht benötigt. So entstanden einige hoch spezialisierte Distributionen wie LinVDR, MiniVDR, VDR4YOU und c't-VDR, deren Einsatzzweck ein eigener Rechner ist, der hauptsächlich oder ausschließlich als Videorekorder dient.

Vor der Installation müssen Sie entscheiden, welcher VDR Ihre Anforderungen am besten abdeckt. Das Suse-10-Paket von VDR lässt sich problemlos per YaST nachinstallieren und ohne weitere Anpassungen direkt nutzen, für die Bedienung am Monitor sollten Sie zudem kvdr nachinstallieren. Wollen Sie die neuesten Funktionen von VDR ausprobieren, müssen Sie eine der Entwicklerversionen selbst übersetzen und installieren. Dazu benötigen Sie von der VDR-Homepage [1] die Quellen und die Pakete aus der Selektion C/C++ Entwicklungswerkzeuge sowie Kernel-Entwicklung. Hinweise zum Übersetzen bekommen Sie in der Datei INSTALL der Quellen, in den meisten Fällen reicht jedoch der Aufruf make REMOTE=LIRC VFAT=1 aus.

Haben Sie VDR ohne Fehlermeldung übersetzt, kopieren Sie das Programm sowie die Konfigurationsdateien an die Orte, die in der Installationsbeschreibung genannt sind. Auch Manpages sind im Quellenverzeichnis enthalten.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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