Tabbing-Modus

Das so genannte "Tabbing" ermöglicht, mehrere (Anwendungs-)Fenster in einem Rahmen ("Frame") zusammenzufassen, wobei Sie jedes einzelne über einen Reiter erreichen. Um das Tabbing zu nutzen, müssen Sie den aktuellen Rahmen entsperren ("unlock"), sodass Sie mehrere Fenster darin platzieren können. Dies geschieht über [Alt]+[U].

Starten Sie nun anschließend mit [Alt]+[T] ein neues Terminal, befindet es sich anschließend im selben Rahmen – die Titelleiste des Rahmens teilt sich entsprechend. Um zwischen den beiden Fenstern zu wechseln, verwenden Sie jetzt [Alt]+[Shift]+[Tab] anstelle der normalen Tastenkombination. Da es sich nur um einen Modus handelt, arbeitet diese Funktion mit allen Layouts zusammen (Abbildung 4). Entsperren Sie mit [Alt]+[Shift]+[U] den Rahmen wieder, um zu verhindern, dass sich neue Fenster ebenfalls darin öffnen.

Abbildung 4: Wmii im "floating"-Layout mit "tabbed"-Fenstern.

Benutzerspezifische Konfiguration

Nach einer Standardinstallation finden Sie die Konfigurationsdateien im Verzeichnis /usr/local/etc/wmii. Kopieren Sie zunächst das gesamte Verzeichnis nach ~/.wmii. Dort befinden sich nun die Dateien bar, keys, menu, rc, rc.conf, status.sh, wm sowie ein Verzeichnis namens action. Bei den Dateien handelt es sich um gewöhnliche Shell-Skripts. Die Datei bar ist für die Statusleiste zuständig, keys für die Tastaturkürzel. Das Skript menu steuert das interne und externe Kommandomenü, wm den Window-Manager selbst. Das Skript status.sh erzeugt die Ausgabe in der Statusleiste. Für den Anfang heißt die wichtigste Datei rc.conf (Listing 3): Über diese beeinflussen Sie Einstellungen wie das Hintergrundbild und die Farben der Fenster.

Listing 3

TAB_HEIGHT=16
BAR_HEIGHT=16
BORDER_WIDTH=3
SELECTED_BG_COLOR="#666699"
SELECTED_TEXT_SIZE=10
SELECTED_TEXT_ALIGN=center
SELECTED_TEXT_FONT="fixed"
SELECTED_FG_COLOR="#FFFFFF"
SELECTED_BORDER_COLOR="#9999CC"
NORMAL_BG_COLOR="#888888"
NORMAL_TEXT_ALIGN=center
NORMAL_TEXT_FONT="fixed"
NORMAL_TEXT_SIZE=10
NORMAL_FG_COLOR="#FFFFFF"
NORMAL_BORDER_COLOR="#BBBBBB"
WALLPAPER="xsetroot -mod 2 2 -bg #666699 -fg #888888"
DEFAULT_LAYOUT=tiled  # tiled, max, grid or vsplit
TILE_WIDTH=60
MODKEY=mod1  # modifier key used by the default key bindings
NORTHKEY=k
SOUTHKEY=j
WESTKEY=h
EASTKEY=l

Die Zeilen 01 bis 18 in Listing 3 modifizieren das Aussehen des Window-Managers. Es handelt sich dabei um Shell-Variablen, wie sie die genannten Shell-Skripte verwenden. Um etwa den Standardhintergrund zu ersetzen, ändern Sie einfach die Variable WALLPAPER (Zeile 16):

WALLPAPER="Esetroot -scale -center /home/test/.wmii/wallpaper.png"

Auch die Tastenkombinationen für die Richtungsangaben verändern Sie mit Hilfe der Dateien. MODKEY (Zeile 19) definiert die Modifier-Taste, die stets die Kommandos einleitet. Die im Listing abgebildete Konfiguration setzt auf mod1, was auf der Tastatur [Alt] entspricht. Möchten Sie weitere Tastaturkombinationen ändern, bearbeiten Sie die Datei keys.

Sollen die Einstellungen nur temporär greifen, verwenden Sie den wmir-Befehl; um die Änderungen dauerhaft zu nutzen, schreiben Sie diese in die Konfigurationsdateien. Wollen Sie Änderungen im laufenden Betrieb anwenden, starten Sie dazu den Window-Manager nicht komplett neu, sondern laden einfach nur die einzelnen Komponenten erneut. Das geschieht über die Datei rc ("run command"), bei der es sich um ein schlichtes init-Skript handelt, das die üblichen Kommandozeilen-Parameter start, stop und restart verwendet. Durch ./rc restart im laufenden Betrieb initialisieren Sie also Wmii neu.

Im Verzeichnis action gibt es für jede Option ein Shell-Skript. Führen Sie mit [Strg]+[Alt]+[A] einen Befehl aus dem Aktionsmenü oder eine Tastenkombination aus, dann startet das entsprechende Skript aus dem action-Verzeichnis. Welches das jeweils ist, entnehmen Sie beispielsweise der Datei keys: So ruft das Drücken von [Alt]+[T] das Skript term auf. Möchten Sie kein xterm, sondern lieber ein aterm nutzen, passen Sie einfach das term-Skript an. Um die Tastenkombination zu verändern, modifizieren Sie die keys-Datei. Die Inhalte fallen zwar relativ selbsterklärend aus, die Änderungen verlangen aber ein wenig Geduld. Alle Skripte verwenden hauptsächlich das wmir-Programm, das es ermöglicht, den Window-Manager an eigene Vorlieben anzupassen. So schreibt der Befehl

wmir write /bar/default/70_status/label/text 'WMII rockt!'

etwa bis zur nächsten Aktualisierung des status.sh-Skripts den Text WMII rockt! in die Statusleiste. Dieses Feature eröffnet die Möglichkeit, die Ausgabe nahezu jedes Kommandozeilen-Programms in der Statusleiste darzustellen.

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