Es muss nicht immer ein Editor sein, wenn Sie Textdateien auf der Konsole betrachten wollen; oft ist es schneller, zu einem einfachen Betrachter zu greifen. Doch die in diesem Artikel vorgestellten Programme können noch mehr: Wenn Sie nach einer schnellen Möglichkeit suchen, mehrere Textdateien zu einer einzigen zusammenzufassen, ist Cat das Programm der Wahl. Der Artikel verrät weiterhin Tipps zu den Pagern More und Less und zeigt, wie das Arbeiten mit diesen Tools noch komfortabler wird. Wer sich für die ersten oder letzten Zeilen einer Datei interessiert, greift zu Head und Tail.
Catwalk
Mit Cat geben Sie Textdateien auf der Standardausgabe aus:
cat Datei.txt
Praktisch: Um die Ausgabe mit Zeilennummern zu versehen, verwenden Sie den Parameter -n (Abbildung 1). Wenn Sie statt einer reinen Textdatei eine Binärdatei mit Cat ausgeben, sind mitunter auf der Shell nur noch wirre Sonderzeichen zu erkennen. Geben Sie am Prompt – notfalls blind – den Befehl reset ein, um die Konsole wieder aufzuräumen.
Cat kann allerdings noch mehr: Der Name des Programms kommt aus dem Englischen ("to concatenate" = verbinden, verketten) – mit Cat "kleben" Sie Dateien aneinander. Um beispielsweise zwei Textdateien zu einer zusammenzufassen, nehmen Sie Cat und den >-Operator zur Hilfe:
cat Datei1 Datei2 > Datei3
Vorsicht ist hier geboten, wenn die Datei datei3 schon existiert – Cat überschreibt diese einfach. Verwenden Sie stattdessen den Operator >>, hängt Cat beide Dateien einfach nur an die dritte an:
cat Datei1 Datei2 >> Datei3
Mehr oder weniger
Wer Textdateien auf der Shell betrachten und in diesen blättern und suchen möchte, ist mit einem Pager, wie More oder Less, besser bedient. Um eine Datei seitenweise zu betrachten, geben Sie
more Datei
ein. Mit der Leertaste blättern Sie seitenweise nach unten, mit der Eingabetaste geht es zeilenweise nach vorne. Am unteren Bildschirmrand zeigt eine Statuszeile die prozentuale Position der dargestellten Seite innerhalb der Datei an. Mit [B] ("back") blättern Sie eine Seite zurück, [H] zeigt eine kurze Hilfe an, und mit [Q] ("quit") beenden Sie das Programm vorzeitig. Wenn Sie am Ende einer Datei angekommen sind, erledigt More dieses automatisch und beendet sich selbst.
More hat noch ein paar weitere praktische Tastenkürzel: Wer sich für die aktuelle Zeilennummer interessiert, drückt [Umschalt]+[0] (also das Gleichzeichen), und die Kombination [Umschalt]+[.],[F] (:f) blendet den Namen der Datei zusammen mit der Zeilennummer ein. Um in der Datei zu suchen, drücken Sie [Umschalt]+[7] (/) und geben den Suchbegriff ein.
More zeigt auf Wunsch mehrere Textdateien hintereinander an; dazu übergeben Sie beim Programmstart einfach alle Dateinamen. Der Pager macht den Anfang jeder neuen Datei kenntlich:
:::::::::::::: wget.txt ::::::::::::::
Zwischen den geöffneten Dateien springen Sie über Eingabe von :n (englisch "next" = "nächste") bzw. :p (englisch "previous" = "vorige") hin und her, wobei das Kommando :p zunächst an den Anfang der aktuellen Datei springt und erst über nochmalige Eingabe zur vorigen Textdatei wechselt.
Um eine Datei zu verändern, müssen Sie More nicht verlassen und den Lieblings-Texteditor starten. Drücken Sie einfach während des Betrachtens [V]. Standardmäßig startet nun der Editor Vi, und Sie können die Datei verändern. Soll More einen anderen Editor aufrufen, setzen Sie die Umgebungsvariable EDITOR, die auch viele andere Programme auswerten. Wer zum Beispiel gern mit Xemacs arbeitet, definiert die Variable mit dem Kommando:
export EDITOR=xemacs
Nach dem Schließen des Editors landen Sie wieder in More. Um die Umgebungsvariable EDITOR dauerhaft zu setzen, schreiben Sie den export-Aufruf in die Bash-Konfigurationsdatei ~/.bashrc und lesen die Datei über den Aufruf
source ~/.bashrc
neu ein.
Das Verhalten von More passen Sie durch Optionen, die Sie schon beim Programmstart angeben, weiter an Ihre eigenen Bedürfnisse an. Wenn Sie z. B. eine Datei mit vielen Leerzeilen haben, bringen Sie den Pager mit
more -s datei
dazu, viele aufeinander folgende leere Zeilen zu einer "zusammenzuschrumpfen". Um nur zehn Zeilen des Fensters zum Betrachten der Datei zu nutzen, geben Sie beim Start die Option -10 an – damit More das beim Blättern nicht vergisst, hängen Sie zusätzlich die Option -p an.
Soll More immer dieselben Aufrufparameter verwenden, ersparen Sie sich Tipparbeit, indem Sie das Verhalten des Pagers über die Umgebungsvariable MORE regeln. Tragen Sie dazu in die Bash-Konfigurationsdatei ~/.bashrc beispielsweise
export MORE="-10 -p -s"
ein und lesen Sie die neuen Einstellungen über das Kommando
source ~/.bashrc
ein.



