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Desktop-Modding

Grafische Desktops individualisieren

01.01.2006 Frisch aus der Büchse schaut Linux angenehm sachlich aus. Mit einigen Handgriffen verleihen Sie Ihrem System eine individuellen Note. Wie das geht und welche Nebeneffekte es hat, lesen Sie in diesem Artikel.

Mit einem individuellen Boot-Screen, einem geschmackvollen Login-Hintergrund und einem peppigen Desktop-Theme verleihen Sie einem Standard-System eine persönliche Note. Aber – wo drehen und wo konfigurieren?

Für die richtige Tuning-Strategie hilft es, denn Systemstart einmal kurz zu erläutern: Nach dem Einschalten, lädt das BIOS den Bootloader, der wiederum den Kernel initiiert. Anschließend übergibt dieser die Kontrolle an den Init-Prozess, der wiederum die Dienste in Gang setzt und auf den meisten System am Ende den Login-Manager startet.

Auf manchen aktuellen Systemen überspringt der automatische Login diesen Schritt, und Sie landen als Anwender gleich in Ihrer gewohnten Desktop-Umgebung.

Booten mit Stil

Als Boot-Manager löst bei den neueren Distributionen Grub den altgedienten Lilo ab. Das heißt aber nicht, dass Lilo keine optischen Highlights zulassen würde. Raphaël Quinet zeigt auf seiner Homepage [1], wie Sie eine kleine Animation als Hintergrund für des Boot-Manager einbauen, und liefert gleich einige Bespiele dazu.

Wer lieber etwas einfacheres versuchen will, dem hilft die Manpage von Lilo weiter. Dort findet sich eine Konfigurationsoption bitmap=Dateiname, mit der Sie über die Datei /etc/lilo.conf ein eigenes Hintergrundbild laden. Der Boot-Manager erwartet ein Bild im Bitmap-Format in der Auflösung 640x400 bei einer Farbtiefe von 16 Bit.

Über die drei Optionen bmp-color, bmp-table und bmp-timer steuern Sie die Farbgebung des Boot-Menüs sowie die Darstellung des Timeouts. Geschickt eingesetzt, erzielen Sie mit den Optionen auch bei einem Oldtimer wie Lilo sehr ansprechende Ergebnisse.

Etwas leichter macht Ihnen der inzwischen bei den meisten Distributionen verwendete Bootloader Grub das Leben: Hier legen Sie einfach das Hintergrundbild im XPM-Format in komprimierter Form ab und verweisen in der Grub-Konfigurationsdatei /boot/menu.lst auf das entsprechende File. Ein Grub-Bootsplash darf maximal 640x480 Pixel groß sein und höchstens 14 Farben aufweisen. Trotz dieser Einschränkung lassen sich attraktive Boot-Screens erstellen, sofern man bei der Auswahl der Hintergrunds entsprechend Rücksicht walten lässt. Vor allem Vektorgrafik und Comic-artige Darstellungen eignen sich besonders für den Einsatz mit Grub.

Ein Bild mit hinreichend geringer Farbanzahl wandeln Sie am besten auf der Kommandozeile mit dem Befehl

convert -resize 640x480 -colors 14 Bild.png Bild.xpm

in das Grub-kompatible Format um. Bei Grafiken mit hoher Farbtiefe greifen Sie dazu besser zum Gimp. Nach dem Anpassen der Bildgröße wählen Sie im Kontextmenü BildModusIndiziert... an, um die Anzahl der Farben zu reduzieren. Gimp bietet dabei verschiedene Algorithmen an, die das Ergebnis je nach Ausgangsbild deutlich optimieren können.

Nun komprimieren Sie den künftigen Grub-Bootsplash noch mit dem Befehl gzip Bild.xpm. Das ist zwar nicht unbedingt erforderlich, reduziert aber in der Regel die Ladezeit für die Grafik. Schließlich kopieren sie die resultierende Datei Bild.xpm.gz ins Verzeichnis /boot/grub und fügen in der im selben Ordner lagernden Konfigurationsdatei menu.lst noch folgende Zeile am Beginn der Datei hinzu:

splashimage=(hd0,0)/boot/grub/Bild.xpm.gz

Für (hd0,0) setzen Sie in Grub-Nomenklatur Festplatte und Partition ein, auf der /boot bei Ihrem Rechner lagert (im Beispiel wäre das hda1). Nach dem Speichern der Konfiguration erscheint beim nächsten Neustart des Rechners Ihr individueller Grub-Splashscreen.

Tipp

Beachten Sie beim Modifizierungen an der Grub-Konfigurationsdatei, dass der Bootloader Laufwerke und Partitionen anders bezeichnet als Linux. Insbesondere beginnt er bei Null zu zählen; die erste Partition auf der ersten Festplatte (hda1) heißt in Grub-Notation hd0,0, hda6 spricht Grub also als (hd0,5) an.

Leidet die Lesbarkeit des Grub-Bootmenüs unter mangelndem Kontrast zum neuen Hintergrund, dann stellen Sie in der Konfigurationsdatei die Vorder- und Hintergrundfarben für die Texte neu ein. Dazu geben Sie in hexadezimaler Form die Farbwerte an. So sorgen die beiden Zeilen:

foreground 000000
background ffffff

am Beginn der menu.lstdafür, dass das Bootmenü in schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund erscheint – in der Voreinstellung stellt Grub es es genau andersherum dar (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ein individualisierter Grub-Splashscreen mit dem Motiv des LinuxUser-Mauspads aus Ausgabe 06/2005. Um die Lesbarkeit zu verbessern, wurden die Vorder- und Hintergrundfarben der Menütexte gegenüber der Voreinstellung einfach vertauscht.

Einen Sonderweg beim grafischen Spashscreen für den Boot-Manager beschreitet Suse. Hier findet sich in der Datei menu.lst ein Eintrag, der ungefähr so aussieht: gfxmenu (hd0,6)/boot/message. Damit zaubert der Hersteller grafische Menüs und komplexe Bilder auf den Schirm. Auch diese Technik erlaubt Anpassungen, Details dazu finden sich im Suse-Wiki [2].

Aus dem Kernel

Startet erst einmal der Kernel, eröffnet sich bereits die nächste Möglichkeit, Ihr System individuell zu gestalten: Ein Splashscreen liegt entweder hinter den Boot-Meldungen (Abbildung 2) oder verdeckt diese so, dass Sie nur einen Fortschrittsbalken sehen. Mit der Taste [F2] schalten Sie zwischen den beiden Ansichten hin und her.

Abbildung 2: Mit einer aktuellen Distribution zeigt Linux bereits beim Booten des Kernels ein Hintergrundbild.

Das Anpassen dieser Bilder erfordert allerdings einiges an Know-how. Das Feature erfordert unter anderem ein Patchen der Kernel-Sourcen sowie das Übersetzen und Installieren des so erzeugten neuen Kernel-Images. Fühlen Sie sich in einem der Schritt nicht sicher, sehen Sie besser von einer Modifikation auf eigene Faust ab.

Informationen zu allen Schritten hat Stefan Reinauer auf einer speziellen Web-Seite [3] zusammengetragen. Spezielle Tipps für Debian-Nutzer finden sich auf einer weitere Web-Seite [4], die Teil des deutschen Debian-Forums ist.

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Jörg Luther

Jörg Luther

Jörg Luther arbeitet seit 1995 als IT-Journalist. Seine Vorliebe für das freie Betriebssystem lebt er privat in der LUG Erding und beruflich seit 2004 als Chefredakteur des LinuxUser aus.

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