Ein Zeichentablett bedeutet für Grafikprogramme einen Quantensprung in Punkto Bedienbarkeit: Die Maus, ideal für zügiges Erreichen von über den Bildschirm verstreuten Buttons, erweist sich als wenig tauglich, wenn Feinmotorik gefragt ist. Hier schaffen Grafiktabletts Abhilfe: Mit ihnen zeichnen Sie mit einem Stift auf einer druckempfindlichen Unterlage. Der Stift überträgt die Handbewegung präzise auf den Mauszeiger. Dafür konzipierte Anwendungen verarbeiten zusätzlich den Stiftdruck.
Doch wie sieht die Praxis unter Linux aus? Dieser Artikel testet zwei Tabletts der Marke Wacom im Zusammenspiel mit Gimp, dem bewährten Bitmapeditor und Inkscape, dem führenden freien Vertreter für Vektorgrafik: Intuos3 PTZ-630, Zeichenfläche 203,2x152,4 mm, unverbindliche Preisempfehlung Euro 299,90 und Volito2, Zeichenfläche 127,6 x 92,8 mm, unverbindliche Preisempfehlung Euro 299,90.
Die gute Nachricht zuerst: Beide Wacom-Tabletts funktionierten im Test auf Suse 9.3 und 10.0, Mandriva 2006 sowie Fedora Core 4. Die schlechte Nachricht: Um die Drucksensitivität unter Linux nutzen zu können, war bei allen getesteten Distributionen Handarbeit nötig (vgl. Kasten "Die Hardware einrichten").
Kaufen oder nicht kaufen
Die Gretchenfrage für die Kaufentscheidung ist natürlich: Wird das Tablett auf meinem System funktionieren? Daher sollten Sie vor dem Kauf probieren, ob das Kompilieren der erforderlichen Kernelmodule, wie im Kasten "Die Hardware einrichten" beschrieben, auf Ihrem System ohne Fehler verläuft. Neben dem Kernel könnte auch der X-Server die Zusammenarbeit verweigern. Im Test kamen neuere X-Org-Versionen zum Einsatz, unter denen die Zeichentabletts perfekt funktionierten. Sicher ist es dennoch keine schlechte Idee, beim Kauf ein Rückgaberecht auszuhandeln.
Fein abgestuft
Wer die Hürde der Installation genommen hat, den entschädigt das Arbeiten in Gimp gebührend für seine Mühe: Falls Sie mit einem Zeichenstift oder Pastellkreide umgehen können, fühlen Sie sich bei der Kombination von Gimp und dem elektronischen Stift schnell heimisch. Das Zeichnen mit Gimps Pinselwerkzeug erinnert stark an das Arbeiten mit Kreide: Der Farbauftrag spricht sensibel auf Druck an (Abbildung 1). Sie können mit den entsprechenden Zeichenwerkzeugen nachträglich verwischen und radieren, selbstverständlich ebenfalls drucksensitiv.
Ein Tablett bewährt sich mit Gimp jedoch nicht nur, wenn Sie eigene "Kunstwerke" anfertigen möchten. Auch bei der Fotoretusche ist es einer Maus weit überlegen: Wenn Sie mit der Maus arbeiten müssen Sie, um flüssige Übergänge zwischen bearbeiteten und nicht bearbeiteten Bildtteilen herzustellen, die Deckkraft des Retuschewerkzeuges laufend per Hand angepassen. Mit einem Tablett geht dies wesentlich einfacher: Glatte Übergänge gelingen ganz intuitiv durch den Druck auf die virtuelle Zeichenfläche (Abb. 2). Bei der Retusche empfanden wir die Arbeitsfläche des kleineren Tabletts (127,6 x 92,8 mm) kaum als Einschränkung, für Zeichnungen empfiehlt sich allerdings eher die Anschaffung eines größeren Eingabegeräts.



