Sie haben eine neue Festplatte und trotzdem dauert das Kopieren Ihrer Daten unendlich lange? Wenn Sie einen Film ins DVD-Laufwerk legen, ruckelt das Bild beim Abspielen? Wie kann das sein?
Ganz einfach: Viele – vor allem ältere – Festplatten und Laufwerke schöpfen ihr Potential nicht aus, Betriebssystem und BIOS nutzen nicht alle verfügbaren Features der Massenspeicher. Dabei steigt der Datendurchsatz beim Aktivieren oder Optimieren von DMA – einer wesentlichen Funktion – zum Teil enorm, das gilt für Festplatten, aber auch für CD-ROM- und DVD-Laufwerke. DMA steht für Direct Memory Access: Die Technik befördert Daten von einem Laufwerk oder einer Festplatte über einen DMA-Kanal direkt in den Hauptspeicher. Die Übertragung der Daten steuern so genannte DMA-Controller, die auf dem Mainboard sitzen – zusätzlich müssen das BIOS und die Laufwerke DMA unterstützen. DMA erhöht den Datendurchsatz, es fließen also mehr Daten in derselben Zeit. Die Technik entlastet zudem die CPU, weshalb Filme flüssiger laufen, das Kopieren von Daten schneller wird und weniger Probleme beim Schreiben auf DVDs auftreten.
Gefahren lauern
Aktuelle Linux-Distributionen erkennen und aktivieren DMA gewöhnlich während der Installation. Die Suse Linux Versionen 9.3 und 10.0 reizen die Möglichkeiten der Massenspeicher voll aus, während andere Distributionen eher auf konservative Werte setzen. Auch das ist nicht ungerechtfertigt, denn die Features rufen manchmal Komplikationen hervor. So führt die Aktivierung von DMA unter Umständen dazu, dass der Computer regelmäßig abstürzt, Laufwerke nicht erkennt oder das System im laufenden Betrieb oder während der Installation einfriert. Schuld an diesem willkürlich wirkenden Krankheitsbild sind beispielsweise die Flachbandkabel, die Laufwerke, Festplatten und Mainboard miteinander verbinden. Idealerweise sind sie 45 cm lang und nicht verdreht, auf die Praxis trifft das selten zu. Neuere Hardware geht zwar robuster mit solchen Problemen um, dennoch wimmelt es in den aktuellen Hilfeseiten zu Hdparm (man hdparm) vor Warnhinweisen wie "Dangerous" oder "Massive filesystem corruption". Eine Datensicherung vor dem Experimentieren empfiehlt sich insbesondere beim Einsatz älterer Kernel oder Hardware; alternativ binden Sie die Festplatte im Nur-Lesen-Modus ein.
Einen Gang zulegen
Das Programm Hdparm [1], das Sie einfach über den Paketmanager Ihrer Distribution einspielen, steuern Sie mit Root-Rechten über die Kommandozeile. Es gibt Auskunft über den Status spezifischer Funktionen Ihrer Massenspeicher und schaltet diese auf Wunsch an oder aus. Wie die Laufwerke und Festplatten heißen, erfahren Sie, indem Sie mit Root-Rechten mount aufrufen. Der Befehl listet die eingebundenen Geräte und die zugehörigen Gerätedateien auf: Im Beispiel kam eine auf /dev/hdc eingebundene "Samsung-SP1203N"-Festplatte zum Einsatz.
Um ihr Potential zu nutzen, holen Sie sich zunächst einmal Informationen darüber, welche Features bereits arbeiten. Geben Sie dazu einfach hdparm /dev/hdc ein, folgt eine Ausgabe wie in Abbildung 1. Steht ein 0 (off) neben einem Feature, ist es nicht aktiv. Nach und nach schalten Sie nun die Funktionen für die Festplatte ein. Im Test wirkte sich allerdings nur die Aktivierung von DMA merklich auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung aus. Das Einschalten der anderen Features brachte keinen messbaren Effekt, das kann aber bei älteren Festplatten und Laufwerken sowie bei bestimmten Distributionen durchaus anders sein: Probieren Sie es am besten aus.



