Buchtipp

01.01.2006

Verständnis für Writer und Co

Das OpenOffice-Buch von Tobias Berndt 2.0 hat es zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt geschafft: Mehr oder minder pünktlich zum Erscheinen der neuen Version der freien Office-Suite. Die beiliegende CD enthält die PrOOo-Box von Openoffice.org 2.0 – der Just-in-Time-Strategie geschuldet allerdings nur als Release Candidate 1. Zusatztools wie Java und Wörterbücher für die Rechtschreibhilfe sind bei der PrOOo-Version ebenfalls dabei.

Als Bedienungsanleitung mit Beispielen für die OpenOffice-Komponenten Writer, Calc, Impress, Draw und das Datenbankmodul Base gibt sich das Buch solide und ausführlich. Selbst die Installation unter den jeweiligen Betriebssysteme Linux, Windows und Mac OS X ist beschrieben. Der Pflichtteil, die Grundbegriffe zu den Anwendungen, fällt gut verständlich aus. Als Kür dürfen zum einen Übungen zur Tabellenkalkulation Calc und strategische Überlegungen zu einzelnen Aufgaben angesehen werden. Letztere gelten dann etwa der Planung und den nötigen Ingredenzien für eine gelungene Präsentation mit Impress.

Einsteiger und auch Umsteiger von Microsoft-Office bedient Tobias Berndt gleichermaßen. Wer bereits mit vorangegangenen OpenOffice-Ausgaben gearbeitet hat, wäre allerdings für eine kurze Auflistung der markanten Neuerungen in 2.0 dankbar gewesen.

Ein auffallender Mangel ist, dass Berndt die Einführung des Opendocument-Formats von OASIS nicht würdigt. In den einführenden Seiten hätte diese zentrale Neuerung zwischen den Erklärungen zu Open-Source-Lizenzen und der Historie des Programms ausreichend Platz gefunden.

Tobias Berndt OpenOffice.org 2.0 O'Reilly ISBN 3-89721-381-8 410 Seiten, 25 Euro http://www.oreilly.de

Dünne Installationsanleitung

Der Millin-Verlag hat ein kleines Paket mit Suse Linux 10.0 in der frei verfügbaren OSS-Variante geschnürt. Das Büchlein mit rund 70 Seiten und eingeklebter DVD verspricht rasche Installation und einen schnellen-Linux-Start.

Der Datenträger enthält neben der Download-Distribution das Verzeichnis drittanbieter/Software. Hier finden sich unter anderem Realplayer, Adobe Reader, Flash sowie der Flugsimulator Flightgear. Für alle, die der Open Office 2.0 Beta nicht trauen, ist Version 1.1.5 des Büroprogramms dabei. Die HTML-Seiten auf der DVD bieten ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, mit denen die Installation der zusätzlichen Pakete gut von der Hand geht. Auch die OpenSuse-Variante SUPER ist als ISO-Image mit dabei, der Anwender muss es selbst auf CD brennen.

Daneben hat der Verlag noch verschiedene Dokumentationen auf den Datenträger gepackt, die im Internet frei erhältlich sind – beispielsweise ein Gimp-Handbuch und SelfHTML. Die Anleitung für Linux From Scratch dürfte für die Zielgruppe der Einsteiger allerdings wenig interessant sein.

Das Handbuch geizt nicht mit Screenshots. Der Text dagegen ist äußerst knapp gefasst und lässt den Neuling stellenweise im Stich: Das Thema Partitionierung beispielsweise handelt ein knapper Abschnitt ab, der weder Gerätenamen noch Dateisystemtypen erklärt. Doch gerade der Umgang mit Partitionen ist für viele Linux-Einsteiger komplett neu. So einfach eine Suse-Installation vonstatten geht: Das Erstellen der Partitionen ist der einzige Schritt, an dem der Anwender innehalten und nachdenken sollte. Schlimmer noch: Hier kann er Schaden anrichten und Daten sowie installierte Betriebsysteme unbrauchbar machen. Zwar fordert das Büchlein gleich zu Beginn den Leser auf, seine Daten zu sichern, an dieser Stelle aber fehlt jegliche Warnung.

Allein mit dieser Anleitung sollte sich kein Linux-Anfänger an die Installation wagen. Ein erfahrener Anwender oder ein umfassenderes Linux-Buch gehört zusätzlich in Reichweite.

Bernd Kretschmer, Nicolaus Millin Suse Linux 10.0 OSS Millin-Verlag ISBN 3-938626-02-X 72 Seiten, 12,95 Euro http://www.millin.de

Tiefer in die Bash einsteigen

Die Bash ist das tägliche Arbeitsmittel der meisten Linux-Anwender – wer sie beherrscht, spart Tipparbeit und Zeit. "Einführung in die Bash-Shell" lädt ein, die Bourne Again Shell näher kennen zu lernen.

Das Buch bezieht sich auf die aktuelle Bash-Version 3.0. Die Rückwärtskomtibilität dieser Shell sorgt allerdings dafür, dass der Großteil des Buchs auch auf die Vorgängerversionen anwendbar ist.

Die ersten Kapitel behandeln Grundlegendes zur interaktiven Bash-Verwendung: Tastaturkombinationen, die Bearbeitung von Kommandozeilen im Emacs- und Vi-Modus sowie den Umgang mit Sonderzeichen. Daneben geht es um Shell- und Umgebungsvariablen sowie um die zahlreichen Konfigurationsdateien. All das fassen übersichtliche Tabellen zusammen, so dass sich das Buch auch als Nachschlagewerk eignet.

Danach widmen sich die Autoren dem Kernthema des Buchs und behandeln auf rund 200 Seiten die Shell-Programmierung. Hier findet der Leser alles, was er für das Skripting braucht, beispielsweise den Umgang mit Variablen, Kontrollstrukturen und die Auswertung von Kommandozeilenoptionen und -argumenten. Die Stärke dieser Kapitel sind die praktischen Übungen, die einzelne Bash-Features erläutern. Bekanntlich merkt man sich am besten, was man selbst ausprobiert hat. Außerdem greifen sie Aufgabenstellungen auf, die viele Anwender kennen, beispielsweise die Massenverarbeitung von Bilddateien.

Dieses Buch ist eine gründliche Einführung in die zahlreichen Details der leistungsfähigen Shell. Der Leser muss allerdings Geduld mitbringen. Das liegt zum einen am Funktionsreichtum der Bash selbst, zum anderen schreiben die Verfasser stellenweise umständlich und machen Exkurse in die Unix-Geschichte.

Cameron Newham, Bill Rosenblatt Einführung in die Bash-Shell O'Reilly ISBN 3-89721-424-5 368 Seiten, 34 Euro http://www.oreilly.de

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare