Buchtipp

Verständnis für Writer und Co

Das OpenOffice-Buch von Tobias Berndt 2.0 hat es zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt geschafft: Mehr oder minder pünktlich zum Erscheinen der neuen Version der freien Office-Suite. Die beiliegende CD enthält die PrOOo-Box von Openoffice.org 2.0 – der Just-in-Time-Strategie geschuldet allerdings nur als Release Candidate 1. Zusatztools wie Java und Wörterbücher für die Rechtschreibhilfe sind bei der PrOOo-Version ebenfalls dabei.

Als Bedienungsanleitung mit Beispielen für die OpenOffice-Komponenten Writer, Calc, Impress, Draw und das Datenbankmodul Base gibt sich das Buch solide und ausführlich. Selbst die Installation unter den jeweiligen Betriebssysteme Linux, Windows und Mac OS X ist beschrieben. Der Pflichtteil, die Grundbegriffe zu den Anwendungen, fällt gut verständlich aus. Als Kür dürfen zum einen Übungen zur Tabellenkalkulation Calc und strategische Überlegungen zu einzelnen Aufgaben angesehen werden. Letztere gelten dann etwa der Planung und den nötigen Ingredenzien für eine gelungene Präsentation mit Impress.

Einsteiger und auch Umsteiger von Microsoft-Office bedient Tobias Berndt gleichermaßen. Wer bereits mit vorangegangenen OpenOffice-Ausgaben gearbeitet hat, wäre allerdings für eine kurze Auflistung der markanten Neuerungen in 2.0 dankbar gewesen.

Ein auffallender Mangel ist, dass Berndt die Einführung des Opendocument-Formats von OASIS nicht würdigt. In den einführenden Seiten hätte diese zentrale Neuerung zwischen den Erklärungen zu Open-Source-Lizenzen und der Historie des Programms ausreichend Platz gefunden.

Tobias Berndt OpenOffice.org 2.0 O'Reilly ISBN 3-89721-381-8 410 Seiten, 25 Euro http://www.oreilly.de

Dünne Installationsanleitung

Der Millin-Verlag hat ein kleines Paket mit Suse Linux 10.0 in der frei verfügbaren OSS-Variante geschnürt. Das Büchlein mit rund 70 Seiten und eingeklebter DVD verspricht rasche Installation und einen schnellen-Linux-Start.

Der Datenträger enthält neben der Download-Distribution das Verzeichnis drittanbieter/Software. Hier finden sich unter anderem Realplayer, Adobe Reader, Flash sowie der Flugsimulator Flightgear. Für alle, die der Open Office 2.0 Beta nicht trauen, ist Version 1.1.5 des Büroprogramms dabei. Die HTML-Seiten auf der DVD bieten ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen, mit denen die Installation der zusätzlichen Pakete gut von der Hand geht. Auch die OpenSuse-Variante SUPER ist als ISO-Image mit dabei, der Anwender muss es selbst auf CD brennen.

Daneben hat der Verlag noch verschiedene Dokumentationen auf den Datenträger gepackt, die im Internet frei erhältlich sind – beispielsweise ein Gimp-Handbuch und SelfHTML. Die Anleitung für Linux From Scratch dürfte für die Zielgruppe der Einsteiger allerdings wenig interessant sein.

Das Handbuch geizt nicht mit Screenshots. Der Text dagegen ist äußerst knapp gefasst und lässt den Neuling stellenweise im Stich: Das Thema Partitionierung beispielsweise handelt ein knapper Abschnitt ab, der weder Gerätenamen noch Dateisystemtypen erklärt. Doch gerade der Umgang mit Partitionen ist für viele Linux-Einsteiger komplett neu. So einfach eine Suse-Installation vonstatten geht: Das Erstellen der Partitionen ist der einzige Schritt, an dem der Anwender innehalten und nachdenken sollte. Schlimmer noch: Hier kann er Schaden anrichten und Daten sowie installierte Betriebsysteme unbrauchbar machen. Zwar fordert das Büchlein gleich zu Beginn den Leser auf, seine Daten zu sichern, an dieser Stelle aber fehlt jegliche Warnung.

Allein mit dieser Anleitung sollte sich kein Linux-Anfänger an die Installation wagen. Ein erfahrener Anwender oder ein umfassenderes Linux-Buch gehört zusätzlich in Reichweite.

Bernd Kretschmer, Nicolaus Millin Suse Linux 10.0 OSS Millin-Verlag ISBN 3-938626-02-X 72 Seiten, 12,95 Euro http://www.millin.de

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