Konsole unnötig

Um die Systemkonfiguration kümmern sich zu großen Teilen die Werkzeuge der bei Ubuntu 5.10 mitgelieferten Desktop-Oberfläche Gnome 2.12. Für Benutzerverwaltung, Datum und Uhrzeit, Systemdienste und sogar die Integration von Verzeichnissen, Dateien und Druckern auf anderen Rechnern im Netzwerk liefert die grafische Umgebung passende Frontends mit.

Die aktuelle Ubuntu-Version hat zudem in sämtliche Gnome-Anwendungen Menüpunkte eingebaut, die die distributionseigenen Werkzeuge zur freien Mitarbeit am Projekt integrieren. Sie verweisen auf Unterseiten von http://launchpad.net, wo eine Web-Oberfläche auf Übersetzungen, Ergänzungen zur Hilfe oder andere Korrekturen wartet. Selbst den Boot-Manager oder die Datei /etc/fstab zur Integration interner und externer Laufwerke oder Partitionen konfigurieren grafische Programme.

Profitable Symbiose

Der halbjährliche Release-Zyklus von Ubuntu resultiert aus einem Hauptaspekt der Distribution, der Konzentration auf Gnome: Neue Versionen erscheinen stets wenige Wochen oder nur Tage nach einer neuen Ausgabe der Gnome-Oberfläche. So enthalten sie stets eine brandaktuelle Desktop-Umgebung.

Die Ubuntu-Entwickler brauche lediglich ihr Basissystem anzupassen und das jeweils aktuelle Gnome in Pakete zu schnüren. Bei der Paketverwaltung und Grundkonfiguration profitiert Ubuntu von den robusten Debian-Werkzeugen. Das zieht zwar wenig marketingträchtige Folgen nach sich, wie den Mangel an einer ansehnlichen, grafischen Installationsroutine, stellt aber auch für Anfänger kein Hindernis dar. Künstlerisch anspruchsvolle Benutzer erhalten mit dem liebevoll so genannten Ubuntu Artwork zudem liebevoll gestaltete Logos, Hintergrundbilder, Systemklänge und ein eigenes Gnome-Theme – auch wenn dessen größtenteils in braun gehaltenen Verzierungen sicher nicht jeden Geschmack treffen.

Kritisch zu sehen ist lediglich die Paketauswahl. Das Ubuntu-Hauptsystem bietet zwar für fast jeden Zweck ein passendes Werkzeug, doch nicht immer ist weniger mehr. Wer seine persönlich bevorzugten Programme nicht in der Kerndistribution vorfindet, muss auf das universe-Repository zurückgreifen. Und das bedeutet außer teilweise großen Downloads auch einen Verzicht auf Funktionsgarantie – universe-Pakete enthalten teilweise Fehler, die Anfängern die Benutzung unmöglich machen.

Trotzdem bleibt Ubuntu eine empfehlenswerte Distribution sowohl für Linux-Einsteiger als auch für alte Debian-Hasen, die auf aktuelle Software und regelmäßige Releases nicht verzichten möchten. Zumal die neue Version in puncto Hardware-Unterstützung und automatische Integration weitere Fortschritte gegenüber ihrem Vorgänger aufweist. Die nächste Version, die unter dem Namen "Dapper Drake" im April 2006 erscheint, soll laut Ubuntu-Mäzen Shuttleworth dem voraussichtlich im selben Zeitraum erscheinenden Windows Vista sogar den Desktop streitig machen.

Kubuntu

Eine Ubuntu-Standardinstallation enttäuscht die Liebhaber der KDE-Umgebung, denn sie setzt vollständig auf Gnome. Einige Entwickler wollten jedoch weder auf Ubuntu noch auf KDE verzichten, deshalb riefen sie das Projekt Kubuntu [3] ins Leben. Das Basissystem gleicht dem des herkömmlichen Ubuntu, installiert jedoch als Standard eine KDE-Oberfläche.

Kubuntu erscheint stets gleichzeitig mit Ubuntu und unter derselben Versionsnummer. Allerdings geben die KDE-Entwickler im Gegensatz zum Gnome-Team keinen festen Release-Zyklus vor. Während das Standard-Ubuntu halbjährlich erscheint und damit immer kurz nach dem letzten Gnome-Release, enthält Kubuntu die jeweils aktuelle KDE-Version.

Die vollständige KDE-Oberfläche lässt sich auch unter einer herkömmlichen Ubuntu-Installation nachträglich einrichten. Dazu dient das Paket kubuntu-desktop. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Metapaket ohne eigenen Inhalt. Stattdessen hängt es von sämtlichen KDE-Paketen ab, so dass sie bei der Installation des Metapakets automatisch ebenfalls auf der Festplatte landen.

Infos

[1] Ubuntu: http://www.ubuntu.com

[2] Debian: http://www.debian.org

[3] Kubuntu: http://www.kubuntu.org

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