Weder Hase noch Igel

01.12.2005
Pünktlich zum geplanten Termin erschien im Oktober Version 5.10 der vergleichsweise jungen Distribution Ubuntu. Der Neuling sorgt seit seinem ersten Erscheinen vor einem Jahr unter den alteingesessenen Linux-Varianten für reichlich Unruhe.

Vor etwas mehr als einem Jahr sorgte die erste Ausgabe von Ubuntu [1] für Aufsehen. Mit vielen von Debian Linux [2] übernommenen Vorteilen, wie dem ausgeklügelten Paketmanagement und der hohen Stabilität, kombinierten die Entwickler eine Desktop-freundliche Standardinstallation sowie eine verbesserte Hardware-Erkennung. Nun erschien unter dem Namen Breezy Badger ("Flotter Dachs") Version 5.10, beziffert nach Erscheinungsjahr (2005) und -monat (10).

Ubuntu 5.10 "Breezy Badger"

Oberfläche Gnome 2.12.1
Linux-Kernel 2.6.12.9
Browser Firefox 1.0.7
Office-Suite OpenOffice 1.9.129
Standard-Mailer Evolution 2.4.1
Grafik-Server X.org 6.8.2

Nummer 3!

Ubuntu entstand aus einer damals noch im Teststadium befindlichen Debian-Version Sarge. Ihr entnahmen die Entwickler, was sie brauchten, und fügten hinzu, was ihren Vorstellungen einer aktuellen Desktop-Distribution entsprach. Sie konzentrierten sich dabei auf die am weitesten verbreiteten Rechnerarchitekturen, nämlich die Nachfolger der in gewöhnlichen PCs eingebauten 386-Prozessoren sowie die in Apple-Computern verwendeten PowerPCs. Inzwischen gibt es zudem eine 64-Bit-Ausgabe von Ubuntu. Auf den Rest der insgesamt elf von Debian unterstützten Prozessortypen verzichtet das Ubuntu-Team.

Ebensowenig enthält Ubuntu die über 16.000 Pakete, mit denen Debian seinen Nutzern beinahe jede verfügbare freie Software zur Verfügung stellt. Stattdessen folgt die Distribution dem Motto "one job, one tool" – für jede Aufgabe genau ein Programm. Das ermöglicht es, das komplette Basissystem inklusive der grafischen Oberfläche Gnome auf einer CD auszuliefern. Lediglich Sprachpakete muss der Anwender nachträglich herunterladen, wenn er eine Oberfläche in einer anderen Sprache als Englisch, der einzig mitgelieferten, bevorzugt.

Mark Shuttleworth, Canonical und die Ubuntu Foundation

Der südafrikanische Multimillionär Mark Shuttleworth gab Mitte 2004 den Startschuss für die neue Distribution Ubuntu. Sie sollte vollständig aus freier Software bestehen und dabei die Ansprüche von Unternehmen, Behörden, Schulen und Privatpersonen sowohl auf Server- als auch auf Desktop-Systemen erfüllen. Dazu war ein zuverlässiger Release-Zyklus sowie Support auf längere Sicht unverzichtbar.

Zu diesen Zweck gründete Shuttleworth zunächst die Firma Canonical Ltd. Sie heuerte namhafte Debian- und Gnome-Entwickler an, die die zentralen Aufgaben übernahmen und aus Debian-Paketen Ubuntu formten.

Nach Erscheinen der zweiten Ubuntu-Version 5.04 übergab Canonical im Juli 2005 die weitere Ubuntu-Entwicklung an die zu diesem Zweck gegründete Ubuntu Foundation (Ubuntu-Stiftung). Ihren Start finanzierte Shuttleworth mit 10 Millionen US-Dollar. Zu den Mitgliedern zählen außer Mark Shuttleworth selbst Benjamin Mako Hill, Colin Watson und James Troup.

Installation

Mit einer optischen Verbesserung wartet das neue Ubuntu schon beim Start der Installations-CD auf. Legen Sie die Heft-CD ins Laufwerk und stellen Sie dieses im BIOS Ihres Computers als Boot-Medium ein, begrüßt Sie der Boot-Screen der Installationsroutine mit dem Ubuntu-Logo (Abbildung 1). Ein Druck auf [Enter] startet die Standardinstallation. Sie haben hier außerdem die Möglichkeit, die Setup-Routine mit weiteren Parametern zu versehen. Geben Sie hier beispielsweise linux server ein, erhalten Sie keine grafische Oberfläche, die Angabe von linux acpi=off schaltet das in manchen Laptops fehlerhafte Power-Management ACPI (Advanced Configuration and Power Interface) aus. Eine vollständige Liste gültiger Parameter erhalten Sie über [F1].

Abbildung 1: Der im neuen Ubuntu grafische Boot-Screen bietet außer optischem Genuss die Möglichkeit zur Eingabe spezieller Boot-Parameter.

Da Ubuntu nach wie vor den Debian-Installer einsetzt, findet der Rest der Installation allerdings im Textmodus statt. Mit den Pfeiltasten navigieren Sie durch die Dialoge, [Enter] aktiviert eine angewählte Option. Wählen Sie zunächst Ihre verwendete Sprache und Tastaturbelegung aus.

Nun sucht der Installer nach vorhandener Hardware und versucht, eine Netzwerkverbindung herzustellen. Verfügt Ihr Netzwerk über keinen DHCP-Server, der die Konfiguration automatisiert, wartet der Installer allerdings bis zum Timeout nach mehreren Minuten. Auch ein drahtloses Netzwerk richtet Ubuntu mit unterstützter Hardware direkt ein. Allerdings bietet der Installer keine Möglichkeit, zuvor einen WEP-Key anzugeben, so dass der Zugang zu verschlüsselten WLANs an dieser Stelle noch scheitert. Dann wählen Sie den Namen, den Ihr Rechner im Netz tragen soll.

Als nächster Schritt folgt die Partitionierung. Hier geben Sie an, auf welcher Festplattenpartition Ubuntu landet und verkleinern bei Bedarf die bereits vorhandenen Partitionen. Dies funktioniert auch bei Windows-Partitionen – diese sollten Sie aber vorher unbedingt mit dem von Windows mitgelieferten Werkzeug defragmentieren, ansonsten droht Datenverlust.

Danach richtet das Setup-Programm das Basissystem auf der angegebenen Partition ein. Zum Abschluss bittet es um Erlaubnis, die Sprachpakete der ausgewählten Sprache herunterzuladen. Dies ist natürlich nur möglich, wenn bereits eine Internet-Verbindung besteht. Ansonsten holen Sie diesen Schritt nach der Installation nach.

Geben Sie dann den vollen Namen des ersten Benutzers ein und im folgenden Dialog den gewünschten Benutzernamen. Nun legen Sie dessen Passwort fest. Zur Sicherheit erscheint die Eingabe nur in Sternchen und erfolgt zwei Mal. Damit ist die erste Stufe der Installation abgeschlossen; entfernen Sie die CD aus dem Laufwerk und wählen Sie Weiter, um das System neu zu starten.

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