In Office-Pakete und Mail-Programme integrierte Rechtschreibprüfungen spüren Tippfehler auf und schlagen alternative Schreibweisen vor. Ispell und Aspell lesen auf der Kommandozeile Korrektur und ersetzen zwar nicht immer den Griff zum Duden, erweisen sich jedoch als zuverlässige Helfer.
Ispell hat bereits einige Jährchen auf dem Buckel und ist schon lange auf verschiedenen Unix-Derivaten verfügbar. Als Nachfolger schickt das GNU-Projekt Aspell ins Rennen – das Programm bringt viele Wörterbücher für die verschiedenen Sprachen mit und kann im Gegensatz zu Ispell auch mit UTF-8 umgehen.
Der Artikel zeigt, wie Sie auf der Kommandozeile Korrektur lesen, verrät Tipps und Tricks zur Benutzung und zeigt, wie Sie die beiden Tools aus den Editoren Vim und (X)Emacs heraus aufrufen.
Einfach Ispell
Ispell arbeitet interaktiv auf der Kommandozeile. Findet der Spell-Checker einen Fehler, schlägt er in den meisten Fällen alternative Schreibweisen vor. Wollen Sie den Vorschlag nicht übernehmen, fügen Sie das Wort dem eigenen Wörterbuch hinzu oder ignorieren den Begriff für den Rest des Dokuments.
Der einfache Programmaufruf lautet
ispell Dateiname
Eventuell müssen Sie Ispell zusätzlich mit der Option -d (wie englisch "dictionary") mitteilen, welches Wörterbuch gewünscht ist. Welche Wortlisten auf Ihrem System zur Verfügung stehen, erfahren Sie durch einen Blick ins Verzeichnis /usr/lib/ispell (Abbildung 1): Dort sollten mehrere Dateien mit der Endung .aff liegen – Ispell verwaltet in diesen Wortlisten die Silbenregeln und Umlautkodierungen der jeweiligen Sprache.
Je nach Distribution finden Sie hier unterschiedliche Einträge für die Wörterbücher. Unter Suse Linux heißt die Wortliste zur neuen deutschen Rechtschreibung beispielsweise /usr/lib/ispell/german.aff (Paket ispell-ngerman), unter Debian GNU/Linux ist das ngerman.aff bzw. die Verknüpfung ndeutsch.aff (Paket ingerman).
Um die Textdatei mit dem Wörterbuch zur neuen deutschen Rechtschreibung nach Fehlern zu durchforsten, tippen Sie
ispell -d german Dateiname
bzw.
ispell -d ngerman Dateiname
Auf manchen Linux-Distributionen haben die Wörterbücher andere Namen, beispielsweise deutsch. Damit Umlaute und Sonderzeichen richtig kodiert werden, ist es wichtig, mit der Option -T einen Zeichensatz zu definieren. So erkennt Ispell mit dem Befehl
ispell -d ngerman -T latin1 Dateiname
Umlaute, die gemäß dem Zeichensatz ISO 8859-1 kodiert sind. UTF-8 spricht Ispell nicht; wer diesen Zeichensatz einsetzt, muss auf Aspell (siehe Abschnitt Alternative Aspell) ausweichen.
Die Optionen für Wörterbuch und Zeichensatz müssen Sie nicht jedes Mal angeben, sondern tragen sie in die Bash-Konfigurationsdatei ~/.bashrc im eigenen Home-Verzeichnis ein:
export DICTIONARY=german export CHARSET=latin1
Anschließend lesen Sie die Konfigurationsdatei mit dem Befehl
source ~/.bashrc
neu ein.
Interaktion gefragt
Ispell präsentiert unbekannte Worte in der oberen Zeile. Sofern der Spell Checker im Wörterbuch ähnliche Begriffe entdeckt, bietet er diese als durchnummerierte Alternativen an (Abbildung 2). Um einen solchen Vorschlag zu übernehmen, drücken Sie einfach die entsprechende Ziffer, dann ersetzt Ispell das Wort.
Wollen Sie das als fehlerhaft vermutete Wort hingegen nicht ersetzen, akzeptieren Sie es entweder über Druck auf die Leertaste ein einziges Mal, mit [A] für den Rest der Ispell-Sitzung oder über [I] dauerhaft. Im letzten Fall trägt Ispell den Begriff in Ihr persönliches Wörterbuch ein und wird sich nie wieder darüber beschweren.
Die persönlichen Wortlisten finden Sie als versteckte Dateien in Ihrem Home-Verzeichnis. Der Dateiname setzt sich aus .ispell_ und dem Namen des verwendeten Wörterbuchs zusammen; haben Sie beispielsweise mit der Wortliste ngerman gearbeitet, heißt das zugehörige persönliche Wörterbuch .ispell_ngerman.
Hat Ispell einen Fehler entdeckt, bietet aber keine oder keine vernünftige Alternative an, drücken Sie die Taste [R] (wie englisch "replace" = "ersetzen") und geben an der Eingabeaufforderung Ihre gewünschte Änderung ein. Ispell ersetzt das Wort nun im gesamten Text.



