Direkter Draht zur Welt

Haben Sie die Account-Daten eingetragen und der Server Benutzername und Passwort akzeptiert, steht dem ersten Gespräch nichts mehr im Weg. Tragen Sie im Hauptfenster unter Sip-Adresse die anzurufende SIP-Identität ein (mehr zu Identitäten im Kasten "Rufnummern und SIP-Identitäten"). Bei Linphone Version 1.1.0 wählen Sie zusätzlich aus, über welchen eigenen VoIP-Account Sie kommunizieren – falls Sie mehrere VoIP-Accounts besitzen.

Rufnummern und SIP-Identitäten

Bei der Rufnummer handelt es sich im einfachsten Fall um eine gewöhnliche Telefonnummer, gefolgt von der SIP-Domain, also etwa 123456789@sipsnip.com. Wenn Sie einen VoIP-Anschluss eines anderen Anbieters anrufen möchten, geht das oft einfach über das Eintragen der entsprechenden SIP-Identität (etwa pinguinfreund@sipgate.de) oder auch über die Rufnummer des Anschlusses bei Sipgate (123456789@sipgate.de).

Leider unterstützen nicht alle Provider diese Form des Wählens. Purtel-Kunden telefonieren zum Beispiel kostenlos mit Sipsnip-Kunden, allerdings nicht durch Wählen der jeweiligen SIP-Identität. Sie geben stattdessen eine besondere Provider-Vorwahl, gefolgt von der Sipsnip-Rufnummer ein. Für Sipsnip wäre diese Vorwahl die 000555.

Unter Benutze Proxy-Server wählen Sie einen Server aus. Durch einen Klick auf Anrufen oder Entgegennehmen (in der noch nicht komplett eingedeutschten Fassung Call or Answer) baut die Software die Verbindung auf, mit Auflegen oder Abweisen (Hangup or Refuse) weist das Programm den Anrufer ab, oder es legt auf.

Zu leichteren Auswahl geben Sie jedem Adressbuch-Eintrag einen Namen, tragen die SIP-Identität ein und geben wiederum – falls Sie mehrere VoIP-Accounts besitzen – an, über welchen Account Sie diesen Kontakt anrufen wollen. Bei einem vollständigen Kontakt reicht ein Klick auf das Feld Auswählen, um die Einstellungen zu laden.

Setzen Sie im Linphone-Fenster das Häkchen bei Mehr anzeigen, präsentiert das Programm Optionen für die Lautstärke des Lautsprechers und die Empfindlichkeit des Mikrofons. Im Reiter Meine Online-Freunde sehen Sie den Online-Status von Einträgen aus dem Addressbuch – im Test funktionierte dies allerdings nicht. Wahrscheinlich hängt dies mit den von uns getesteten VoIP-Providern zusammen.

Wenn nun ein Testanruf auf eine Nummer Ihrer Wahl funktioniert, stimmt die Konfiguration an sich. Klappt auch ein Anruf von einem Festnetz- oder Mobiltelefon auf die von Ihrem VoIP-Anbieter für Sie reservierte Telefonnummer, haben Sie einen kostengünstigen Ersatz für die gute alte Wählscheibe in Händen. Leider existieren eine Reihe von Faktoren, die Ihnen hierbei einen Strich durch die Rechnung machen könnten.

Fehlersuche

Internet-Telefonie ist eine komplexe Angelegeheit, verglichen mit Standarddiensten wie Mail und Surfen. Es existieren mehrere potenzielle Fehlerquellen: Häufig hängen Probleme mit der Firewall oder der Internet-Verbindung zusammen; die Einstellungen der Soundkarte bereiten hin und wieder ebenfalls Probleme. Zudem kommt es gelegentlich zu Konflikten mit den ausgewählten Kompressionsverfahren, kurz Codecs.

Angenommen, die Kommunikation via VoIP zwischen Ihnen und der Mehrzahl anderer Teilnehmer klappt problemlos; bei einem bestimmten Anschluss versteht Ihr Gegenüber Sie, von dort kommt aber kein Ton bei Ihnen an. Hier liegt der Verdacht nahe, dass die Firewall des entsprechenden Teilnehmers nicht korrekt konfiguriert wurde.

Die meisten Anwender schützen heute ihre ans Internet angeschlossenen Rechner durch eine Firewall, oder sitzen hinter einem Router. Das SIP-Protokoll weist aber eine Reihe von Besonderheiten auf, die das Zusammenspiel mit diesen Schutzeinrichtungen schwierig gestalten. Die Hintergründe erläutert der Kasten "SIP im Detail". Übrigens traten im Test bei den meisten Linux-Firewalls keine Probleme auf: Hier hilft die eingebaute "Intelligenz" der Firewall.

SIP im Detail

Das Session Initiation Protocol SIP verwaltet als Netzwerkprotokoll Internet-Telefonate mit einem oder mehreren Teilnehmern. Dabei übernimmt es lediglich die Koordination, signalisiert also nur das Gespräch. Die eigentliche Datenübertragung bewältigt das Realtime Transport Protocol (RTP). Die Teilnehmeradressen ähneln der von Mails bekannte Form: sip:Benutzer@domain. Viele aktuelle VoIP-Geräte setzen SIP ein; es hat als Quasi-Standard das Protokoll H.323 fast verdrängt.

SIP und RTP bauen beide auf dem verbindungslosen UDP-Protokoll auf. Aus dieser Eigenschaft und aus dem Aufteilen in die beiden Komponenten SIP und RTP heraus entstehen einige Probleme beim Verbinden über eine Firewall hinweg. SIP teilt dem VoIP-Anbieter sowohl IP-Adresse als auch Port mit, die Anrufer kontaktieren sollen.

Bei einer direkten Internet-Verbindung mit aktivierter Firewall setzt das ein Freischalten der entsprechenden Ports voraus. Es gibt ein spezielles Zusatzprotokoll zu SIP namens Simple Traversal of UDP over NATs (STUN), das hier aushilft. Derzeit unterstützt Linphone es jedoch noch nicht.

Falls Probleme mit der Ausgabe auftreten und Sie keinen Router einsetzen, aber eine elektronische Brandmauer betreiben, öffnen Sie zuerst die Ports 7078/udp und 5060/udp. Wenn die Schwierigkeiten weiter bestehen, liegt es an der Soundkarte oder den Codecs. Setzen Sie einen Router ein, leiten Sie diese beiden Ports für das UDP-Protokoll auf Ihre interne IP-Adresse weiter.

Führt dieser Schritt nicht zum erhofften Erfolg, liegt das Problem häufig bei den Einstellungen der Sound-Karte. Nehmen Sie für einen Test mit einem Aufnahmeprogramm einen kurzen Text über Ihr Headset auf. Bei Gnome heisst dieses Programm Audio Recorder; bei KDE bietet sich das Programm Krecord an, das sich im Menü unter Aufnahme findet.

Enthält die Aufnahme nur Stille, drehen Sie am Regler. Starten Sie dazu – je nach Desktop-Oberfläche – das Programm Kmix (Abbildung 3) oder Gnome-volume (Abbildung 4). Dort finden Sie eine Reihe von Optionen, abhängig von der Soundkarte und dem verwendeten Desktop. Im Bereich Wiedergabe schalten Sie das Mikrophon stumm, da Sie sich sonst selber hören. Im Reiter Aufnahme drehen Sie dagegen das Mikrophon und, falls vorhanden, den Pegel für Capture langsam auf.

Das Symbol eines Mikrophons unter diesen beiden Reglern sollte aktiviert sein. Existiert für Ihre Soundkarte noch der Reiter Schalter, verwenden Sie dort die Option Microphone Boost, um Ihr Signal nochmal einmal zu verstärken.

Abbildung 3: Bei Schwierigkeiten mit der Tonübertragung hilft ein Blick auf die Einstellungen der Soundkarte.
Abbildung 4: Mit einem Hilfsprogramm wie Gnome-volume verändern Sie die Werte für die Soundkarte so, dass die Kommunikation störungsfrei läuft.

Im Reiter Option stellen Sie gegebenenfalls die Aufnahmequelle ein – also auf das Mikrophon. Unter KDE sollten bei Input die grünen Lämpchen beim Mikrophon und (falls vorhanden) bei Capture aus sein, die roten Lämpchen jedoch an. Beide müssen auch auf einen hohen Aufnahmepegel gestellt werden. Auch hier gibt es eventuell unter Switches die Aufnahmequelle und einen "Microphone Boost".

Selten kommt es bei der VoIP-Kommunikation zu Problemen mit der Auswahl an Kompressionsverfahren (Codecs). Es existieren mehrere solcher Verfahren, und nicht immer unterstützen alle Parteien eines Gesprächs die gleichen. Linphone wartet jedoch mit einer ganzen Reihe Codecs auf, und im Test traten entsprechende Probleme nicht auf.

Treffen Sie doch einmal auf ein Problem, das sich durch die obigen Tricks nicht beheben lässt, versuchen Sie im Menüpunkt Einstellungen unter dem Register Codecs die Reihenfolge der Codecs zu verändern. Am häufigsten akzeptieren Programme die Verfahren PCMU und PCMA. Daher verschieben Sie diese im Problemfall nach oben. Die beste Sprachqualität bietet meistens der Speex-Codec mit einer Abtastrate von 16 kHz.

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