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Internet-Telefonie

Internet-Telefonie mit Linphone

01.12.2005 Um Verwandte und Freunde rund um den Globus anzurufen, greifen man heute nicht mehr zum Telefon, sondern zum Headset. Mit Linphone verfügen Linux-Anwender über ein komfortables Programm zum Telefonieren via Internet.

Der Preiskampf im Bereich der Internet-Telefonie – oder präziser Voice over IP – ist spektakulär: Noch nie war Kommunikation rund um die Welt so günstig. Neueste Angebote für einmalig ein paar Euro ermöglichen Telefonate in die meisten europäischen Festnetze – so oft und so lange Sie wollen.

Inzwischen gibt es zahlreiche Anbieter für Internet-Telefonieleistungen – selbst die Deutsche Telekom erwägt zur Zeit einen entsprechenden Dienst. Auch unter Linux stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, um von der neuen Technologie Gebrauch zu machen. Das Programm Linphone gehört zu den komfortablen Möglichkeiten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Linphone ermöglicht einen komfortablen Zugang zur Sprachkommunikation via Voice over IP.

Für VoIP benötigen Sie zunächst einen Internet-Anschluss; am besten eignet sich für diesen Zweck ein DSL-Zugang. Bei einer ISDN-Leitung leidet die Sprachqualität recht stark, und auch bei einer DSL-Verbindung sollten Sie die Bandbreite nebenbei nicht zu sehr strapazieren: Schon das Versenden einer großen E-Mail führt mitunter zum Abbruch des Gespräches.

Wie für die klassische Telefonie gibt es für VoIP mehrere Anbieter, auch Provider genannt. Diese sind fast immer vom Internet-Anbieter unabhängig, viele Nutzer verwechseln diese jedoch häufig. Sie dürfen also zum Beispiel einen VoIP-Vertrag mit Sipgate über einen Internet-Anschluss von Arcor nutzen (Abbildung 2).

Für die Wahl des VoIP-Anbieters lohnt es sich, alle Möglichkeiten zu vergleichen: Der eine Anbieter ist für Gespräche ins europäische Festnetz sehr günstig, der andere gut für Anrufe auf Mobiltelefone. Viele VoIP-Provider haben untereinander sogenannte Routing-Abkommen, die Teilnehmern des einen Netzes erlauben, kostenlose Gespräche zu den Kunden eines anderen Anbieters aufzubauen.

Bei den meisten Accounts bekommen Sie auch eine aus dem Fest- und Mobilnetz erreichbare Nummer. Damit könnte der VoIP-Anschluss als ein vollwertiger Telefonersatz fungieren. Eine kleine Übersicht über VoIP-Provider finden Sie auf der Web-Seite Onlinekosten.de [1].

Für diesen Beitrag gehen wir von zwei hypothetischen VoIP-Accounts mit der Kennung "pinguin" bei den Providern Sipsnip und Purtel aus. Der Teilnehmer telefoniert dabei über den Sipsnip-Account, möchte aber auf dem Purtel-Account Anrufe entgegennehmen.

Abbildung 2: Telefonie über das Internet läuft über die Protokolle SIP und RTP. Firewalls und Router erweisen sich dabei mitunter als Hindernis.

Zum Telefonieren fehlt nur noch die Hardware. Bei Voice over IP bietet sich neben dem Einsatz von Telefon-ähnlichen Geräten die Nutzung so genannter Softphones an. Wer also den Hörer in der Hand nicht missen will, greift zu einem Hardware-Telefon. Mit einem Softphone fällt der Einstieg allerdings wesentlich günstiger aus. Hier übernimmt ein Programm auf einem Rechner den Verbindungsaufbau und die Kommunikation.

In Kombination mit Softphones, wie Linphone, eignen sich am besten sogenannte Headsets, die Mikrofon und Kopfhörer vereinen. Dabei empfiehlt sich ein Gerät aus dem mittleren Preissegment ab 15 Euro. Im Test kamen ein Wintech WH8 und ein Plantronics Audio 40 zum Einsatz, die beide zufriedenstellende Leistungen erbrachten.

Installation

Linphone [2] gehört zu den bekanntesten Softphone-Anwendungen. Sie wurde für den Gnome-Desktop optimiert; es spricht jedoch nichts gegen den Einsatz unter KDE. Sie finden die Quellen der Release 1.1.0 zusammen mit den entsprechenden Bibliotheken auch auf der Heft-CD zu dieser Ausgabe im Verzeichnis LinuxUser/linphone/.

Mandriva Linux 2006 bringt die aktuelle Version 1.1.0 bereits mit. Benutzer von Gentoo Linux installieren Linphone 1.1.0 durch ein simples emerge. Suse 9.3 und 10.0 kommen mit Linphone in der Version 1.0.0, die für den täglichen Bedarf ausreicht. Hier versteckt sich die Software im KDE-Menü hinter dem Eintrag Telefon. Verwenden Sie Debian Testing ("Etch") oder Ubuntu Linux 5.10 ("Breezy Badger"), liefert das Repository die geringfügig neuere Version 1.0.1.

Wenn Sie das Programm von Hand kompilieren und installieren, beachten Sie beim Übersetzen unbedingt die korrekte Reihenfolge. Linphone verwendet für die Kommunikation mit dem VoIP-Anbieter die Bibliothek Libosip2. Darum installieren Sie diese zuerst. Öffnen Sie ein Terminal – unter KDE heißt es Konsole – und melden Sie sich durch den Befehl su und die anschliessende Eingabe des Passworts für das Root-Benutzerkonto als Administrator an. Entpacken Sie das Archiv mit tar xzf libosip2-2.2.0.tar.gz, und wechseln Sie mit cd libosip2-2.2.0 in den neu entstandenen Ordner. Die folgende Befehle übersetzen und installieren die Bibliothek:

./configure --prefix=/usr
make
make install
ldconfig

Verlassen Sie nun den Linosip2-Ordner entpacken Sie als nächstes das Linphone-Archiv mit dem Befehl tar xzf linphone-1.1.0.tar.gz. Mit cd linphone-1.1.0 wechseln Sie wiederum ins passende Verzeichnis wechseln und nutzen dort die gleichen Befehle zum kompilieren und übersetzen verwenden, wie bei der Bibliothek.

Unter Umständen fehlen Entwicklerpakete, wie das des Speex-Codecs. Die Installation dieser Pakete verläuft von Distribution zu Distribution unterschiedlich. Hier empfiehlt es sich, im Installationsprogramm nach Paketen ähnlichen Namens zu suchen und diese zu installieren.

Zugang einrichten

Nach dem Start begrüßt Sie Linphone mit einer minimalistisch gehaltenen Benutzeroberfläche. Von Ihrem VoIP-Anbieter erhalten Sie Zugangsdaten, mit denen Sie sich nun am Server anmelden. Neben einem Benutzernamen und einem Kennwort gibt es dazu eine Domain. Wie bei einer E-Mail-Adresse setzt sich die SIP-Kennung – also die Telefonnummer im VoIP-Netz – aus dem Benutzernamen und der Domain zusammen.

In unserem Beispiel wäre die SIP-Kennung pinguin@sipsnip.de für den Sipsnip-Account. Bei Purtel sieht die Domain jedoch anders aus als erwartet, sie lautet dort pinguin@deu1.purtel.com. Über die Homepage des VoIP-Anbieters haben Sie Zugriff auf die Daten und ändern diese dort bei Bedarf. Dabei unterscheiden viele VoIP-Providern zwischen der Telefonnummer und dem Benutzernamen. Eine Ausnahme ist Purtel, bei dem der Benutzername der Purtel-Telefonnummer enspricht, und dieser deswegen nur aus Ziffern besteht.

Mit Ihren Zugangsinformationen ausgestattet, ist die Konfiguration schnell erledigt. Im Menü Start finden Sie den Punkt Einstellungen. Auf dem Reiter SIP tragen Sie zuerst die Identität oder SIP-Kennung ein. In unserem Beispiel steht bei Ihre Sip-Adresse: zuerst pinguin und nach dem Klammeraffen ("@") sipsnip.com. Das Häkchen bei Automatisch einen gültigen Hostnamen erraten darf dafür nicht gesetzt sein.

Als nächstes teilen Sie Linphone mit, zu welchem Internet-Server Sie eine Verbindung wünschen, um Anrufe zu tätigen. Im Rahmen Dienste auf entferntem Server verwenden Sie den Knopf Füge Proxy/Registrator hinzu. In folgenden Popup-Fenster geben Sie bei SIP Identität die vollständige SIP-Kennung und bei SIP Proxy den Hostnamen des SIP-Servers ein. Dieser heißt bei den von uns getesteten Providern genauso wie die Domain.

Wenn Sie durch einen Klick auf Ok bestätigen, fragt das Programm Sie direkt nach Benutzernamen und Kennwort. Diese Informationen speichert es dann, und Sie brauchen sie nicht noch einmal eingeben.

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LinuxUser 03/2012

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