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Digitales Telefon

Internet-Telefonie mit KPhone

01.12.2005 Internet-Telefonie muss nicht kompliziert sein: KPhone benötigt nur eine normale Soundkarte und wenige Zugangsdaten zum Provider, damit Sie von jedem Rechner aus in alle Welt telefonieren können.

Telefonieren über das Internet etabliert sich mehr und mehr als Alternative zu teuren Minutentakten der herkömmlichen Telefonanbieter. Das Programm KPhone, das Suse Linux wie auch anderen Distributionen seit einiger Zeit beiliegt, lässt sich besonders einfach konfigurieren und bedienen, da es nur Internet-Telefonie und Video-Telefonie abdeckt.

Die Einrichtung von KPhone ist einfach: Wie in Abbildung 1 zu sehen, fragt KPhone beim ersten Start nur wenige Informationen ab, wobei Sie streng genommen lediglich den Benutzer-Teil der SIP-URL und den Host-Teil der SIP-URL angeben müssen. Das Feld Ausgehender Proxy benötigen Sie nur bei besonders restriktiven Firewalls, um überhaupt noch Verbindungen nach außen aufbauen zu können. Für die ersten Versuche sollten Sie den Proxy-Server angeben, um in jedem Fall auf der sicheren Seite zu sein, später sollten Sie es aber ohne einen Proxy versuchen.

Abbildung 1: Für die Einrichtung beim ersten Start benötigt KPhone nur wenige Angaben, lediglich den Benutzer- und Host-Teil der SIP-URL müssen Sie in jedem Fall angeben.

Ob Sie den Benutzernamen noch einmal angeben müssen, hängt vom jeweiligen SIP-Provider ab: Bei Sipgate [1] zum Beispiel müssen Sie in diesem Feld lediglich Ihre Benutzer-Nummer von oben wiederholen, ohne diese Angabe funktioniert der Verbindungsaufbau jedoch nicht.

Der q-Wert bestimmt die Qualität der Verbindung; ohne explizite Angabe bestimmt KPhone ihn dynamisch. Wenn Sie die Qualität manuell verringern, reduzieren Sie damit auch die Bandbreite, die KPhone benötigt – die meisten Benutzer können hier mit den Standardeinstellungen leben.

Unsicheres Passwort

Haben Sie alle Daten eingegeben, sollten Sie zunächst auf Anmelden klicken, damit KPhone unmittelbar eine Verbindung zu Ihrem Provider herstellt. Auch die automatische Anmeldung macht Sinn, da Sie nur dann über Ihr Internet-Telefon erreichbar sind, wenn Sie auch eine Verbindung zu Ihrem Provider aufrecht erhalten.

In jedem Fall fragt KPhone bei jeder Anmeldung das Passwort ab, das Ihnen Ihr SIP-Provider vorgegeben hat. Dieses können Sie speichern – was jedoch nicht ganz unkritisch ist, da es im Klartext in der Konfigurationsdatei von KPhone landet und diese für jedermann lesbar ist. Dies lässt sich auch nicht verhindern, da KPhone die Konfigurationsdatei bei jedem Beenden neu schreibt und world-readable hinterlässt. Deshalb sollten Sie kurzerhand jedem anderen mit dem Kommando chmod 700 ~/.qt den Zugriff auf das gesamte Konfigurationsverzeichnis von QT verweigern – das schützt auch die Konfigurationsdatei mit dem Passwort von KPhone einigermaßen, der Systemadministrator hat jedoch nach wie vor ungehinderten Zugang.

Je nach Konfiguration Ihres DSL-Routers benötigen Sie unter Umständen zusätzlich die Hilfe eines STUN-Servers, um mit KPhone telefonieren zu können: Der Rechner kann nicht immer feststellen, welche öffentliche IP-Adresse und welchen Port der Router für VoIP-Verbindungen verwendet. Der Client fragt deshalb beim STUN-Server an und lässt sich von ihm die IP-Adresse und den Port nennen, so dass er zukünftig beim Verbindungsaufbau dem Angerufenen die richtigen Adressdaten übergeben kann.

Die Einrichtung nehmen Sie im Menü EigenschaftenSIP-Eigenschaften auf der Registerkarte Socket vor: In der Zeile STUN-Server tragen Sie den Server-Namen und den Port des STUN-Servers Ihres Providers ein; bei Sipgate ist dies stun.sipgate.net:10000. Zudem müssen Sie im gleichen Registerblatt die Option Verwenden STUN-Server auf Ja umstellen. Wie schon beim Proxy gilt aber auch hier: Probieren Sie später aus, ob Sie nicht ohne den STUN-Server auskommen. Für die ersten Versuche sind Sie mit dem STUN-Server aber in jedem Fall auf der richtigen Seite.

Damit KPhone überhaupt Verbindungen nach außen aufbauen und Anrufen empfangen kann, müssen Sie in jedem Fall Ihre Firewall neu konfigurieren. So benötigt KPhone in jedem Fall die Ports 5004, 5060 und 10000 für UDP-Pakete. Für den STUN-Server müssen Sie zusätzlich die Ports 61000 bis 61099 für UDP öffnen.

Der erste Anruf

Die Bedienung von KPhone gestaltet sich unkompliziert: Im einfachsten Fall geben Sie die SIP-URL Ihres Gegenübers oder seine normale Festnetz-Telefonnummer samt Vorwahl in dem Textfeld neben dem Telefonsymbol im Hauptfenster von KPhone ein. Alternativ können Sie auch erst auf das Telefon-Icon klicken: KPhone öffnet dann – wie in Abbildung 2 zu sehen – den Einwahl-Dialog, wo Sie nach der Telefonnummer oder SIP-URL gefragt werden. Nur bei einem Video-Anruf müssen Sie explizit auf das Kamera-Symbol klicken.

Abbildung 2: Für jede eingehende und ausgehende Verbindung öffnet KPhone ein eigenes Dialogfenster. So können Sie das Programm ständig minimiert im Hintergrund laufen lassen, bei einem Anruf erscheint automatisch ein neues Fenster auf dem Bildschirm.

Grundsätzlich hängt die Möglichkeit, herkömmliche Festnetzanschlüsse über VoIP zu erreichen, von Ihrem Provider ab. So erlaubt Sipgate solche Anrufe erst, wenn Sie ein entsprechendes Guthaben bei dem Provider eingerichtet haben – bis dahin können Sie nur innerhalb des Sipgate-Netzes oder eines der angeschlossenen VoIP-Telefonnetze telefonieren. Anrufe aus dem Festnetz zu Ihrem VoIP-Anschluss hingegen erlaubt Sipgate auch ohne Guthaben und obendrein kostenfrei. Letzteres gilt allerdings nur für Sie: Der Anrufer zahlt die üblichen Festnetz-Telefongebühren in das Gebiet, aus dem Ihre Festnetz-Telefonnummer stammt – unabhängig davon, wo Sie sich im Moment gerade befinden.

Bei der Zuteilung der Festnetznummer gelten für die Internet-Telefonie-Provider strenge Regeln. So können Sie keine Telefonnummer aus Hamburg bekommen, wenn Sie in München leben – bei den meisten Anbietern erhalten Sie eine Rufnummer aus dem Vorwahlgebiet, in dem die Rechnungsadresse liegt.

Auch bei der Weiterleitung des Notrufs, die seit einigen Monaten vorgeschrieben ist, orientiert sich an der Adresse, die Sie als Heimatzone eingetragen oder als Rechnungsadresse angegeben haben. Da Internet-Telefonie jedoch prinzipiell von jedem Ort der Welt aus funktioniert, kann es im Ernstfall sehr lange dauern, bis die Rettungsleitstelle Ihres Heimatorts Ihren Notruf an die richtige Stelle weitergeleitet hat. Bei Mobil- und natürlich Festnetztelefonen ist dies besser geregelt: Hier landet der Notruf stets bei der Rettungsleitstelle, die für den Telefonanschluss oder den Standort des Mobilfunkzelle zuständig ist.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


Infos zur Publikation

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LinuxUser 03/2012

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