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Schwatzhaftes Netzwerk

Grundlagen des Internet Relay Chat

01.12.2005 Der Internet Relay Chat gehört zu den Senioren unter den Diensten im WWW. Nichtsdestotrotz eröffnet er zahlreiche Möglichkeiten, die weit über die direkte Kommunikatin hinausgehen.

Den Internet Relay Chat, kurz IRC, empfindet eine Vielzahl von Internet-Nutzern als einen der größten Zeitverbrenner neben den Computerspielen. Zahlreichen Fernsehsendungen berichteten von Internet-Süchtigen, die die Gesellschaft nicht zuletzt ihrer im IRC aufgebauten und ausgelebten zweiten Identität wegen als manisch abstempelt und bemitleidet. Heute scheinen auf dem Gebiet der Realtime-Kommunikation Dienste wie ICQ, Jabber, MSN und AIM unsere Computer in fester Hand zu haben.

Doch die Möglichkeiten der Chat-Plattform IRC vereint dabei keiner der genannten Dienste unter einem Dach. Sinnvoll genutzt, um beispielsweise Live-Support zu bieten oder Projektmitglieder während der gemeinsamen Arbeit miteinander zu vernetzen, bleibt der IRC ein bis heute unerreichtes Medium.

Herkömmliche Kommunikationsnetze, wie der Mail oder das gute alte Telefon bieten nicht das effiziente Verhältnis von Aufwand und Nutzen: Mail-Verkehr bremst die Arbeit durch den teilweise enormen Zeitversatz, und die Kosten für das Telefon bieten Privatpersonen kaum die Möglichkeit, mehr als drei Personen miteinander zu verbinden. So verliert auch heute ein 17 Jahre alter Dienst nichts von seiner Bedeutung. Dieser Artikel klärt neben der Geschichte des IRC die wichtigsten Dienstmerkmale und Befehle der Plattform.

Blick zurück nach vorn

Wie viele netzwerkspezifische Dienste der frühen Computerwelt entstand auch das IRC-Netzwerk in der Unix-Welt. Bereits 1988, als Linus Torvalds sein Studium in Helsinki gerade erst begann, kam ein anderer finnischer Student namens Jarkko Oikarinen an der Universität Oulu auf die zündende Idee, die bereits vorhandene Bulletin-Board-Software der Universität um die Möglichkeit einer Realtime-Kommunikation zu erweitern.

So entstand der erste Chat-Server für die finnische Universität und bald übernahmen auch die anderen nordischen Universitäten dieses Konzept. Als kurz darauf hielten die amerikanischen Universitäten Einzug in das finnische IRC-Netz, und so begann der internationale Siegeszug des IRC im Internet.

In den folgenden Jahre waren sich die Entwickler uneins über den Aufbau eines IRC-Netzwerkes. Erste Abspaltungsversuche fanden statt, um beispielsweise ein alternatives Netzwerk (A-Net) ohne Passwörter und Benutzerbeschränkungen aufzubauen.

Weitere Alternativen, wie die des Undernet oder des Dalnet entstanden ebenfalls aus der Unzufriedenheit einiger Nutzer. Sie wollten die Sicherheit des Netzes erhöhen oder neue Services (beispielsweise Channel-Bots) einbringen. Einige dieser Netze haben bis heute überlebt und gehören zu den größten IRC-Netzwerken weltweit. Als größtes Hauptnetzwerk arbeitete aber nach wie vor das EFnet.

1996 kam es erstmals zu einem Split mit deutlichen Auswirkungen: In Uneinigkeit über die Zukunft des Serverdämonen Ircd spaltete sich das große EFnet in die Teile Ost und West. Nordamerika behielt das heutige EFnet, und die europäischen Server vereinigten sich zum IRCnet. Bereits wenige Jahre später zeigte sich sehr deutlich der größere Erfolg des IRCnet in Form einer höheren Nutzerzahl.

Das Medium IRC ist längst beim Internet-Nutzer außerhalb der Universitäten angekommen. Es brachte von nun an eine Vielzahl kleinerer und größerer IRC-Netze hervor, die aber lose nebeneinander stehen. Das ergäbe bei den heutigen Nutzerzahlen (siehe Tabelle 1) auch keinen Sinn mehr.

Aufbau des IRC-Netzwerkes

Eigentlich ist es falsch, heute von dem IRC-Netzwerk zu sprechen. Es existieren Hunderte von IRC-Netzwerken völlig unabhängig voneinander. Ein Netzwerk besteht aus mindestens einem IRC-Server; große Netzwerke aus über 50. Eine Übersicht der wichtigen und bekannten IRC-Netzwerke zeigt Tabelle 1.

Tabelle 1: Wichtige IRC-Netzwerke

Name Adresse Homepage User-Zahl Channel-Zahl Dienste
QuakeNet http://irc.quakenet.org http://www.quakenet.org 150 000 190 000 kein Nickserv, Q- und L-Bots für den Kanal
Undernet http://eu.undernet.org http://www.undernet.org 100 000 40 000 Chanserv, Nickserv
IRCnet http://irc.fu-berlin.de/http://irc.leo.org http://www.ircnet.info 100 000 50 000 Noteserv, kein Nickserv, kein Chanserv
EFnet http://irc.efnet.nl http://www.efnet.org 80 000 40 000 Chanfix, kein Nickserv, kein Chanserv
Freenode http://irc.freenode.org http://www.freenode.org 25 000 10 000 Nickserv, Chanserv, Memoserv
EUIRC http://irc.euirc.net http://www.euirc.net 5000 3000 Nickserv, Chanserv, Memoserv, Hostserv
InsiderZ http://noctem.insiderz.de/http://matrix.insiderz.de http://www.insiderz.de 1 400 800 Nickserv, Chanserv, Memoserv, Hostserv, Botserv, SSL

Welches Netzwerk Sie auswählen, hängt von Ihren Erwartungen ab. Suchen Sie eher Server von allgemeiner, sehr vielfältiger Themenstruktur mit europäischen Gästen, empfiehlt sich wohl das alte IRCnet. Linux-Begeisterte, Open-Source-Anhänger und Programmierer finden im kleineren Netzwerk Freenode Gleichgesinnte. Spielernaturen bevorzugen eher die Channels der verschiedenen Netzwerkspiele-Clans im QuakeNet.

Für Service-Versessene und sicherheitsbewußte Chatter lohnt sich ein Blick in das noch recht kleine InsiderZ oder das EUIRC-Netzwerk. Sicher gibt es auch große Linux-Channels im IRCnet und Räume zur Partnerschaftssuche im QuakeNet, doch allgmein akzeptieren Benutzer die Aufteilung.

Abbildung 1: Für die schnelle Kommunikation über das Internt existieren Kommandozeilen-Programm und grafische Clients, wie Konversation.

Als Benutzer wählen Sie einen, dem eigenen Standort möglichst nahen Server aus. Um weitere Server, als die in Tabelle 1 angegebenen zu finden, besuchen Sie die Homepage des jeweiligen IRC-Netzwerkes. Dort erhalten Sie auch weiterführende Informationen über spezielle Services und Server-Regeln.

Auf den großen Server befinden sich meist viele tausend Benutzer, die sich in vielen tausend sogenannten Channels, den Chat-Räumen des IRC, tummeln. Aufgrund der Verbindungen zwischen den Servern eines Netzwerkes spielt es keine Rolle, welchen Server Sie ansteuern. Sie treffen immer auf die gleichen Channels und Benutzer.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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