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Chat mit Stil

01.12.2005 Bei Chat denken Internet-Teilnehmer dieses Jahrtausends vor allem an Instant Messenger. Aber das altbewährte Internet-Chat-Protokoll IRC ist immer noch beliebt und setzt nicht zwangsläufig die Kenntnis komplexer Befehle voraus.

Eine intuitive Oberfläche und große Funktionsvielfalt stehen nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinander. XChat [1] verhilft IRC-Anfängern zum schnellen Start; mitgelieferte oder selbstgeschriebene Skripte erweitern das Programm zum Alleskönner.

XChat gehört zum Umfang jeder gängigen Distribution – verbraucht es doch weniger als 2 Megabyte Platz und setzt lediglich die ohnehin meist zur Standardinstallation zählende GTK-Bibliothek voraus. Daher spielen Sie das Programm mit dem distributionseigenen Paketmanager ein.

Der Start erfolgt über das Gnome- oder KDE-Menü mittels des Kommandos xchat. Sie landen daraufhin direkt in der Server-Liste (Abbildung 1). Sie enthält praktisch alle gängigen IRC-Netze – denn im Gegensatz zu den meisten anderen Internet-Diensten gibt es im IRC nicht nur ein zusammenhängendes, sondern unüberschaubar viele voneinander unabhängige Netze ebenso wie einzelne Server (siehe Artikel "IRC-Grundlagen", S. 52).

Abbildung 1

Abbildung 1: Per Mausklick verbindet sich XChat mit einem oder mehreren IRC-Netzwerken zugleich.

Geschichtliches

Gesellschaftspolitische Bedeutung erlangten IRC-Chats während des Golfkriegs von 1991. Seinerzeit gelangten zahlreiche Kriegsnachrichten direkt von Bewohnern des Irak oder benachbarter Länder über den Chat an die Öffentlichkeit. Die Zensurbehörden ignorierten das wenig bekannte Medium, und so waren Chatter in aller Welt oft schneller informiert als die herkömmlichen Massenmedien – häufig zum Missfallen beteiligter Kriegsparteien.

Auch bei anderen Ereignissen der 90er-Jahre spielte das IRC eine wichtige Rolle als inoffizielles Informationsmedium, das sich als robust gegenüber technischen Schwierigkeiten erwies und von Zensur gewöhnlich verschont blieb. Unter [2] gibt es archivierte Logdateien von Chats, die während des Golfkriegs, des Putschversuchs in Russland im selben Jahr, des kalifornischen Erdbebens von 1994 und des Anschlags auf ein Regierungsgebäude im amerikanischen Oklahoma City 1995 entstanden.

Im Feld Nickname tragen sie den Spitznamen ein, unter dem Sie im Chat auftreten möchten. Falls diesen bereits ein anderer Benutzer verwendet, weicht XChat auf den unter Zweite Wahl: oder Dritte Wahl: vermerkten Eintrag aus. Der Benutzername entspricht gewöhnlich demjenigen auf Ihrem heimischen Linux-System, ist jedoch inzwischen weitgehend unerheblich – zu früheren Internet-Zeiten konnten damit andere IRC-Benutzer direkt die E-Mail-Adresse ablesen. Auch die Angabe des wahren Namens steht Ihnen frei.

Schließlich startet ein Klick auf Verbinde die Kommunikation mit einem Server des ausgewählten Netzes – reagiert der in der Liste oben stehende nicht, weicht XChat auf den zweiten aus und so fort. Steht die Verbindung, funktionieren sämtliche IRC-Befehle des Artikels "IRC-Grundlagen" (S. 52) auch in XChat. Wer diese nicht im Kopf hat, erhält vom Programm jedoch Unterstützung: Haben Sie einen Kanal über den Befehl /join #kanal oder über den Menüpunkt ServerBetrete Channel ... betreten, so sehen Sie am rechten Bildrand eine Liste aller Teilnehmer.

Per Rechtsklick auf einen der Chatter gelangen Sie in ein Kontextmenü, das weitere Informationen über den Benutzer anbietet. Bewegen Sie den Maus-Cursor auf den obersten Punkt, den Spitznamen des Teilnehmers, sehen Sie alle auch durch das Kommando /whois verfügbaren Details, beispielsweise die Internet-Adresse seines Rechners oder den vollen Namen.

Per Mausklick ändern Sie außerdem den Modus eines Benutzers und geben ihm Operator-Rechte oder erteilen ihm in moderierten Kanälen Sprachrecht – vorausgesetzt Sie verfügen selbst über die nötigen Privilegien. Unter Kicken/Bannen haben Sie die Möglichkeit, störende Benutzer per Mausklick aus dem Kanal zu werfen oder bei Bedarf sogar dauerhaft zu verbannen.

Parallel-Chat

Ein großer Vorteil von XChat liegt darin, dass das Programm auch zahlreiche Chats in verschiedenen Kanälen und Servern übersichtlich darstellt. Wählen Sie den Menüpunkt X-ChatServerliste..., erreichen Sie wieder das bei Programmstart dargestellte Dialogfenster. Hier markieren Sie ein weiteres IRC-Netz und klicken auf Verbinde in einem neuen Reiter, um neben den bereits geöffneten Verbindungen einen weiteren Button im XChat-Fenster zu erhalten. Über ihn wechseln Sie zum neu angewählten IRC-Server und zurück, ohne den Überblick zu verlieren (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: XChat verwaltet alle geöffneten Server und Chat-Kanäle in Reitern eines Fensters. Auf allgemeine Aktivität oder bestimmte Schlagwörter weist es mit verschiedenen Farben hin.

Neue Ereignisse signalisiert XChat mit verschiedenen Farben. Wenn die Kommunikation in einem Kanal weitergeht, während dieser im Hintergrund liegt, färbt sich der jeweilige Reiter rot. Fällt dort gar Ihr Name, weist eine blaue Schrift darauf hin.

Die Konfiguration von XChat ermöglicht es, dieses Verhalten detailliert zu konfigurieren. Über EinstellungenOptionen... finden Sie unter ChattenAllgemein das Feld Extra Wörter zum Hervorheben: (Abbildung 3). Hier eingetragene Stichworte sorgen dafür, dass X-Chat in der Taskleiste durch ein Blinken auf sich aufmerksam macht, sobald sie in irgendeinem Kanal fallen. Die Option Bei hervorgehobenen Nachrichten piepen fügt auch ein akustisches Signal hinzu.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die Konfiguration von XChat veranlasst unterschiedliche Reaktionen auf Nachrichten bestimmter Absender oder mit vordefinierten Schlagworten.

In den Abschnitten unter Schnittstelle desselben Dialogfensters bestimmen Sie das Aussehen und Verhalten der Oberfläche. Das reicht von Art und Farbe der Schrift über die automatische Vervollständigung beim Eintippen von Nicknames anderer Chat-Teilnehmer bis zur Sortierung der Namenslisten in den Chat-Kanälen.

Unbegrenzte Vielfalt

Seine größte Stärke schöpft XChat aus seiner praktisch unbegrenzten Erweiterbarkeit. Zu den Programmiersprachen C, Python, TCL und Perl hält es Schnittstellen bereit, so dass alle Kenner einer dieser Sprachen eigene Plugins schreiben können. Eine Vielzahl fertiger Erweiterungen finden Sie unter [3].

Plugins ermöglichen beispielsweise komplexe automatische Reaktionen auf via Chat übermittelte Eingaben. Mit den unter [3] bereits verfügbaren Erweiterungen können Sie beispielsweise über XChat Anfragen an die Suchmaschine Google stellen oder dem Chat-Kanal momentan abgespielte MP3-Songs mitteilen. Eine weitere XChat-Erweiterung setzt sogar "Schiffe versenken" um und lässt zwei Chatter via IRC gegeneinander spielen.

Ein solches Plugin laden Sie mit dem Befehl /load, gefolgt vom Dateinamen der Erweiterung. Alternativ wählen Sie den Menüpunkt X-ChatLade Plugins oder Skripte... und suchen die entsprechende Datei im Datei-Browser.

XChat stellt somit einen idealen Einstieg in die Welt des IRC dar, ohne anspruchsvolle Benutzer einzuschränken. Wer zum ersten Mal über dieses Protokoll chattet, braucht die zahlreichen IRC-Befehle nicht zu kennen; wer sich bereits eingelebt hat, kann XChat praktisch unbegrenzt an seine Bedürfnisse anpassen. Da es lediglich die GTK-Bibliothek voraussetzt, lässt es sich auf fast allen Linux-Rechnern mit grafischer Oberfläche starten.

Es gibt sogar eine Windows-Version von XChat, die die Entwickler allerdings lediglich zum 30-tägigen Ausprobieren kostenlos zur Verfügung stellen. Mit 20 US-Dollar liegt ihr Preis jedoch für XChat-Freunde mit gelegentlichen Betriebssystemwechseln in einem erschwinglichen Rahmen.

Infos

[1] XChat: http://www.xchat.org

[2] Historische IRC-Protokolle: http://www.ibiblio.org/dbarberi/links/chats

[3] XChat-Plugins: http://scripts.xchat.org/cgi-bin/script_list

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LinuxUser 05/2014

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