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Spiel mir das Lied mit OGG

Acht MP3-Player mit OGG-Vorbis-Support im Test

01.12.2005 Sie sind klein, hübsch und gar nicht teuer: MP3-Player mit Support für das freie OGG-Vorbis-Format. LinuxUser hat acht Geräte für Sie getestet.

Das Geschäft mit dem MP3-Playern boomt. Möchten auch Sie sich kurz vor Weihnachten noch einen portablen Musik-Player zulegen, sollten Sie nicht in letzter Sekunde zuschlagen. Nicht alles was OGG-Vorbis spielt, ist auch Linux-kompatibel (siehe Kasten "PlaysForSure – Todsicher"). Die von uns getesteten OGG-Player funktionieren aber alle out-of-the-box. Spezielle Software, wie sie einige populäre MP3-Player erfordern, brauchen Sie nicht.

Das neue Laufwerk

Linux erkennt sämtliche getesteten OGG-Player (siehe Übersichtstabelle) als USB-Massenspeichergerät (UMS). Sobald Sie einen Player über das USB-Kabel mit dem PC verbinden, findet Linux ein neues Laufwerk. Die meisten aktuellen Distributionen hängen dieses auch automatisch ein. Verbinden Sie zum Beispiel unter Suse Linux eines der iAudio-Geräte mit dem PC, erstellt die Distribution den Mount-Punkt /media/IAUDIO und mountet den Player. Kubuntu legt sogar auf dem Desktop eine neue Verknüpfung an, ebenfalls auf den Namen IAUDIO. Kubuntu und Suse Linux hängen Player ohne Festplatten-Label am generischen Mount-Punkt /media/usbdisk ein. Andere Distributionen, wie zum Beispiel Mandriva Linux 2006, benutzen das Verzeichnis /mnt/removable als Mount-Punkt für USB-Speicher ohne Festplatten-Label.

Sämtliche OGG-Player verfügen über eine USB-Buchse mit Ausnahme des Cowon iAudio X5. Er bringt über den mitgelieferten Adapter sogar zwei mit. Auf der linken Gehäuseseite, wo sich auch beim M5 der USB-Stecker befindet, stellt der X5 eine USB-Host-Schnittstelle zur Verfügung. Mit Hilfe dieses Interfaces können Sie Dateien von USB-Host-fähigen Geräten – wie externen Festplatten oder modernen Digitalkameras – ohne PC auf den Audio-Player kopieren. Möchten Sie das Gerät hingegen als USB-Festplatte ansprechen, müssen Sie den X5 über den beiliegenden Adapter mit dem Linux-Rechner verbinden.

Flash oder Festplatte

Betrachtet man den Preis pro MByte Speicher, so haben die Festplatten-Player von Cowon klar die Nase vorn. Allein deshalb sollten Sie sich aber nicht für ein Gerät mit Harddisk entscheiden, bringen doch die iAudio X5 und M5 jeweils knappe 150 Gramm auf die Waage und kosten deutlich über 200 Euro. Die Player sind zudem weniger resistent gegen Erschütterungen und Fallenlassen. Ein weiterer Nebeneffekt der Festplatten-Player – etwa beim i.Beat 300 von Trekstor deutlich festzustellen – sind die zwar leisen, aber doch deutlich hörbaren Geräusche des Massenspeichers beim Aktivieren der Harddisk.

Möchten Sie Ihr Audio-Abspielgerät in erster Linie dazu verwenden, beim Radfahren, Joggen oder auf dem Weg zur Arbeit etwas Musik zu hören, eignet sich dazu bereits ein Flash-Player mit 512 MByte oder 1 GByte Speicherkapazität. Je nach Qualität der Aufnahmen bringen Sie darauf bis zu 20 Alben unter. Möchten Sie allerdings jeden Tag andere Musik hören, ohne immer den Computer dabeihaben zu müssen, sollten Sie ein paar Euro mehr investieren und einen der teureren Festplatten-Player kaufen.

PlaysForSure – Todsicher

In letzter Zeit häufen sich die Hardware-Geräte mit dem Windows-Aufkleber PlaysForSure(TM). Gerade bei MP3-Playern sollten Sie solche Hardware meiden, da der Player mit ziemlich großer Sicherheit nicht unter Linux funktioniert. Dies betrifft auch die im LinuxUser 08/2005 kurz vorgestellten OGG-Player von Iriver. Obwohl uns Iriver damals versicherte, dass die Player als normale USB-Mass-Storage-Geräte (UMS) funktionieren würden, handelt es sich bei den in Europa und Amerika verkauften T10, T20 und T30 um PlaysForSure-Geräte, die nur unter Windows XP und nur mit dem Windows Media Player 10 zusammen funktionieren.

Möglich macht dies ein neues Protokoll von Microsoft: MTP. Das Media Transfer Protocol setzt auf dem von digitalen Kamera bekannten Picture Transfer Protocol (PTP) auf. Es übernimmt via Windows Media Player 10 gleichzeitig den Abgleich der lokalen Musiksammlung mit den Songs auf dem Player. Abwärts ist es mit dem PTP-Protokoll kompatibel. Da MTP noch relativ neu ist, unterstützt es zurzeit keine Linux-Distribution. Auch die Aussichten, in naher Zukunft MTP-Support in Linux zu bekommen, sind gering: Die MTP-Spezifikation können Sie zwar als in eine EXE-Datei verpacktes Word-Dokument von [4] herunterladen, Microsoft behält sich aber das Recht jeder Implementierung vor.

Treffen Sie einen Player mit dem Logo PlaysForSure (TM) an, bedeutet dies, dass der Hersteller folgendes bei Microsoft lizenziert hat:

  • Windows Media Codecs (WMA/WMV),
  • Microsoft Media Transfer Protocol (MTP),
  • Windows Media DRM 10 für tragbare Geräte und
  • Windows Media Player 10 Software-Verbreitung

Das Problem bei den T-Series-Playern von Iriver ist, dass es diese Geräte in zwei Ausführungen gibt: Einmal mit MTP-Firmware und einmal mit UMS-Firmware. UMS-Geräte verkauft Iriver in Asien, Südamerika und Afrika, MTP-Player in Europa, Nordamerika und Australien. Eine UMS-Firmware auf einem MTP-Player aufzuspielen ist nicht möglich. Auch eine entsprechende Anfrage von LinuxUser an Iriver blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet.

Laut Microsoft soll PlaysForSure dazu gut sein, dass die Hardware ohne Installation eines Treibers funktioniert. Da jedoch die Einbindung als USB-Storage-Gerät von weit mehr Systemen unterstützt wird, als das Windows-XP-abhängige MTP-Protokoll, ist klar, dass es sich hierbei lediglich um einen Marketing-Vorwand handelt. In Wirklichkeit entzieht das MTP-Protokoll dem Benutzer vollständig die Kontrolle über die auf den Player kopierten Daten, da diese nur noch über den Windows-Media-Player oder vom Hersteller mitgelieferte Software zugänglich sind. Der Benutzer kann keine Dateien mehr auf den portablen Player kopieren, die der Software nicht genehm sind.

Versichern Sie sich deshalb vor dem Kauf eines portablen Musik-Players auf der Seite http://www.playsforsure.com, dass das Gerät dort nicht aufgeführt ist. Finden Sie auf der Seite einen Vermerk, dass der Player erst nach einem Firmware-Upgrade PlaysforSure-kompatibel ist, sollten Sie unter keinen Umständen ein Firmware-Upgrade durchführen. Dies betrifft unter anderem auch den von LinuxUser in Ausgabe 06/2005 getesteten Zen Micro von Creative. Viele Player beherrschen zum Glück noch beide Modi: Findet das Gerät kein Windows XP mit Media Player 10, funktioniert es als normales USB-Storage-Gerät. Stecken Sie die mobile Jukebox hingegen an einen Windows-XP-Rechner an, arbeitet dieser über das MTP-Protokoll.

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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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