In jüngster Zeit räumen selbst die größten Kritiker von Gnome ein, dass der GNU-Desktop durch seinen verlässlichen Veröffentlichungszyklus und seine hohe Qualität immer mehr Anhänger sowohl im betrieblichen als auch privaten Umfeld findet. Seine maßgeschneiderten und einfach zu bedienenden Werkzeuge haben maßgeblich dazu beigetragen, dass sich Gnome seit Version 2.10 erfolgreich auf vielen Desktops etablieren konnte – trotz anfangs eher skeptischer Aufnahme und Zweifel auch in den eigenen Reihen.
Mit Version 2.10 hat sich Gnome wieder auf die ursprüngliche Tradition besonnen, von Haus aus auf überflüssige Details zu verzichten und dadurch eine produktivere Arbeitsweise zu ermöglichen. Das war sicher kein revolutionärer Prozess, hat aber viele bis dahin unzufriedene Benutzer und auch Kritiker aus anderen Lagern zum Umdenken bewogen.
Auch das aktuelle Release Gnome 2.12 führt die Philosophie des "Weniger ist mehr" konsequent fort, verzichtet auf Überflüssiges und konzentriert sich auf das Wesentliche. Die wichtigsten Neuerungen gegenüber Gnome 2.10 stellt der vorliegende Artikel in knapper Form vor.
Neues Erscheinungsbild
Das neue Release setzt auf eine Weiterentwicklung des "Glider"-Themes von Gnome 2.1O: "Clearlooks" (Abbildung 1) ist attraktiver, ästhetischer und angenehmer anzusehen. Auf den Mailinglisten des Gnome-Projekts gab es bereits um die Jahresmitte lange Diskussionen darüber, welches Theme das Rennen machen sollte. Schließlich wurde man sich dann aber doch einig, und auch aus den Reihen der Benutzer gab es breiten Zuspruch. Aller Voraussicht nach, wird "Clearlooks" – wenngleich in überarbeiteter Form – auch in zukünftigen Versionen des Gnome-Desktops der Standard bleiben.
Panel und Applets
Das Panel und seine kleinen Helfer haben mit Version 2.12 einige Tricks dazugelernt. So rotiert etwa der Verlauf des Textes in die Vertikale, sobald der Benutzer das Panel an den linken oder rechten Bildrand schiebt (Abbildung 2). Dieses Verhalten bringt zum einen Platzersparnis und kommt zum anderen einem intuitiveren Verhalten entgegen.
Programme lassen nun ihren Namen in der Fensterliste aufblinken, um anzuzeigen, dass entweder ein wichtiges Ereignis aufgetreten ist oder sie zum Arbeiten bereit stehen. Vor allem bei Messenger-Anwendungen wie Gaim oder einer Aktualisierungs-Software wie Synaptic erweist sich dieses neue Verhalten als sehr angenehm und hilfreich.
Gnome bringt nun endlich auch den lange vermissten Menü-Editor mit. Es beinhaltet allerdings nur eine sehr einfache, spartanische Version, mit deren Hilfe man einzelne Anwendungen in den Menüs ein- oder ausblenden kann. Dieser rudimentäre Editor lässt sich jedoch gegen andere Programme austauschen; viele Distributionen liefern beispielsweise Smeg [1] aus, dessen Bedienung um einiges komfortabler ausfällt. Das Programm ermöglicht es Ihnen, Menüpunkte zu erstellen, zu modifizieren und auch wieder zu löschen (Abbildung 3).
Die Gnome Panel-Applets erfuhren im Vergleich zu Gnome 2.10 nur kleinere – aber nicht minder nützliche – Verbesserungen. Das Applet zum Einbinden von Platten zeigt sich gründlich überarbeitet und liefert auf Knopfdruck die passende Aktion. So lässt sich mit nur einem Klick ein Datenträger einbinden oder wieder entfernen (Abbildung 4). Bei leeren CDs schlägt das Applet gleich vor, diese zu brennen. Durch eine Verbesserung der Gnomevfs-Bibliothek und die weitere Integration der HAL (Hardware Abstraction Layer) werden stets die richtigen Symbole im Panel angezeigt; sei es ein CD-Laufwerk, ein USB-Stick oder ein anderer Wechseldatenträger. Das verhindert Missverständnisse, die unter Gnome 2.10 gelegentlich durch zu wenig eingängige Symbole ausgelöst wurden.
Ebenso wurde das Batterie-Applet verbessert, das experimentell die HAL verwendet und in Zukunft nun besser für neue Laptops gerüstet sein wird. Das Wetter-Applet bringt nun eine Suchfunktion mit, damit Sie nicht mehr langwierig die (mittlerweile recht umfangreiche) Liste der Orte nach Ihrem Wohnort durchblättern müssen.



