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Fliegen mit Flightgear

01.11.2005 UFOs über San Francisco? Mit dem freien Flugsimulator Flightgear verlassen Sie diese Erde – notfalls auch in einem UFO. Hier lösen Sie gratis das Ticket.

Trotz der so genannten Billig-Airlines ist Fliegen nach wie vor ein teures Vergnügen. Das gilt nicht nur für das Mitfliegen, sondern vor allem für das Selber-Fliegen. Eine Ausbildung zum (Hobby)-Piloten kostet Tausende von Euro, für einen Besuch in einem professionellen Flugsimulator legen Sie mal eben 200 bis 300 Euro auf den Tisch. Da ist es kein Wunder, dass Flugenthusiasten den heimischen PC in ein Cockpit verwandeln: Doch selbst für Flugsimulatoren im eigenen Wohnzimmer blättert der passionierte Flugzeugführer 20 bis 30 Euro hin – Erweiterungen wie zusätzliche Modelle oder detailliertere Landschaften kosten noch einmal extra. So kommt für die virtuellen Flieger im Laufe der Zeit ein hübsches Sümmchen zusammen.

Plattformübergreifend und gratis erhalten Sie hingegen seit einigen Jahren den freien Flugsimulator Flightgear (Abbildung 1). Der hält technisch zwar noch nicht mit der aktuellen kommerziellen Konkurrenz mit, entwickelt sich jedoch ständig weiter und mutet mit seinen zahlreichen Features schon recht realitätsnah an.

Abbildung 1

Abbildung 1: Eine Cessna passiert die Golden Gate Bridge von San Francisco im freien Flugsimulator Flightgear.

Check-in

Etwas ältere Versionen von Flightgear installieren Sie für Suse via Yast und unter Debian via Apt. Um die neueste Version von Flightgear zu erhalten, müssen Sie hingegen mit etwas Aufwand den Quell-Code kompilieren [1]. Für Mandrake 10.2, Fedora Core 3 und die neueste Version 5.10 von Ubuntu liegen fertige Pakete der neuesten Version 0.9.8 von Flightgear vor, die entsprechenden Pakete finden Sie hier [2].

Um Flightgear zu installieren, benötigen Sie zunächst einen 3D-Treiber für Ihre Grafikkarte, denn das Geruckel ohne diesen möchten Sie sich sicherlich ersparen. Installieren Sie Flightgear dann über den entsprechenden Paket-Manager.

Eine wichtige Rolle spielt die Konsole: Im Gegensatz zu anderen Flugsimulatoren legen Sie via Konsole bereits vor dem Start fest, mit welchen Parametern das Programm startet. Durch die Eingabe verschiedener Optionen bestimmen Sie unter anderem, wo Ihr Flugzeug abhebt, welche Art von Maschine Sie fliegen oder welche Tageszeit am Abflugort herrscht. Eine typische Startzeile lautet:

fgfs --enable-fullscreen --aircraft=ufo --airport-id=KJFK --start-date-lat=2005:09:09:12:00:00 --enable-auto-coordination

Betrachten Sie nun die einzelnen Optionen: --enable-fullscreen sorgt dafür, dass Sie den Vollbildmodus nutzen, als --aircraft wählen Sie das UFO, Startplatz ist der John-F.-Kennedy-Flughafen (JFK) nahe New York.

Jeder Flughafen weltweit verfügt über ein ICAO-Kürzel, das Sie über eine Web-Seite [3] erfahren.

Ihr erster Flug geht allerdings nicht vom JFK-Flughafen aus: Flightgear startet zunächst lediglich in der Umgebung von San Francisco. Andere Regionen der Welt laden Sie von der Flightgear-Webseite herunter [4]: Wie Sie solche Add-ons installieren, lesen Sie im Kasten "Flightgear erweitern".

Flightgear erweitern

Die Flightgear-Welt ist in Planquadrate von 10 Längen- mal 10 Breitengraden aufgeteilt. In der Grundausstattung des Simulators erhalten Sie lediglich eine solche "Kachel" rund um Los Angeles mitgeliefert, der Rest der Welt besteht zunächst aus Wasser. Mit entsprechenden Erweiterungsdateien [4] lassen Sie jedoch bei Bedarf auch andere Regionen des Planeten Gestalt annehmen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Wollen Sie einen neuen Airport oder eine neues Gebiet anfliegen, müssen Sie die passende Szenerie zuvor herunterladen und einrichten.

Allerdings fallen bei der Beschaffung solcher so genannter Szeneriedateien erhebliche Download-Volumina an: Eine einzelne "Kachel" bringt es auf rund 80 MByte Umfang; die gesamte Erdoberfläche bietet Flighgear.org auf drei DVDs zum Erwerb an. Deshalb haben wir für Ihre Zwecke die mitteleuropäische Region rund um Deutschland mit auf die Heft-CD gepackt.

Das Gebiet umfasst die vier Flightgear-Planquadrate von 0 Grad östlicher Länge / 50 Grad nördlicher Breite (e000n50.tgz) bis 10 Grad östlicher Länge / 40 Grad nördlicher Breite (e010n40.tgz). Damit liegen nicht nur Deutschland, sondern daneben auch Benelux, Dänemark, Südskandinavien, große Teile von Frankreich und Italien sowie der Balkan in Ihrer Reichweite.

Um die Szenerien zu installieren, kopieren Sie die Archive von der Heft-CD je nach Distribution in das Unterverzeichnis Scenery oder Scenery/Terrain von Flightgear und entpacken Sie dort mit dem Befehl tar -xvzf e0*. Sinngemäß verfahren Sie mit anderen Flightgear-Gebieten, die Sie heruntergeladen haben.

Ganz ähnlich wie die Einrichtung zusätzlicher Fluggebiete verläuft auch die Erweiterung Ihrer Luftflotte: In einem eigenen Download-Bereich auf Flightgear.org [8] finden Sie zahlreiche Luftfahrzeugmuster von Hängegleitern und Segelflugzeugen über Propeller- und Strahlmaschinen aller Epochen bis zu X-Planes der NASA. Fehlt eines davon noch in Ihrer Sammlung, laden Sie die entsprechende Archivdatei herunter und entpacken Sie im Flightgear-Unterverzeichnis Aircraft. Beim nächsten Start des Simulator steht Ihr Neuerwerb dann schon "am Gate" bereit.

Damit es beim Start noch hell ist, beginnt der Flug – laut der Option start-date-lat – am 09.09.2005 um 12 Uhr mittags Ortszeit. Die aktivierte auto-coordination sorgt dafür, dass Quer- und Seitenruder zusammenarbeiten. In der Flightgear-Anleitung [5] erfahren Sie, welche weiteren Optionen es für die Shell noch gibt [6] und welche Flugzeugtypen noch existieren [7] – auch wenn nicht alle Modelle funktionieren. Ist Ihre Grafikkarte etwas schwach auf der Brust, deaktivieren Sie Texturen und andere grafische Beigaben. Dadurch sieht die Simulation zwar bescheiden aus, läuft aber flüssig. Rufen Sie den Flugsimulator nun über die Konsole mit fgfs --enable-fullscreen --start-date-lat=2005:09:09:12:00:00 auf.

Ready for Take-off

Wie bei Flugsimulationen üblich, blicken Sie zunächst aus einem Cockpit (Abbildung 3) auf eine Landebahn in der Nähe von San Francisco.

Abbildung 3

Abbildung 3: Blick aus dem Cockpit auf eine Landebahn. Der Startflughafen von Flightgear liegt in der Nähe von San Francisco.

Ihr Flugzeug ist standardmäßig eine Cessna 172, perfekt für einen kleinen Rundflug. Der erste Schritt besteht darin, das Fluggefährt irgendwie in die Luft zu bekommen. Das gelingt am besten mittels eines Joystick (siehe Kasten "Virtueller Knüppel") oder alternativ mit tatkräftiger Unterstützung von Maus und Tastatur.

Virtueller Knüppel

Flightgear unterstützt wie jede gute Flugsimulation auch eine Steuerung via Joystick samt Varianten wie zusätzliche Schubregler oder Ruderpedale. Dabei bringt der Simulator bereits Konfigurationsdateien für die Produkte gängiger Hersteller wie CH Products, Logitech, Microsoft, Saitek oder Thrustmaster mit.

Alle aktuellen Distributionen erkennen einen angeschlossenen Joystick via Hotplug selbst. Ob das bei Ihrem System geklappt hat, stellen Sie durch einen Aufruf von dmesg fest:

$ dmesg | grep Joystick
input: USB HID v1.10 Joystick [Microsoft Sidewinder Precision 2 Joystick] on usb-0000:00:1d.0-1

In den meisten Fällen erkennt auch Flightgear den Typ des Joysticks korrekt und lädt die passenden Konfigurationsdaten aus dem Unterverzeichnis Input/Joysticks/Hersteller. Anderenfalls greifen Sie zum Texteditor und ändern in der Datei joysticks.xml die Zeile für das Default device so ab, dass die gewünschte Joystick-Konfiguration zum Zuge kommt:

<!-- Default device -->
<!-- js n="0" include="Input/Joysticks/Default/joystick.xml"/-->
<js n="0" include="Input/Joysticks/Microsoft/Sidewinder-precision-pro.xml"/>

Sagt Ihnen die von Flightgear vergebene Achsen-/Tastenbelegung für den Joystick nicht zu, dann können Sie diese in der Konfigurationsdatei nach Belieben modifizieren. Möglichkeiten zur alternativen Belegung und Parametrisierung der Achsen schildert ausführlich die Datei README.Joystick.html, die Sie im Flightgear-Unterverzeichnis Docs finden. Für die Ansteuerung von Quer-, Seiten und Höhenruder sowie des Schubreglers ergeben sich naturgemäß aber kaum größere Variationen und damit nur selten Bedarf für Modifikationen.

Für die Wirkung der verschiedenen Buttons am Joystick dagegen hegt fast jeder PC-Flieger eigene Präferenzen – kein Problem: Über den Abschnitt <binding> jeder button-Angabe in der Konfigurationsdatei modifizieren Sie die Funktion der Taste ganz nach Belieben. Möchten Sie beispielsweise eine Tastaturfunktion auf eine Joystick-Taste abbilden, suchen Sie zunächst in der Datei keyboard.xml im Flightgear-Verzeichnis nach der fraglichen Tastenbelegung. Dann ersetzen Sie kopieren Sie dort den binding-Abschnitt und ersetzen damit die entsprechenden Zeilen in der Joystick-Konfigurationsdatei.

Um beispielsweise den Feuerknopf des Joysticks – typischerweise die Taste Nummer 1 – zum Umschalten der Ansichten zu nutzen, tragen Sie folgenden Abschnitt in die Konfigurationsdatei ein:

<button n="0">
  <repeatable>false</repeatable>
  <binding>
    <command>nasal</command>
    <script>view.stepView(1)</script>
  </binding>
</button>

Um einen Joystick eines Typs zu konfigurieren, den Flightgear grundsätzlich nicht kennt, könnten Sie sich auf diese Weise eine komplette Konfigurationsdatei selbst zusammenstellen. Das dürfte allerdings nur im absoluten Ausnahmefall notwendig werden – in aller Regel genügt es, eine der vorhandenen Dateien zu nutzen und gegebenenfalls etwas zu modifizieren.

Ein Klick mit der rechten Maustaste verwandelt den Mauspfeil in ein Fadenkreuz. In diesem Steuermodus bewegen Sie mit Hilfe der Maus das Steuer des Flugzeugs. Ein weiterer Rechtsklick bringt Sie in den Ansichtsmodus, wobei aus dem Fadenkreuz ein Pfeil wird, der nach rechts und links weist. Nun schauen Sie sich mit Hilfe der Maus bequem im Cockpit um. Ein dritter Rechtsklick führt Sie in den Menümodus zurück, von dem aus Sie das Menü bedienen. Während des Flugs wechseln Sie beliebig zwischen den drei Modi hin und her.

Prüfen Sie jetzt, ob der Motor des Flugzeugs läuft. Bei der Cessna sehen Sie bereits mit bloßem Auge, ob der Propeller rotiert und ob der Zeiger des Drehzahlmessers (Abbildung 4) aktiv ist.

Abbildung 4

Abbildung 4: Das Cockpit der Cessna 172, des Flightgear-Standardflugzeugs. Die Instrumente informieren Sie über Höhe, Geschwindigkeit und Lage des Flugzeugs.

Um die Motoren zu starten, aktivieren Sie durch dreimaliges Drücken von [AltGr]+[0] den Magnetschalter (Abbildung 4) – eine Art Zündung –, dann bedienen Sie so lange die [Leertaste], bis der Motor läuft. Via [AltGr]+[7] schalten Sie die Motoren übrigens wieder ab. Eventuell müssen Sie nun noch mit [Umschalt]+[B] die Parkbremse lösen – dann kann es losgehen. Wechseln Sie mit der Maus in den Steuermodus und beschleunigen Sie allmählich mit [Bild-auf]. Nun beginnt das Flugzeug zu rollen. Sie merken bald, dass es sich leicht nach links bewegt: Schuld ist der so genannte Torque-Effekt, der durch die vom Propeller in eine Richtung gewirbelte Luft entsteht. Mit [0] und [Enter] auf dem Nummernfeld korrigieren Sie Ihre Rollbahn. Zeigt der Fahrtmesser (Abbildung 4) etwa 55 Knoten an, geht die Nase der Cessna leicht nach oben, bei etwa 65 Knoten hebt das Flugzeug ab. Beobachten Sie den Höhenmesser (Abbildung 4) und steigen Sie auf eine Höhe von 600 Fuß. Diese Höhe ist erreicht, wenn der große Zeiger auf der 6 steht. Alternativ zeigt Ihnen ein Head-Up-Display, das Sie mit [H] aktivieren, auf der linken Seite die Geschwindigkeit der Maschine und auf der rechten Seite ihre Flughöhe an.

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Infos zur Publikation

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LinuxUser 05/2014

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