Firefox basiert auf der HTML-Rendering-Engine von Mozilla und spielt einige Zeit in der Liga der gängigen Web-Browser mit. Der Sprung von Version 1.0.6 nach 1.5 macht Hoffnung auf Neuerungen. Der vorliegende Artikel soll klären, ob die jüngste Version des beliebten Browsers diesen Erwartungen gerecht wird. Da Firefox schon von Anfang an eine Menge Features beinhaltet, bietet es sich an, einige nützliche und weniger bekannte Funktionen vorzustellen.
Von Anfang an sprachen Features wie Tabbed Browsing (Anzeige mehrerer Webseiten in einem Browserfenster), die Veränderbarkeit des Aussehens über Themes oder die Erweiterbarkeit über eine Vielzahl von Extensions (Abbildung 1) auch User an, die sich mit Mozilla, der Open-Source-Variante von Netscape, nicht so recht anfreunden konnten. Firefox ist deutlich schlanker, da er keinen E-Mail-Client beinhaltet. Dafür integriert er einige zusätzliche Features, die sich beim Surfen im Internet als nützlich erweisen.
Bei Redaktionssschluss lag das Release Beta1 vor. Dies bedeutete unter anderem, dass nur eine englische Version existierte. Stabilitätsprobleme traten beim Test allerdings erfreulicherweise nicht zu Tage. Die Beta-Version ist auf Firefox-Projektseite [1] direkt als Binary zu finden, das sofort nach dem Entpacken über /firefox/firefox gestartet werden kann. Stable-releases beinhalten einen grafischen Installer, der Probleme machen kann, wenn er aufgrund der Zugriffsrechte als Root ausgeführt werden soll: Statt Su unter der Konsole zu verwenden empfiehlt sich der Einsatz von Kdesu (KDE) oder Gksu (Gnome).
Die Frischzellenkur
Wer im Internet surft, liest meist nicht einfach Seiten in einer vorgegebenen Reihenfolge. Vielmehr ermöglichen Hyperlinks bei der Navigation eine individuelle Reihenfolge. Um den Überblick zu bewahren, ist eine History-Funktion also unerlässlich. Hier setzt die sicherlich wichtigste Neuerung an, die Firefox in der Version 1.5 bietet: Durch eine Neuimplementierung des Caches werden bereits besuchte Seiten nun ohne die geringste Verzögerung angezeigt, was ein deutlich beschleunigtes Surfen ermöglicht.
Die beschleunigte Anzeige kommt dadurch zustande, dass nun die anzeigefertige Version einer aufgerufenen Seite im Arbeitsspeicher gehalten wird. Selbst bei kontinuierlichem Hin- und Herblätter stellt sich keine allzu große Prozessorlast ein, so dass auch Benutzer älterer Rechner in den Genuß der zügigen Anzeige kommen, wenn der Arbeitsspeicher nicht zu klein ausgelegt ist: Firefox passt die Größe des Caches dynamisch an den verfügbaren Speicher an. Auch Java-Scripte werden nicht erneut ausgeführt, so dass eventuelle Intro-Effekte nicht mehr ablaufen. Im Gegensatz zum erhöhten Speicherverbrauch muss dies aber kein Nachteil sein, zumal [F5] leicht Abhilfe schafft.
Der Komfort zählt
Die Entwickler haben jedoch nicht nur an der Performance gearbeitet. Sie haben auch die Bedienung des Browsers in einigen Punkten verbessert. So können nun alle Daten, die Sicherheit und Privatsphäre betreffen, in einem Arbeitsschritt gelöscht werden: Ein Klick auf ToolsClear private Data oder [Str]+[Shift]+[Entf] öffnet einen Dialog, in dem Sie wählen können, ob Sie die History, gespeicherte Auto-Form-Information, gespeicherte Passwörter, die Download-History, den Cache oder die HTTP-Passwörter löschen möchten. Bisher ließen sich nur alle Daten auf einmal oder jede Kategorie für sich löschen. Da viele Anwender diesen Arbeitsschritt nach jeder Browser-Session ausführen möchten, spart die neue Funktion viel Aufwand ein.
Auch das Tabbed Browsing wurde einem Facelift unterzogen: So können Tabs nun, um die Übersicht zu bewahren, per Drag & Drop verschoben werden (Abbildung 2). Bisher war dies nur über eine Programm-Erweiterung möglich. Möchten Sie eine Seite in einem neuen Tab anzeigen, so klicken Sie einfach mit der mittleren Maustaste auf den Link oder drücken Sie nach der Eingabe in die Adresszeile [Alt]+[Eingabetaste]. Noch eine kleine Hilfestellung in Punkto Überblick haben die Entwickler spendiert: Wenn Sie eine Grafik aus einer Webseite alleine betrachten (view image nach Rechtsklick auf die Grafik), zeigt der Tab-Reiter nun ein kleines Vorschau-Icon an.
Die meisten Browser können keine Login-Daten an FTP-Server übermitteln. Diese Einschränkung galt bisher auch für Firefox. Für Server, die ein Login erfordern, war ein gesonderter FTP-Client erforderlich. Nun können Dateien direkt mit dem Browser heruntergeladen werden, auch wenn eine Authentifikation nötig ist.
Eine kleine Verbesserung am Rande: Wenn Firefox eine Internetseite nicht laden konnte, zeigte er bisher ein von vielen als störend empfundenes Popup, das mit OK bestätigt werden musste. Nun reagiert er auf diesen Fehler mit einer Anzeige im Browser-Fenster, die über eine Schaltfläche auch einen weiteren Verbindungsversuch ermöglicht.



