Einfach archiviert

Daten sichern mit der Videokamera

01.11.2005
Klar sind Backups wichtig. Nur was tun, wenn man keinen Profi-Highend-Streamer zur Hand hat? Ein cleveres Programm speichert Computerdaten auf Videobändern.

Zu oft versagen Festplatten den Dienst und lassen ganze Dateisysteme verschwinden. Liegt Ihnen an den eigenen Daten, sollten sie deshalb häufig Sicherheitskopien anlegen. Für den Hausgebrauch extra einen teuren Streamer anzuschaffen, kommt meist nicht in Frage.

Wer einen DV-Camcorder mit digitalem Eingang besitzt, verfügt aber schon über das passende Gerät: Das einfache Kommandozeilen-Tool DVbackup speichert Computer-Daten auf Videobändern [1].

DV-Speichertrick

Der findige Programmierer Peter Schlaile hat einen Weg gefunden, auf DV-Bändern nach Belieben eigene Daten zu schreiben. Seine Software DVbackup speichert auf handelsüblichen Bändern mehr als 10 GByte. Zudem ist die Lösung "portabel": Im Gegensatz zu den meisten DAT-Bändern lassen sich DV-Kassetten in allen Camcordern gleichermaßen abspielen.

Die Installation gestaltet sich recht einfach. Nach dem Entpacken einfach make tippen, schon liegen nach kurzer Zeit zwei ausführbare Programme im selben Verzeichnis: dvbackup und dvconnect. Verzichten Sie allerdings lieber darauf, als Root mit make install die Programme zu installieren. Das Tool dvconnect ist nämlich schon etwas älter und funktioniert nicht mehr. Kopieren Sie also nur dvbackup in ein Verzeichnis, das sich im PATH befindet, zum Beispiel /usr/local/bin.

Glücklicherweise gehört dvconnect eigentlich ohnehin zum LibDV-Paket [2], sodass Sie dort eine funktionierende Version des Tools finden. Am besten installieren Sie das passende Paket für ihre Distribution, zum Beispiel Libdv-tools bei Fedora, Libdv-bin bei Debian und bei Suse einfach Libdv.

Firewire einrichten

Schwieriger könnte sich die Einrichtung der darunter liegenden Infrastruktur gestalten. DVbackup nutzt, wie auch andere Programme für digitales Video, den Firewire-Anschluss des Computers. Die passenden Treiber dafür bringt Linux im allgemeinen mit. Mit dmesg | grep ieee1394 überprüfen Sie, ob beim Booten entsprechende Hardware gefunden wurde. DV-Software greift über die Gerätedatei /dev/video1394 auf die Schnittstelle zu. Je nach Distribution kann sie auch anders heißen, zum Beispiel /dev/video1394/0.

Fehlt die Gerätedatei, legen Sie sie mit mknod /dev/video1394 c 171 16 an. Haben Sie den Camcorder eingesteckt und angeschaltet, sollten Sie dem Gerät mit dvconnect -s Videodaten schicken können. Klappt das nicht, fehlt vielleicht noch das nötige Kernelmodul, das Sie als Root von Hand mit modprobe video1394 nachladen.

Haben Sie die DV-Infrastruktur soft- und hardware-seitig eingerichtet, kommt schließlich das Backup-Programm selbst an die Reihe. Zum Testen ist es einfacher, eine einzelne Datei zu sichern als einen Verzeichnisbaum. Erzeugen Sie also zuerst zum Beispiel mit tar cf backup.tar Verzeichnisse eine Tar-Datei. Der Befehl dvbackup < backup.tar > backup.dv packt diese Nutzdaten in eine DV-Videodatei. Der Befehl file schafft Gewissheit über das Endprodukt:

file backup.dv
backup.dv: DIF (DV) movie file (PAL)

Im Test hat sich bewährt, vor den Nutzdaten etwas Platz zu lassen, denn andernfalls funktionierte das Wiederherstellen nicht. Dafür bietet Dvbackup den Schalter --prefix, der einen Vorspann in die Videodatei einbaut, zum Beispiel mit dem Wert 150.

Mit Dvconnect schreiben Sie die Videodatei aufs Band. Dazu starten Sie zuerst am Gerät die Aufnahme und geben dann dvconnect -s backup.dv ein. Der Schalter -s gibt dabei an, dass Sie Daten zum Camcorder schicken. Gibt das Programm eine Fehlermeldung wie open video1394 device: Not a directory aus, geben Sie die Gerätedatei hinter dem Schalter -d an, zum Beispiel dvconnect -s -d /dev/video1394 backup.dv.

Die Software schreibt als sichtbares Zeichen seiner Arbeit ein Tux-Bild auf das Videoband, die gesicherten Daten sind nicht zu sehen (Abbildung 1). Ein kleiner LCD-Bildschirm, wie ihn viele DV-Cams besitzen, erlaubt so recht einfach die Kontrolle des Schreibvorgangs. Im Test dauerte es eine gute Viertelstunde, 2 GByte auf dem Band zu speichern.

Abbildung 1: Die digitale Videokamera beim Daten-Backup. Sichtbar ist nur das Tux-Bild, die gesichtern Daten sind in ungenutzen Feldern des DV-Formats versteckt.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • USB 2.0 und Firewire nachrüsten
    Die Tage gemütlicher Datentransfers zu Peripheriegeräten sind gezählt: Mit USB 2.0 und Firewire haben sich zwei Hochgeschwindigkeitsdatenbusse für große Kabellängen durchgesetzt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihren Linux-Rechner nachrüsten.
  • Digitaler Videoschnitt unter Linux
    Ein heißer Draht verbindet den Linux-Rechner mit der Peripherie: FireWire heißt die Schnittstelle, die seit Kernel 2.4 zur Verfügung steht.
  • Letzte Rettung
    Aus CDs und Schallplatten macht man MP3-Dateien, um diese auf dem Computer oder einem tragbaren Player abzuspielen. Aber wie rettet man die alten VHS-Kassetten ins digitale Zeitalter? Dieser Artikel zeigt es Ihnen.
  • DV-Material mit Kino bearbeiten und umwandeln
    Digital Video punktet durch gute Qualität zum bezahlbaren Preis. Mit dem GTK-Programm Kino haben Sie das Spezialformat sicher im Griff.
  • Ungebunden
    Drahtlose Netzwerke haben bei Privatanwendern längst den kabelbasierten Pendants den Rang abgelaufen. Auch in kleinen Firmen haben sie sich etabliert. Nun setzt die Industrie zum nächsten großen Sprung an: dem kabellosen Computer.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 11/2014: VIDEOS BEARBEITEN

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Artikelsuche
Erwin Ruitenberg, 09.10.2014 07:51, 1 Antworten
Ich habe seit einige Jahre ein Dugisub LinuxUser. Dann weiß ich das irgendwann ein bestimmtes Art...
Windows 8 startet nur mit externer Festplatte
Anne La, 10.09.2014 17:25, 6 Antworten
Hallo Leute, also, ich bin auf folgendes Problem gestoßen: Ich habe Ubuntu 14.04 auf meiner...
Videoüberwachung mit Zoneminder
Heinz Becker, 10.08.2014 17:57, 0 Antworten
Hallo, ich habe den ZONEMINDER erfolgreich installiert. Das Bild erscheint jedoch nicht,...
internes Wlan und USB-Wlan-Srick
Gerhard Blobner, 04.08.2014 15:20, 2 Antworten
Hallo Linux-Forum: ich bin ein neuer Linux-User (ca. 25 Jahre Windows) und bin von WIN 8 auf Mint...
Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 1 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...