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Cut and Pack

Filtern

Avidemux bietet eine Reihe von Filtern, die Videoaufnahmen entscheidend verbessern können. Von besonderer Bedeutung sind Deinterlacing-Filter. Sehen Sie sich dazu Abbildung 3 an: Alle bewegten Objekte in dem abgebildeten Videoframe weise starke Kammartefakte (Verzerrungen in Form eines Kamms) auf. Dies rührt daher, dass beim in Deutschland üblichen PAL-Fernsehformat pro Frame jeweils nur ein Halbbild übertragen wird. Bei aufeinanderfolgenden Frames liegen abwechselnd nur die geradzahligen oder ungeradzahligen Bildzeilen vor. Dieses Verfahren wird Zeilensprung oder Interlacing genannt. Solange das Anzeigegerät diesen Zeilenwechsel mit der originalen Bildwechselfrequenz von 25 Hertz genau nachvollzieht, ist dies kein Problem. Das Auge nimmt weit weniger Flimmern wahr, als wenn nur 12,5 Bilder pro Sekunde übertragen würden. Die zu übertragende Datenmenge erhöht sich jedoch nicht. Im Grunde handelt es sich um das älteste Videokompressionsverfahren.

Computermonitore verwenden jedoch seit langem kein Interlacing mehr, die Bildwiederholfrequenzen sind außerdem wesentlichtlich höher. Deshalb verschieben sich die beiden Halbbilder bei der Wiedergabe gegeneinander. Bei Fernsehaufnahmen mit viel Bewegung wirkt dies äußerst störend. Der Zeilensprung muss für Videowiedergabe in befriedigender Qualität also rückgängig gemacht werden, indem die fehlende Halbbildinformation ergänzt wird. Möglicherweise kann Ihre Capturing-Software dies bereits bei der Aufnahme erledigen. Gute Software-Videoplayer wie MPlayer oder Xine können die Kamm-Artefakte außerdem während der Wiedergabe beseitigen.

Bei Sportaufnahmen sind die Algorithmen dieser Programme, die das Deinterlacing in Realtime erledigen müssen, jedoch häufig überfordert (vergleiche Abbildung 3 links oben). Avidemux beinhaltet zwei State-of-the-Art-Deinterlacer, die auch hier noch gute Arbeit leisten (Abbildung 3 links unten). Um einen Deinterlace-Filter in Avidemux zu benutzen, klicken Sie auf Filter im Video-Bereich. Im Dialog Video-Filters klicken Sie auf Add und wählen entweder D. Graft Kernel deint oder DGbob. Die anderen Eintrage unter Interlacing sollten Sie nur wählen, wenn Ihnen Rechenzeit wichtiger als Bildqualität ist. Um die Interlacing- oder ander Filter benutzen zu können, muss natürlich der Process-Button aktiv sein. Beim bloßen Kopieren des Videostreams kann Avidmux diesen nicht filtern.

Neben den Deinterlacern finden Sie noch viele weitere Filter. Hier sollen nur die wichtigsten vorgestellt werden: Der Crop-Filter dient dazu, den Bildrand zu beschneiden. Dies kann bei Capturkarten, die am unteren Bildrand eine farbigen Streifen aufnehmen, nützlich sein. Stabilize entfernt leichtes Rauschen beim Fernsehempfang, Denoise mildert stärkere Empfangsstörungen. Sie können beliebig viele Filter hintereinander anwenden. So kann es sinnvoll sein, die Unschäfe des Denoise-Filters durch Hinzufügen des Sharpen-Filters wieder Auszugleichen.

Abbildung 3: Deinterlacing während des Abspielens, wie es MPlayer oder Xine bieten, ist bei derartig starken Kammartefakten überfordert (rechts oben). Die Deinterlacing-Filter von Avidmux beseitigen die störenden Streifen weit wirkungsvoller (rechts unten).

Infos

[1] Quelltext, RPMS, Documentation, Benutzerforum, leider nicht deutsch: http://fixounet.free.fr/avidemux

[2] SUSE-RPMs: http://packman.links2linux.de

[3] Liste mit Video-Tools für Linux: http://www.videohelp.com/tools?s=23#23

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LinuxUser 06/2012

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