Multi Kuli

Xnview

01.10.2005
Die Vielfalt an spezialisierten Programmen verwirrt den Anwender oft mehr, als ihm zu helfen. Xnview vereint die wichtigsten Funktionen zum Anzeigen und Bearbeiten von Bildern.

Besitzer einer Digitalkamera kennen Sie das Problem: Die Flut an Bildern wächst permanent, doch fehlt das richtige Tool, um diese einfach zu verwalten und zu bearbeiten. Zwar gibt es für beinahe jeden Zweck diverse Spezialprogramme, diese schiessen jedoch nicht selten erheblich über das das Ziel dessen hinaus, was der Anwender wirklich braucht. Der Feature-Overkill behindert in diesem Fall oft mehr als zu helfen.

Xnview [1] ist hier das Mittel der Wahl. Das zur privaten Nutzung kostenfreie Programm liest über 400 verschiedene Bildformate und schreibt etwa 40.

Die Preise für die kommerzielle Nutzung sind wie folgt gestaffelt:

  • 1 Lizenz 26,00 EUR
  • 2-9 Lizenzen 23,00 EUR
  • 10-19 Lizenzen 20,00 EUR
  • 20-49 Lizenzen 17,00 EUR
  • 50-99 Lizenzen 9,50 EUR
  • 100-499 Lizenzen 6,00 EUR
  • 500-999 Lizenzen 3,80 EUR
  • Mehr als 1000 Lizenzen 3,50 EUR

Neben einem Image-Browser verfügt es über einen Viewer, der nicht nur zur Anzeige eine Menge Möglichkeiten bietet sondern auch zum nachträglichen Bearbeiten von Bildern. So gehört ein Batch Converter ebenso zur Ausstattung wie eine Slide Show Funktion und ein Thumbnail-Generator, der Ihre schönsten Bilder direkt in eine Webseite einbindet. Das Lesen und Schreiben von Metainformationen im IPCT-Format unterstützt das Programm ebenso wie das Lesen der EXIF-Daten, die technische Informationen zum Bild enthalten.

Im Artikel erfahren Sie, wie Sie das Programm verwenden und welche Funktionen es neben den beschriebenen ausserdem zur Verfügung stellt.

Grafik-Browser

Beim Start von Xnview öffnet sich der Image-Browser (Abbildung 1), welcher sich in drei Bereiche gliedert: In der linken Fensterhälfte der Verzeichnisbaum, in der rechten oberen die Thumbnail-Vorschau und darunter die Bildvorschau. Klicken Sie auf ein Thumbnail, wird das gewählte Bild darin angezeigt. Änderungen an der Aufteilung des Browserfensters oder der Thumbnail-Größe nehmen Sie über den Menüpunkt View | Layout vor.

Eine sinnvolle Navigationshilfe ist die Datei-History, welche Sie über den Menüpunkt File erreichen. Den Verzeichnisverlauf rufen Sie über einen Klick auf das Icon rechts neben der Adressleiste auf. Darüber erreichen Sie auch die Bookmark-Funktion des Programmes die es Ihnen erlaubt, den Pfad zu häufig verwendeten Verzeichnisse abzuspeichern.

Abbildung 1: In der unteren Hälfte zeigt der Image Browser angewählte Thumbnails in der Vorschau.

Gesammelte Werke

Möchten Sie aus mehreren Bildern eine Zusammenstellung generieren, bietet Ihnen das Programm dafür zwei Möglichkeiten. Über einen Klick auf den Button HTML in der Werkzeugleiste erstellen Sie eine Webseite, in der die gewählten Bilder als Thumbnails angezeigt werden. Im Dialogfenster stellen Sie Parameter wie Thumbnail-Größe, Anzahl der Spalten- und Zeilen sowie deren Abstände ein. Damit die Übersicht nicht verloren geht, erstellt Xnview zwei Unterordner, in denen sich die Originalbilder und die Thumbnails befinden. Die erzeugte Übersicht können Sie direkt ins Web hochladen.

Nach einem ähnlich Prinzip arbeitet die zweite Methode, das Contact Sheet. Dieses erstellt jedoch keine Webseite sondern ein neues Bild, welches die gewählten Grafiken als Thumbnails zusammengefasst anzeigt. Ein Klick auf das Icon rechts neben HTML öffnet das Dialogfenster, in dem Sie festlegen, wie die Bilder anzuzeigen sind und welche Informationen wie Bildgröße- oder Name die Zusammenstellung darüber hinaus enthalten soll.

Was bin ich?

Enthalten Bilder so genannte Metainformationen im EXIF -oder IPTC-Format, weist ein kleiner Hinweiskasten im rechten unteren Bildrand des Thumbnails darauf hin.

EXIF [2] gibt Aufschluss darüber, mit welchen Einstellungen das Foto erstellt wurde. Sie finden darin zum Beispiel Informationen über die Blendenwerte, Belichtungszeiten oder die Auflösung mit denen das Foto erstellt wurde.

IPTC [3] enthält Einträge wie Kategorie, Ersteller, Herkunft oder Copyright-Hinweise. Diese dienen in erster Line zum Verwalten von großen Bildarchiven. Programme wie Imgseek, das auf Seite 42 dieses Heftes ausführlich besprochen wird, sind in der Lage, Bilddaten anhand dieser Informationen zu kategorisieren.

Um diese Informationen auszulesen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die gewünschte Miniaturansicht und wählen aus dem Kontextmenü den Punkt Properties.... Im neuen Fenster klicken auf den Reiter am oberen Bildrand, der die Information enthält, die Sie sehen möchten. Über den Punkt Edit IPTC... aus dem Kontextmenü gelangen Sie zum Editiermodus für IPTC-Informationen.

Auf einen Rutsch

In der Regel haben Bilder frisch aus der Digitalkamera so vielsagende Titel wie IMG_0815.JPG oder ähnlich. Um diesen aussagekräftigere Namen zu geben, stellt Xnview das Werkzeug Batch rename (Abbildung 2) zur Verfügung. Markieren Sie alle Bilder, die Sie umbenennen möchten und wählen aus dem Kontextmenü (rechte Maustaste) den Punkt Batch rename.... Im linken Teil des Dialogfensters stellen Sie den Präfix ein mit dem die Bilder versehen werden. Verwenden Sie als Beispiel den Dateinamen Urlaub#, Start:0, Step:1, benennt das Programm alle Dateien nach dem Muster Urlaub0.jpg, Urlaub1.jpg... um. Möchten Sie bei der Gelegenheit die Groß-und Kleinschreibung vereinheitlichen, stellen Sie im Feld Filename case das gewünschte Format ein.

Abbildung 2: Mit dem Tool Batch rename geben Sie mehreren Bildern auf einmal eindeutige Namen.

Bildschirmfotografie

Auch zum Erstellen von Screenshots bringt Xnview das richtige Werkzeug mit. Ein Klick auf das Kamerasymbol in der Werkzeugleiste des Image-Browsers öffnet das Dialogfenster. Neben den einzelnen Anwendungen, die in einer Liste aufgeführt sind, lässt sich auch vom gesamten Bildschirm eine Aufnahme erstellen, die im Anschluß direkt im Viewer angezeigt wird. Dieses Werkzeug ist jedoch nur bedingt sinnvoll, da das Programm keine Möglichkeit bietet, zuvor den Capture-Dialog auszublenden.

Bildbetrachter

Über einen Doppelklick auf das gewünschte Thumbnail öffnen Sie das Bild im Bildbetrachter (Abbildung 3) des Programmes. Dieser stellt eine komplett neue Instanz dar, und bringt gegenüber dem Browser einige neue Funktionen und Buttons mit.

Alternativ lässt sich diese Ansicht auch direkt starten, indem Sie auf der Kommandozeile ein Bild mit dem Aufruf Xnview Bildtitel öffnen.

Abbildung 3: Einige Symbole des Image Viewer erschliessen sich dem Anwender nicht spontan. Wegen der fehlenden Dokumentation hilft nur Probieren.

Sehen und gesehen werden

Zwischen den Bildern innerhalb eines Verzeichnisses wechseln Sie mit den Pfeil-Buttons in der Werkzeugleiste. Im Menüpunkt View | Auto Image Size stellen Sie ein, in welcher Größe das Bild dargestellt wird. Damit lässt sich sowohl die Bildgröße an das Fenster anpassen, als auch umgekehrt. Diese Option bezieht sich jedoch lediglich auf das aktuell angezeigte Bild. Möchten Sie alle zukünftig angezeigten Bilder beispielsweise an die Fenstergröße anpassen, öffnen Sie über den Menüpunkt Tools | Options das Konfigurationsfenster. Klicken Sie in der linken Spalte auf den Eintrag View und stellen Sie den Wert Auto Image Size: nach Ihren Wünschen ein.

Verwenden Sie eine Maus mit Scroll-Rad, so wählen Sie im Unterpunkt Mouse, ob es zum Blättern zwischen den Bildern oder zum Zoomen verwendet wird.

Möchten Sie die in der Grundeinstellung sehr großen Zoom-Schritte reduzieren, klicken Sie im Options-Dialog auf den Punkt View und aktivieren Sie die Checkbox neben dem Eintrag Change zoom in fixed steps. Im Feld rechts daneben tragen Sie nun ein, in welchen (Prozent)-Schritten die Anzeige zukünftig in der Größe geändert wird. Der Punkt High zoom quality darunter bewirkt, dass Xnview das Bild beim Ändern der Größe neu berechnet. Damit zeigt das Programm speziell die vergrößerte Darstellung deutlich detailierter an. Diese Einstellung ist jedoch nur zu empfehlen, wenn Sie über einen schnellen Rechner verfügen. Ansonsten nimmt die vergrößerte Anzeige von Bildern durchaus einige Minuten in Anspruch.

Die Vollbildanzeige des Programmes starten Sie mit einem Klick auf den Schalter Full Screen in der Werkzeugleiste oder die Tastenkombination [Strg + F]. Über der rechte bzw. linke Maustaste navigieren Sie zum nächsten bzw. vorherigen Bild, über [Esc] verlassen Sie die Vollbildansicht.

Zur automatischen Anzeige mehrerer Bilder hintereinander bringt Xnview eine Slide Show Funktion mit. Um diese zu starten wählen Sie den Menüpunkt View | Slide Show.... Im Dialogfenster wählen Sie, welche Bilder oder Verzeichnisse Sie in Ihre Diaschau aufnehmen wollen.

Ein Feature, über das sich Web-Designer und Grafiker freuen werden ist der Tooltip Display Color Information, welchen Sie über die gleichnamige Bezeichnung im Menüpunkt View aktivieren. Es zeigt die Farbwerte als hexadezimal-und RGB-Werte an der Stelle, an der sich der Mauszeiger befindet. Dieser Tooltip scheint jedoch durch alle darüber liegenden Fenster, weswegen er sich nach kurzer Zeit mehr stört als hilft. Ob es sich dabei um ein vermeintliches Feature oder einen Bug handelt, ist unklar.

Tiefergelegt

Seine wahren Qualitäten zeigt das Programm, wenn es darum geht, Bilder zu bearbeiten. Die dafür notwendigen Werkzeuge fassen die Menüpunkte Image und Filter zusammen. Ähnlich wie bei anderen Bildbearbeitungsprogrammen beinhaltet Filter in erster Line Operationen, um das Bild zu verfremden, während über Aktionen in Image Änderungen bezüglich der Größe, des Kontrastes oder der Farbtiefe vorgenommen werden.

Zur Größenänderung von Bildern wählen Sie den Menüpunkt Image | Resize vor. Möchten Sie die Grafik in eine Standardgröße konvertieren, wählen Sie aus dem Pull-down-Menü Custom eine der Vorgaben. Andernfalls tragen Sie im oberen Drittel des Dialogfensters unter Screen Size entweder die gewünschte Höhe oder Breite des Bildes ein. Um Verzerrungen zu vermeiden, aktivieren Sie die Checkbox Keep ratio, wodurch sich der zweite Wert automatisch proportional zum ersten angleicht.

Fortgeschrittenen Anwendern stellt das Programm eine breite Palette von acht verschiedenen Resize-Algorithmen von Nearest Neighbor bis Lanczos zur Verfügung, die nicht einmal Programme wie Gimp oder Photoshop bieten.

Zum Anpassen der Helligkeit und Farbtemperatur wählen Sie aus dem Menü Image den Punkt Adjust | Brightness/Contrast/Color Balance (Abbildung 4). Über Schieberegler stellen Sie nun den gewünschten Wert ein. Ist die Einstellung Auto view am unteren Rand des Fensters aktiviert, sehen Sie direkt, wie sich Veränderungen auf das Bild auswirken.

Zum Drehen und Spiegeln von Bildern im JPEG-Format verwenden Sie das Werkzeug JPEG Lossless Transformations. Gewählte Änderungen wendet das Programm zwar sofort auf das Bild an, dafür aber verlustfrei, womit Sie die Aktionen beliebig wiederholen können, ohne die Qualität des Bildes zu verschlechtern.

Abbildung 4: Dank der Vorschaufunktion sieht der Anwender direkt im Bild das Ergebnis seiner Bemühungen.

Mit Ausnahme von globalen Veränderungen wie der Farbkonvertierung oder dem Ändern der Größe lassen sich praktisch alle verfügbaren Bearbeitungselemente auch auf eine Auswahl im Bild anwenden. Diese legen Sie fest, indem Sie an beliebiger Stelle im Bild mit der linken Maustaste ein Rechteck aufziehen. Die Quadrate an den Kanten des Auswahlrahmens sind so genannten "Anfasser", die es erlauben, das Auswahlrechteck nach Belieben in der Größe zu verändern. Ein Klick auf die Schere in der Werkzeugleiste stellt die Auswahl alleine dar.

Auch zur Korrektur roter Augen, die bei Blitzaufnahmen ohne Vorblitz entstehen, bringt Xnview das richtige Werkzeug mit. Da diese Funktion jedoch alle Rottöne einer bestimmten Bandbreite in dunklere umwandelt, ist es notwendig, über die Auswahlfunktion den Bereich, auf den der Effekt angewendet wird, möglichst genau zu definieren. Idealerweise nehmen Sie diese Korrektur an jedem Auge einzeln vor indem Sie den gewünschten Bereich markieren und im Anschluss über den Menüpunkt Image | Edit red eye correction die Änderung vornehmen. Sollte das Ergebnis nicht zu Ihrer Zufriedenheit ausfallen, genügt ein Klick auf den Undo-Button in der Werkzeugleiste, um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.

Stapellauf

Haben Sie viele Bilder, die auf die gleiche Weise zu bearbeiten sind, bietet sich die Stapelverarbeitung von Xnview an. Sämtliche Funktionen und Filter, die Xnview zur Verfügung stellt, wenden Sie damit auf eine beliebige Anzahl von Grafiken an.

An einem Beispiel zeigen wir, wie Sie in einer Auswahl von Bildern zugleich die Größe, das Dateiformat und die Helligkeit ändern:

  • Wählen Sie aus dem Menü den Punkt Tools | Multi convert... (Abbildung 5).
  • Wählen Sie über den Button Add... die Bilder aus, die Sie bearbeiten möchten.
  • Sollen die bearbeiten Bilder in einem neuen Verzeichnis abgelegt werden, wählen Sie dieses über das Feld Directory. Ist kein Verzeichnis gewählt, schreibt Xnview die neuen Dateien in das Ursprungsverzeichnis. Wurde im Punkt Overwrite die Option Replace gewählt, überschreibt der Vorgang vorhandene gleichnamige Dateien.
  • Unter dem Punkt Directorywählen Sie aus dem Drop-down-Menü das gewünschte Bildformat aus. Einstellungen wie die Kompressions-Stufe erreichen Sie über den Button Options... rechts daneben.
  • Öffnen Sie nun das Unterfenster zur Auswahl der Filter über einen Klick auf den Button Advanced Operations...
  • Aus der Liste in der linken Hälfte des Fensters wählen Sie die Einträge resize und Brightness. Durch Drücken von [Strg] wählen Sie mehrere Einträge gleichzeitig. Übernehmen Sie die Auswahl mit einem Klick auf den Button mit dem nach rechts gerichteten Pfeil.
  • Zum genauen Einstellen der gewählten Operationen klicken Sie im rechten Fenster darauf. Im unteren Teil öffnet sich damit ein Dialog, welcher abhängig von der Operation die möglichen Einstellungen anzeigt.
  • Um die Konvertierung zu starten, klicken Sie abschliessend auf den Schalter Go.
Abbildung 5: Möchten Sie viele Bilder nach dem gleichen Schema bearbeiten, bietet sich der Batch-Converter von Xnview an.

Über einen Klick auf das Icon Save Script... speichern Sie die gewählten Einstellungen. Beachten Sie, dass lediglich die gewählten Operationen – nicht jedoch die Formate und Verzeichnisse in diesem Script gespeichert werden.

Fazit

Zum einen bietet das Programm eine Menge an mehr oder weniger sinnvollen Features, die es in Kombination mit der beinahe unglaublichen Anzahl von 400 unterstützten Bildformaten zum Universal-Tool machen. Auf der anderen Seite ist das Programm extrem mager dokumentiert. Weder die Webseite des Programmierers noch eine lokale Hilfe gibt Aufschluss über die Funktionen des Programmes. Dem interessierten Anwender bleibt nichts anderes übrig, als selbst zu forschen. Wenig hilfreich ist dabei Die teils umständliche Benutzerführung erweist sich dabei als Hindernis.

Einige kleine Bugs, beispielsweise das Durchscheinen des Tooltips Display Information durch alle darüber liegenden Fenster stört zwar, lässt sich aber mit wenigen Mausklicks abschalten.

Mehr ins Gewicht fällt, dass die Undo-Funktion nur die letzte Aktion betrifft.

Eine Drag-and-drop Funktion, die es erlaubt, Bilder von einem Verzeichnis in das geöffnete Programm zu ziehen, fehlt leider.

Infos

[1] Xnview-Homepage: http://www.Xnview.com

[2] IPTC Spezifikation: http://www.iptc.org/IIM/

[3] EXIF Spezifikation: http://www.exif.org/specifications.html

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