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Programmablage

Trayer

01.10.2005 Viele Anwendungen nisten sich mit einem Icon im Systembereich der KDE- oder Gnome-Leiste ein. Wenn Sie auch als Nutzer eines anderen Window Managers nicht darauf verzichten wollen, greifen Sie zu Trayer, mit dem sich die Applets überall heimisch fühlen.

Nur die wenigsten Fenstermanager, wie beispielsweise Fluxbox [1], bringen von Haus aus eine Schnittstelle für KDE- und Gnome-Applets mit. Diese Miniprogramme nisten sich im Systembereich der Desktop-Leiste ein und bieten allerlei praktische Funktionen. So wacht der KDE-Alarmdämon darüber, dass Sie keinen Termin verpassen, das KMail-Applet beobachtet den Füllstand der Mailbox und sogar Programme, die nicht Bestandteil der großen Desktops sind bringen oft ein eigenes Applet für den Schnellzugriff mit. Wollen Sie auf diese Goodies auch unter einem alternativen Fenstermanager nicht verzichten, hilft Ihnen Trayer weiter. Dabei handelt es sich um eine Leiste, die Sie beliebig auf dem Desktop platzieren können und die nur darauf wartet, Tray-Applets aufzunehmen. Das Programm basiert auf dem von Anatoly Asviyan entwickelten fbpanel [2]. Maciej Delmanowski hat die Tray-Komponente aus dieser Startleiste herausgelöst und daraus eine eigenständige Applikation für KDE- und Gnome-Applets gemacht.

Installation

Wer Trayer ausprobieren will und nicht mit Debian arbeitet, kommt um das Kompilieren des Quellcodes nicht herum. Diesen finden Sie ebenso wie ein vorkompilierten Debian-Paket unter [3]. Sofern die Pakete gtk2, gdk-pixbuff und die zugehörigen Entwicklerpakete installiert sind, erledigen Sie das Übersetzen und die Installation mit make && su -c "make install". Der Aufruf von make install kopiert die Binärdatei jedoch nicht standardkonform in das Verzeichnis /usr/bin. Möchten Sie diese lieber nach /usr/local/bin installieren, verzichten Sie auf den Installationsbefehl und kopieren die Datei trayer von Hand in den Ordner für selbstkompilierte Programme.

Unter Suse Linux 9.3 gelingt das Übersetzen des Quellcodes nicht ohne Weiteres, da die Header-Dateien aus den Entwicklerpaketen dieser Distribution nicht mehr alle notwendigen Definitionen enthalten [4]. Abhilfe schaffen Sie mit dem Aktualisieren der GTK2-Bibliothek. Suse Linux stellt sie in einem GNOME-Ergänzungspaket in Version 2.7.5 zur Verfügung. Nach dem Updaten, das wir im Kasten Suse-9.3-Addons beschreiben, lässt sich auch Trayer übersetzen. Danach ist jedoch anzuraten, die GTK2-Bibliotheken wieder durch die Originalversionen zu ersetzen: Auf unseren Testsystemen traten mit der neuen Version massive Probleme mit GTK-basierten Applikationen wie Thunderbird, Firefox und Gimp auf.

Sobald Sie Ihre Neuerwerbung mit dem Befehl trayer starten, nisten sich die Systemabschnitt-Applets für KDE und Gnome automatisch dort ein. So zum Beispiel, das Skype-Applet, wie in Abbildung 1 zu sehen.

Abbildung 1: Wenn Trayer läuft, finden Sie dort die Applets von Gnome- und KDE-Anwendungen.

Suse-9.3-Addons

Suse bietet Programmpakete an, die die Distribution mit aktualisierten Versionen einiger Anwendungen versorgen. Um diese einzuspielen, fügen Sie in YaST eine neue Installationsquelle hinzu. Die aktualisierten GTK2-Pakete finden Sie unter anderem auf dem Server http://ftp-stud.fht-esslingen.de. Als Verzeichnis geben Sie /pub/Mirrors/ftp.suse.com/pub/suse/i386/supplementary/GNOME/update_for_9.3/yast-source/ an. Nach dem Hinzufügen dieser Installationsquelle finden Sie die neuen Pakete im Software-Modul von YaST. Markieren Sie dort das neue gtk2-devel-Paket zur Installation. YaST löst daraufhin alle Abhängigkeiten automatisch auf. Um problemlos zur alten GTK2-Version zurückzukehren, reicht es aus, die hinzugefügte Quelle zu deaktivieren. Danach greift YaST nur noch auf die Originalpakete zu.

Positionieren, Skalieren, Variieren

Einer der Hauptvorteile von Trayer ist, dass Sie ihn beliebig auf dem Desktop positionieren können. Das ist praktisch, da das Programm so niemals ein Element des verwendeten Window Managers verdeckt. Kommt Ihr Fensterherrscher mit einer Leiste am unteren Bildschirmrand daher, platzieren Sie Trayer oben oder an der Seite. Arbeiten Sie mit WindowMaker, dessen Ecken das Dock und das Clip zieren, eignet sich der Platz zwischen diesen Elementen für Trayer. Mit Hilfe von Aufrufparametern teilen Sie dem Programm mit, an welcher Stelle des Desktops es sein Lager aufschlagen soll und wie es sich optisch präsentiert.

So zeigt Abbildung 2 einen mit dem Kommando trayer --transparent true --edge top --distance 5 --widthtype pixel --width 100 gestarteten Trayer unter WindowMaker. Mit den Parametern --distance 5 und --edge top platzieren Sie das Programm fünf Pixel vom oberen Bildschirmrand entfernt. --transparent true bewirkt, dass Trayer den Desktop-Hintergrund durchscheinen lässt und die beiden letzten Parameter, --widthtype pixel --width 100, erzeugen eine Programmablage mit der Breite von 100 Pixeln. Mit den Werten left, right und bottom für den Parameter --edge richten Sie Trayer am linken, rechten oder unteren Bildschirmrand aus.

Abbildung 2: Mit Hilfe von Aufrusparametern legen Sie die Bildschirmposition von Trayer fest und schalten den Transparenzmodus der Leiste ein.

Möchten Sie die Ablage für Tray-Applets in der der unteren, linken Ecke des Bildschirms ansiedeln, erreichen Sie das mit der Kombination --edge bottom --align left Abbildung 3. Soll die Leiste nach rechts wandern, hilft --align=right weiter. Geben Sie keine Ausrichtung an, positioniert sich Trayer zentriert, was die Aufrufvariante --align=center eigentlich überflüssig macht.

Abbildung 3: Trayer spielt auch mit Blackbox zusammen: Hier in der unteren linken Ecke des Bildschirms.

Anstatt die Breite von Trayer in Pixeln anzugeben, können Sie diese auch prozentual abhängig von der Bildschirmbreite setzen: Dafür kennt die Anwendung den Aufrufparameter --widthtype percent. Kombiert mit --width 50 nimmt Trayer dann die Hälfte der Bildschirmbreite ein. Wesentlich eleganter definieren Sie die Breite mit --widthtype request. Der Parameter bewirkt, dass Trayer nur so viel Platz einnimmt, wie die gestarteten Applets benötigen. Die Höhe lässt sich dagegen nur in Pixeln mit Hilfe des Parameters --height festlegen. Um den inneren Abstand zwischen dem Trayer-Rand und dem ersten Tray-Icon festzulegen, bedienen Sie sich des Parameters --padding in Kombination mit der gewünschten Bildpunktzahl.

Genau wie die Ausrichtung und die Breite variieren Sie über Aufrufparameter das Look & Feel des Programms: In Kombination mit der Transparenz spielen die Optionen --alpha und --tint eine Rolle. Die erstgenannte beeinflußt den Transparenzgrad, wobei Sie Werte zwischen 0 und 255 wählen dürfen. --tint gefolgt von einem Farbnamen, also etwa --tint blue tönt den durchscheinenden Desktop-Hintergrund in der gewählten Farbe.

Eine vollständige Auflistung aller möglichen Parameter erhalten Sie mit dem Befehl trayer -h. Alternativ dazu werfen Sie einen Blick in die dem Quellcode beiliegende Datei README. Dort finden Sie noch ausführlichere Erklärungen zu den einzelnen Optionen.

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LinuxUser 03/2012

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