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So gut wie druckreif

Scribus in Entwickler-Version 1.3

01.10.2005 Desktop Publishing ist ein Bereich der von proprietärer Software dominiert wird. Doch das Programm Scribus demonstriert eindrucksvoll, dass sich auch mit freier Software professionelle Drucksachen bauen lassen. Einer der Hauptentwickler stellt Ihnen die Neuerungen in der Development-Version 1.3 vor.

Die derzeit stabile Scribus-Version 1.2 ist bereits ein brauchbares DTP-Programm. Dennoch gibt es es viele wünschenswerte Funktionen, an denen wir derzeit im Entwickler-Zweig unseres Programms arbeiten. Sie ziehen tiefergehenden Veränderungen nach sich, beispielsweise am Scribus-Dateiformat. Seit Ende Dezember 2004 haben wir in der Entwicklerversion 1.3 viele Neuerungen eingeführt. Die wichtigsten möchte ich hier vorstellen.

Hin und Her

Eine der bedeutendsten Verbesserungen stellt das neue Undo-/Redo-System dar. Es trägt den programmatischen Namen "Back 'n' Forth" (Hin und Her). Unser finnischer Kollege Riku Leino hat es für Scribus entwickelt. Da der Code unter der GPL steht, könnte es aber auch in andere Anwendungen Eingang finden.

Bisher fehlte Scribus eine ordentliche Bearbeitungshistorie, die sich stufenweise rückgängig machen lässt. Doch gerade Grafiker und Layouter probieren verschiedene Gestaltungsvarianten gerne praktisch aus – ein gutes Undo-System ist für sie daher unerlässlich. Riku hat ein hervorragendes System geschaffen und Scribus einen großen Schritt weiter gebracht.

Probieren Sie es aus: Öffnen Sie im Menü Werkzeuge den Aktionsverlauf. Nun sehen Sie, wie alle Ihre Arbeitsschritte auf der Liste auftauchen (Abbildung 1). Wollen Sie nun bespielsweise die letzten fünf Änderungen rückgängig machen, klicken Sie einfach auf den fünftletzten Eintrag des Aktionsverlaufs. Wenn Sie die Maus die Liste hinauf oder hinab bewegen, können Sie den Verlauf Ihrer Arbeit im Zeitraffer begutachten.

Abbildung 1: In der Palette Aktionsverlauf können Sie beliebig viele Arbeitschritte rückgängig machen oder wiederherstellen – für das ganze Dokument oder ein einzelnes Objekt.

Der Aktionsverlauf kennt zwei Modi, den globalen und den Objekt-Modus. Standardmäßig verwendt der Verlauf den globalen Modus und zeigt alle Änderungen an sämtlichen Objekten. Wenn Sie die Option Nur markiertes Objekt anzeigen aktivieren, zeigt die Liste nur die Änderungen am zurzeit ausgewählten Objekt Ihres Scribus-Dokuments.

Daneben steht Ihnen die Undo-/Redo-Funktion auch im Kontextmenü zur Verfügung, das Sie mit einem Rechtsklick auf in Objekt öffnen. Hier finden Sie nun die Einträge Rückgängig und Wiederherstellen. Gleichzeitig öffnet sich das Fenster Aktionsverlauf und zeigt das Änderungsprotokoll für das ausgewählte Objekt.

Die Seite sprengen

Zeitungen, Zeitschriften und Broschüren verwenden häufig Überschriften oder Bilder die über die Bindung hinweg auf einer Doppelseite angeordnet sind. Bei Scribus 1.2 musste der Layouter einiges von Hand erledigen, um solche Doppelseiten zu gestalten: Zwei Bild- oder Textrahmen anlegen und ein wenig über die einzelnen Seiten hinaus verlängern. Mit Scribus 1.3 geht das wesentlich einfacher: Stellen Sie einfach Doppelseiten ein und platzieren Sie das Bild schlichtweg quer über den Bund. Und das funktioniert nicht nur mit Bildern, sondern auch mit Text und Vektoren. Beim Drucken oder Exportieren eines solchen Dokuments müssen Sie nichts Besonderes beachten – Scribus kümmert sich automatisch um die Seitenwechsel und das Zerteilen der Objekte (Abbildung 2).

Abbildung 2: Bilder und andere Objekte können die Bindung übergreifen und beliebig platziert werden. Das Zerteilen erldigt Scribus 1.3 beim Drucken oder Exportieren automatisch.

Die selbe Technologie, die das Layouten über die Bindung hinweg erlaubt, macht auch etwas anders möglich: Designer können nun Layout-Objekte außerhalb der Seiten eines Dokuments, auf dem so genannten Scratch Space (Entwurfsraum, Abbildung 3) ablegen. Hier können Layouter Textkästen, Bilder und andere Elemente gesammelt vorhalten, um sie nach Gusto auf den Druckseiten zu verteilen. Viele Gestalter sind diese Arbeitsweise von kommerziellen Programmen gewöhnt und möchten sie nicht missen.

Abbildung 3: Der so genannte Scratch Space: Hier kann der Anwender alle Layout-Elemente sammeln, bevor er sie auf der Seite verteilt.

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LinuxUser 06/2012

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