Das Wort "frei" – Sie haben es sicherlich schon bemerkt – spielt bei freier Software eine große Rolle. Nicht nur, dass bei dieser der Quelltext der Programme für jedermann verfügbar und veränderbar ist, die meisten freie Lizenzen gestatten es zudem, die Programme weiterzugeben. Ein Großteil der Software repräsentiert das Ergebnis der Arbeit unzähliger Freiwilliger, die in ihrer Freizeit etwas zum großen Ganzen beisteuern.
Hin und wieder, wenn Sie auf Ihrem Rechner ein ungemein nützliches Programm verwenden, das Ihnen die tägliche Arbeit erleichtert oder einfach nur Spaß macht, dann denken Sie vielleicht darüber nach, ob nicht auch Sie eine Rolle beim Entstehen von freier Software spielen könnten. Im ungünstigen Fall kommt Ihnen dann in etwa folgender Gedanke: "Ich würde ja schon gerne mitmachen, aber da ich nicht programmieren kann: Was hätte ich schon groß beizusteuern?"
Trösten Sie sich! Früher gab es in der Programmiererszene vielleicht große und einsame Helden, die nur mit Lochstreifen und Disketten so groß wie Frisbee-Scheiben bewaffnet in den heroischen Kampf zogen gegen Quelltexte von geradezu epischen Ausmaßen. Ganz allein und ohne Debugger. Doch die Zeit dieser großen Altvorderen scheint vorüber.
Heutige Software-Entwicklung zeichnet sich eher durch kollektives Heldentum aus. Etwas abseits der eigentlichen Programmiertätigkeit gibt es unzählige Einsatzfelder, die auf mutige Mitstreiter warten. Sie brauchen kein C-Guru sein, um hier mitzuhelfen. Dieser Artikel will Ihnen ausschnittartig einige Bereiche des Open-Source-Lebens vorstellen, die für Nicht-Programmierer gute Beteiligungsmöglichkeiten bieten.
Allerdings bringt es die Komplexität heutiger Software mit sich, dass es beim Entwicklen und Pflegen von Projekten koordiniert und geordnet vor sich gehen sollte, damit nicht die besten Ideen in den Tiefen totaler Verwirrung untergehen. Neben der Bereitschaft, sich einzubringen, erweisen sich deshalb auch Kenntnisse der wichtigsten Programme und Methoden, die bei der überwiegenden Mehrzahl der Projekte zum Einsatz kommmen, von Vorteil. Auch über diese gibt Ihnen der Artikel einen kurzen Überblick. Zunächst aber machen wir uns auf, etwas Passendes für Sie zu finden!
Hilfe für Verzweifelte
Wahrscheinlich hat es auch zu Anfang Ihrer Linux-Karriere Stunden des Grams und der Verzweiflung gegeben: Überall lauern Schwierigkeiten für Einsteiger, und vielleicht waren Sie schon fast soweit, Ihre Windows-CD ins Laufwerk zu schieben, um dem vermeintlichen Elend ein Ende zu bereiten. Unter Umständen haben Sie aber – den letzten Strohhalm greifend – eine E-Mail an eines der zahlreichen Foren, News-Gruppen oder Mailing-Listen geschrieben und im letzten Moment die entscheidende Hilfe erhalten, die Sie noch mal vor dem Schlimmsten bewahrt hat.
Auch heute, jetzt gerade, in diesem Moment stehen Menschen da draußen kurz vor der Neuinstallation. Sie bieten Ihnen eine wunderbare Möglichkeit, sich an Open-Source-Software zu beteiligen: Helfen Sie Ihnen! Werfen Sie nicht nur einen Blick in die Foren, wenn Sie selbst nach der Lösung für ein Problem suchen, sondern beantworten Sie auch Fragen, die Ihnen heute vielleicht trivial erscheinen.
Grafik und Design
Halten Sie sich für keinen guten Pädagogen, denn arbeiten Sie stattdessen kreativ. Vielleicht ist Grafik etwas für Sie: Seit der Mitte der 1970er Jahre gibt es dank der Entwickler des Palo Alto Research Center (damals: Xerox PARC) grafische Benutzeroberflächen. Obwohl es besonders unter Unix-Fans und Linux Anhängern immer noch sendungsbewusste Minderheiten gibt, die unablässig auf die Vorteile der Kommandozeile (ohne X natürlich) hinweisen, gilt der Siegeszug der GUIs als grundsätzlich vollzogen.
Während die ersten grafischen Oberflächen noch recht blass wirkten, änderte sich dies in den 80er Jahren: Mit dem Macintosh, dem Commodore Amiga und dem Atari ST kamen Farbe und Komfort auf den Desktop. Grafische Oberflächen von heute punkten durch ein aufpoliertes und elegantes Ambiente. Multimedia steht aller Orten hoch im Kurs.
Neben den unzähligen intuitiven Symbolen warten die beiden großen grafischen Benutzeroberflächen unter Linux – Gnome und KDE – auch mit Hintergrundbildern, Themen und Systemklängen auf. Wenn Sie sich also für Grafik oder die Entwicklung von Klängen interessieren, dann böte sich Ihnen hier ein dankbares Betätigungsfeld.
Kleinere Arbeiten an Icons bewerkstelligen Sie auf komfortable Weise mit KIconEdit (Abbildung 1). Für anspruchsvollere grafische Projekte stehen aber vor allem zwei Programme im Mittelpunkt: Das GNU Image Manipulation Program, kurz Gimp, sowie das Vektorzeichenprogramm Inkscape. Gimp ist nicht nur der de-facto-Standard im Bereich Grafik unter Linux, sondern als pixelorientiertes Grafikprogramm auch besonders zum Bearbeiten bestehender Grafikdateien geeignet. Es eignet sich natürlich auch für die Komposition neuer Bilder. Jede Gimp-Installation gibt Ihnen zahlreiche Filter und Skripte an die Hand, die eine Vielzahl beeindruckender Effekte erlauben.
Einen völlig anderen Ansatz verfolgt Inkscape, ein vektororientiertes Grafikprogramm. Inkscape zeigt frustrierten Schülern endlich einmal, dass es tatsächlich alltagsrelevante Anwendungsbereiche für lineare Algebra gibt: Während pixel- oder rasterorientierte Programme nämlich jeden einzelnen Bildpunkt abspeichern, stellt die Vektorgrafik alle Elemente eines Bildes wie Linien, Kreise, Rechtecke oder ähnliche Objekte als Kurven aufgrund mathematischer Funktionen in einem Koordinatensystem dar.
Zwischen beiden Prinzipien bietet sich ein Vergleich mit der Musik an: Pixelprogramme speichern ein Bild auf die gleiche Art, wie ein Stück auf einer einer CD gespeichert ist. Vektorprogramme speichern das Bild wie ein Blatt Noten ein Musikstück speichert: Als Anleitung zur Reproduktion. Das vektororientierte Speichern erlaubt es, Grafiken beliebig zu vergrößern oder zu verkleinert, ohne dass diese Qualitätsverluste erleiden.
Als angehender Grafiker sollten Sie beiden Programmen Ihre Aufmerksamkeit schenken. Beide sind auf ihrem Gebiet Spezialisten und ein kombinierter Einsatz dürfte die gewinnbringenste Methode zum Arbeiten sein.
Das KDE-Team versucht mit der Plattform "Kollaboration" einen Treffpunkt zwischen den Programmentwicklern und den Grafikern herzustellen. Neben diversen Tipps und Tricks finden sich auch Beispiele und Anleitungen zum Erstellen von Symbolen, Desktop-Themes und vieles andere mehr. Ein Forum, in dem ein reger Austausch zu allen nur erdenklichen Themen rund um KDE und Grafik stattfindet, rundet das Angebot ab.
Für Gnome-Grafiker existiert es ein eigenes Angebot, das zwar nicht so ambitionierte Ziele postuliert wie Kollaboration, Neu-Grafikern aber einen guten Eindruck von Gnome-spezifischen Themen rund ums Thema Grafik vermittelt. Nehmen Sie sich etwas Zeit und schauen Sie sich bei beiden Projekten um. Es schadet grundsätzlich nie, einen Blick über den Tellerrand Ihrer Benutzeroberfläche zu riskieren. Entsprechende Informationen im Web finden Sie in der Tabelle "Alles für Grafiker".
Alles für Grafiker
| Gimp - Pixelorientierter Alleskönnner: http://www.gimp.org |
| Inkscape - Vektororientiertes Grafikprogramm: http://www.inkscape.org |
| Wissenswertes zum Thema Grafik und Gnome: http://art.gnome.org |
| Die Plattform "Kollaboration", Grafik und KDE: http://www.kde-artists.org |
| Für die entscheidende Inspiration: http://www.kde-look.org |



