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Rechenexperte

Tabellen berechnen mit Gnumeric

01.09.2005 OpenOffice befriedigt mit Calc zwar so manche Ansprüche an Tabellenkalkulationen. Wer das Programm aber zu groß oder zu langsam findet, sollte einen Blick auf den schlanken Konkurrenten Gnumeric werfen.

Software zur Tabellenkalkulation hat bei PCs einen speziellen Stellenwert. Als eines der ersten Programme setzte Lotus 123 einen Standard dafür und galt eine Zeit lang als Prüfstein für die Kompatibilität der damals so genannten IBM-Kompatiblen PCs. Später kam Excel und erlangte wieder fast sprichwörtliche Bedeutung: Jeder Angestellte kennt die Rede von geheimnisvollen Excel-Sheets, die viele auch nur zur Eingabe tabellarischer Informationen verwenden.

Dabei können Tabellenkalkulationen viel mehr, vor allen Dingen gut rechnen. Wiederholte Berechnungen für ähnlich strukturierte Daten sind die eigentliche Domäne solcher Programme, dazu kommt deren grafische Aufbereitung in übersichtlichen Diagrammen. Unter Linux hat sich Gnumeric als besonders ausgereift erwiesen. Wir stellen das leistungsfähige und trotzdem schlanke Programm vor.

Einfach eingeben

Man merkt Gnumeric sein Alter an. Initiiert von Gnome-Begründer Miguel de Icaza, ist es das älteste Gnome-Programm, mithin der Grundstein des Gnome-Projekts überhaupt. Mittlerweile acht Jahre alt, kann Gnumeric eine umfassende Funktionalität und große Stabilität vorweisen. Zudem orientiert es sich nur wenig am Microsoft-Pendant Excel, sondern versucht eigene Wege zu gehen, dabei aber alle anderen Tabellenkalkulationen zu übertreffen. Die Kompatibilität zum Konkurrenten haben die Entwickler pragmatischerweise aber sichergestellt – abgesehen von Spezialfällen wie eingebetten MS-Office-Objekten. Gnumeric beherrscht zum Beispiel alle mathematischen Funktionen von Excel.

Startet man das Programm über das Menü oder mit gnumeric auf der Kommandozeile, dauert es nur ein paar Sekunden, bis das Hauptfenster erscheint (Abbildung 1). Kollege Calc aus dem OpenOffice-Paket braucht ungefähr dreimal so lange.

Abbildung 1: Gnumeric bietet die gewohnte Ansicht einer Tabellenkalkulation. Hier stellt es eine importierte Excel-Tabelle dar.

Eine Tabelle von Hand mit Daten zu füllen, sollte keine großen Schwierigkeiten bereiten: einfach mit der Maus in ein Kästchen klicken und den Wert eingeben. Wollen Sie einen Eintrag in mehreren angrenzenden Zellen duplizieren, müssen Sie nicht jeden Wert eintippen. Klicken Sie einfach auf den Ursprungswert, damit Gnumeric den Markierungsrahmen um die Zelle zeichnet. Wenn Sie den Mauszeiger dann über die rechte untere Ecke der Markierung bewegen, verwandelt er sich in ein feines Kreuz. Ziehen Sie Sie den Rahmen über alle Zellen, die Sie füllen wollen. Den Rest erledigt Gnumeric.

Hilfe bei Aufzählungen

Häufig enthalten Tabellen Zahlenreihen, zum Beispiel in der ersten Spalte, um die Zeilen durchzunummerieren. Auch hier hilft Gnumeric bei der Eingabe. Dazu tippen Sie den Startwert in die erste Zelle, den folgenden Wert in die zweite. Wählen Sie beide aus, indem Sie [Strg] (die Taste für Mehrfachauswahl in Gnumeric) drücken und beide Zellen anklicken. Wenn Sie den Cursor nun wieder über die rechte untere Ecke der zweiten Ecke bewegen, erscheint wieder das Fadenkreuz. Mit klicken und ziehen füllen Sie beliebig viele Zellen mit der Aufzählung (Abbildung 2). Die Sprungweite zwischen den Werten errechnet Gnumeric aus den Startwerten. Haben Sie zum Beispiel 1 und 2 eingetragen, führt Gnumeric die Reihe mit 3, 4, 5, 6 und so weiter fort. Um eine Aufzählung nur mit gerade Zahlen zu gestalten, verwenden Sie die Startwerte 2 und 4.

Abbildung 2: Gnumeric hilft beim Erzeugen von Aufzählungen: Startwerte eintippen, beide markieren (links), dann die rechte untere Ecke der markieren nach unten ziehen – fertig (rechts).

Von Haus aus beherrscht Gnumeric 256 Spalten; diese Grenze lässt sich allerdings nach oben verschieben, wenn Sie die Software selbst kompilieren. Dazu ändern Sie die Werte von SHEET_MAX_COLS und SHEET_MAX_ROWS in der Datei src/gnumeric.h.

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LinuxUser 03/2012

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