Software News

01.09.2005

Kurz notiert

Die Vielseitigkeit von Linux demonstriert der von der Firma ASAR implementierte TV-Server der Elbe-Kliniken: Mitarbeiter versorgen das auf einem handelsüblichen Pentium 4 mit 2.8 Ghz laufende System über Samba-Freigaben mit Filmbeiträgen. Der Rechner liefert den Patienten seit Mitte Januar täglich 16 Stunden Krankenhausfernsehen. Zur Freude aller kostengünstig und ohne technische Probleme.

Ein unabhängiges Entwicklerteam nimmt die Arbeit an der eingestellten Mozilla-Suite unter dem Projektnamen Seamonkey wieder auf. Die dafür notwendige Infrastruktur stellt weiterhin die Mozilla Foundation, so dass mit einem auf Gecko 1.8beta basierenden Seamonkey 1.0 schon bald zu rechnen ist. Eine Angleichung an Firefox planen die Developer dagegen nicht. Das Projekt bleibt in der Tradition von Mozilla 1.7.

In der mit zwei Millionen Dollar dotierten Grand Challenge 2005 tritt VW mit einem Touareg an, den sieben Linux-Rechnern steuern. Ziel der Challenge ist, ein Fahrzeug völlig autonom eine 280 Kilometer lange Strecke fahren zu lassen. Zu diesem Zweck verarbeiten die sieben mit Pentium-M-Chips bestückte Linux-Rechner Sensorwerte von Laser-Detektoren, Stero-Sichtgeräten, einer Radaranlage und einem GPS-Empfänger. Bei der Challenge 2004 schaffte es kein Fahrzeug ins Ziel. Also, Daumen drücken.

Ab August steht das erste Linux-basierte Handy von Motorola, das A780, in Deutschland in den Regalen. Das klappbare Quad-Band-Handy wiegt nur 130 Gramm, verfügt über einen Touchscreen, eine 1,3-Megapixel-Kamera und einen GPS-Empfänger inklusive Navigations-Software. Weiterhin enthalten sind ein MP3-Player, ein vollwertiger Web-Browser sowie ein Dokumentenbetrachter für MS-Office- und PDF-Dateien für das mobile Büro.

Die Enzyklopedia Wikipedia errang beim Grimme-Online-Award 2005 in zwei Kategorien Preise. Bei Intel-Publikums-Preis setzte sie sich gegen die Web-Seite zur Sat-1-Serie "Verliebt in Berlin" durch. Darüber hinaus wurde sie in der Kategorie "Wissen und Bildung" ausgezeichnet, wo Wikipedia besonders durch den Inhalt überzeugte und sich gegen Beiträge des ZDF behaupten konnte.

Der britische Sender BBC gibt auf einer eigens geschaffenen Web-Seite (http://www.bbc.co.uk/opensource/) die eigenen Open-Source-Entwicklungen für die Öffentlichkeit frei. Alle Projekte stehen unter GPL oder der Mozilla Public License. Zu den Veröffentlichungen zählen neben dem Video-Codec Dirac verschiedene Perl und Apache-Module, aber auch einige Java-APIs und Frameworks in C++. Projekte, an denen die BBC lediglich mitgewirkt hat, berücksichtigt die Web-Seite indes nicht.

Der Grafikkartenhersteller Matrox (http://www.matrox.de) will die weltweite erste PCI Express X1 Grafikkarte, die Millennium G550 PCIe, von Anfang an mit offenen Unix-Treibern ausstatten. Neben Linux sind auch Solaris-Treiber geplant. Die Weiterentwicklung der Treiber soll laut Matrox die Community übernehmen, basierend auf dem freigegebenen Quellcode. Die Karte selbst ist ab August für rund 140 Euro erhältlich.

Im Rechtsstreit zwischen dem Unix-Hersteller SCO (http://www.sco.com) und verschiedenen Linux einsetzenden Firmen um angebliche Urheberrechtsverletzungen, musste SCO jetzt eine Schlappe hinnehmen: Die E-Mail eines SCO-Entwicklers an die Geschäftsleitung stellt klar, dass Linux keinen Quellcode aus Unix enthält. Dies stellt jedoch einen Kernpunkt der Klage dar. SCO bestätigt zwar die Echtheit der Mail, zeigte sich ansonsten aber unbeeindruckt. So geht der Streit in die nächste Runde.

Die vom südafrikanischen Sender SABC 2 und Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth produzierte Fernsehsendung GO Open steht jetzt via Bittorrent zum Download bereit. Die 13-teilige Sendereihe läuft als Teil einer Werbekampagne, die auch nicht technisch versierte Anwender zur Nutzung von Open Source-Software motivieren soll. Neben Erfolgs-Stories bietet jede Sendung Interviews mit Open-Source-Größen und stellt neue Software vor.

Windows-Registry von Linux aus manipulieren

Wenn der Administrator bisher einen Blick in die Datei der Windows-Registry werfen wollte, führte der Weg stets über Windows und seine Hilfsanwendungen. Das Programm Reglookup (http://www.sentinelchicken.org/projects/reglookup/) gewährt dem Anwender endlich ohne Umwege von Linux aus Zugriff auf die einzelnen Registry-Daten.

In der aktuellen Version 0.1.2 erlaubt die Software lediglich die Ausgabe von Registry-Einträgen. Zur besseren Übersicht können Sie die Ausgabe nach Registry-Pfad und Datentyp filtern. Die einzelnen Einträge gibt Reglookup zeilenweise aus.

Benötigen Sie mehr Informationen zu den Schlüssel-Wert-Paaren, starten Sie das Programm in einem gesprächigeren Modus. Allerdings ist die Interpretation dieser Ausgabe mit Offsets und Blöcken nur etwas für wahre Registry-Experten.

Administratoren brauchen nicht mehr extra Windows zu booten, um einen Blick in die Registry zuwerfen.

Texte bequem vergleichen

Zum Vergleich von Dokumenten enthalten die meisten Distributionen das Kommandozeilenprogramm Diff. Wesentlich komfortabler lassen sich Texte aber mit dem Tk-basierten Front-End TKDiff (http://tkdiff.sourceforge.net) auf Unterschiede analysieren.

Das Programm setzt die unterschiedlichen Zeilen in den Dokumenten farblich ab und kennzeichnet den Unterschied selbst in einem kräftigen Farbton. Beim Durchblättern sehen Sie sofort, bei welcher Zeichenfolge die Dokumente abweichen. Damit Sie auf der Suche nach Änderungen nicht das gesamte Dokument durchsehen müssen, erlaubt TKDiff das Springen von einer Fundstelle zur nächsten. Wollen Sie zwischendurch den Text bearbeiten, laden Sie ihn einfach in den integrierten Editor.

Ein Zusammenführen beider Dokumente ist ebenfalls möglich. Ein Vorschaufenster zeigt das Ergebnis, dass Sie anschließend speichern oder verwerfen können, ohne die Originaldokumente zu verändern.

Die jetzt erschienene Version 4.1 von TKDiff verfügt über eine verbesserte Unterstützung des Versionskontrollsystems Subversion und besitzt endlich eine Hilfefunktion für die Kommandozeilenparameter.

Dank farblicher Markierung sehen Sie Änderungen im Text sofort.

Datendurchsatz kontrollieren

Obwohl es in Zeiten der DSL-Flatrate für viele keine Rolle mehr spielt – manchmal ist es doch vorteilhaft, wenn Sie wissen, wieviel Datenverkehr Sie verursachen. Das Perl-Skript PPPLag (http://cade.datamax.bg/away/ppplag/) nimmt Ihnen dabei die mühselige Analyse der Log-Dateien ab.

Über Kommandozeilenparameter bestimmen Sie, welche Log-Dateien die Software auswerten soll. Zur Auswahl stehen dabei die Auswertung auf einen bestimmten Zeitraum oder einen bestimmten Benutzer. Auf Wunsch rechnet das Skript die entstandenen Verbindungskosten aus, basierend auf dem Preis pro Abrechnungseinheit. Der Abrechnungstakt und der Preis pro Einheit müssen Sie jedoch vorher als Umgebungsvariable festlegen.

Das Ergebnis seiner Analyse gibt das Programm übersichtlich in Spalten nach Zeit, Kosten und Datenverkehr gegliedert auf der Konsole aus. Die aktuelle Version bietet zusätzlich die Funktionen "tägliche Zusammenfassung" und "Verbindung nach Benutzer filtern" an.

Die Monatsübersicht vermittelt einen guten Eindruck über den Datendurchsatz.

Netzwerkkarte erleichtert die Orientierung

Setzt sich ein Netz aus vielen Rechnern zusammen, fällt es mit der Zeit immer schwerer, den Überblick zu bewahren. Mit dem Java-Programm Netwhistler (http://netwhistler.spb.ru) steht Ihnen ein grafisches Tool zur Verfügung, das Ihnen durch Visualisierung der Netztopologie die Arbeit erleichtert.

Starten Sie die Software als Superuser, scannt diese automatisch ein vorgegebenes Netzwerksegment und erstellt aus allen gefundenen Rechnern eine grafische Übersichtskarte. Diese Karte lässt sich durch Verbindungslinien oder weitere Rechner erweitern und erhält so ein Abbild des Netzwerks. Dieses Abbild kann als XML-Datei gespeichert werden.

Der Status der Rechner im Netz wird in freidefinierbaren Intervallen kontrolliert. Führen Sie die Maus über ein Rechnersymbol, so zeigt ein Pop-Up dessen aktuellen Status an. Im Kontextmenü des Rechnersymbols legen Sie außerdem zu überwachende Dienste fest oder führen einen direkten Portscan auf diesen Rechner durch.

Im Störungsfall informiert Netwhistler den Benutzer außerdem via E-Mail. Die Funktion des Portscans kam erst in der aktuellen Version 2.6 hinzu, ebenso wie die Funktion Trace sowie eine Log-Console.

Mit NetWhistler gewinnen Sie übersichtlich Informatione über ein Datennetz.

Freies Desktop Publishing

Die Version 1.3 des bekannten Desktop-Publishing-Programm Scribus (http://www.scribus.org.uk) erschien kurz vor Redaktionsschluss. Sie enthält zahlreiche Neuerungen und Verbesserungen. Dazu zählt unter anderen ein neues System, mit dem sich die letzten Arbeitsschritte rückgängig machen lassen. Außerdem kann Scribus nun Photoshop-Bilder direkt in seine Dokumente einbinden.

Die Entwickler korrigierten auch eine Reihe von Fehlern im eingebauten Editor. Ändert der Anwender dort seinen Text, wird dieser nicht mehr wie bisher an den Inhalt des Textrahmens angefügt, sondern überschreibt den Inhalt mit der Änderung. Verbesserte Import- und Exportfilter sowie eine überarbeitete deutsche, dänische, polnische und russische Übersetzung runden mit vielen kleinen weiteren Modifikationen die neue Version ab.

Trotzdem handelt es sich nur eine Technology Preview, die nicht für den produktiven Einsatz gedacht ist.

Im Bereich der Open Source DTP-Software setzt Scribus Maßstäbe.

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