Zusätzliches Laborgerät

WindowLab stellt von Haus aus nur einen Desktop zur Verfügung. Sind Sie ein Liebhaber mehrerer virtueller Arbeitsflächen, können Sie das Feature nur über ein externes Tool wie beispielsweise vdesk nachrüsten. Sie erhalten das Kommandozeilenprogramm unter [4] und kompilieren es mit dem bekannten Dreisatz ./configure && make && make install. Das kleine Helferlein kümmert sich im Hintergrund darum, Ihnen den Eindruck virtueller Desktops zu vermitteln.

Um WindowLab mit vier virtuellen Desktops auszustatten, tragen Sie die folgenden Zeilen ind die Datei ~/.windowlab/menurc ein:

Desk1:vdesk 1
Desk2:vdesk 2
Desk3:vdesk 3
Desk4:vdesk 4

Nach dem Neustart präsentiert WindowLab vier zusätzliche Menüpunkte, über die Sie auf einen anderen Desktop wechseln. Möchten Sie außerdem die Möglichkeit haben, Anwendungsfenster auf einen andere virtuelle Arbeitsfläche zu verschieben, erreichen Sie das mit einem Skript, das die interne ID eines Fensters ermittelt und diese an den Aufruf von vdesk übergibt.

Erzeugen Sie zunächst durch die folgenden Zeilen in der menurc die Buttons, mit denen Sie ein Fenster auf einen der vier Desktops verschieben:

ToDesk1:/pfad/zu/to.sh 1
ToDesk2:/pfad/zu/to.sh 2
ToDesk3:/pfad/zu/to.sh 3
ToDesk4:/pfad/zu/to.sh 4

Erstellen Sie nun mit einem Text-Editor das Skript to.sh mit dem Inhalt

#!/bin/bash
vdesk $1 `xwininfo | grep ↩
"Window id:" | cut -d" " -f4`

und machen Sie es ausführbar.

Wenn Sie nun einen der vier Menüeinträge auswählen, sorgt der Befehl xwininfo | grep "Window id:" | cut -d" " -f4 dafür, dass das Anklicken eines Fensters die Fenster-ID zurückgibt. Diese reicht das Skript an vdesk weiter, das das Fenster danach auf den gewünschten Desktop befördert. Darüber hinaus bietet vdesk die Option, ein Fenster auf allen virtuellen Desktops anzuzeigen, was beispielsweise bei einem Prozessmonitor praktisch ist. Um die Omnipräsenz zu aktivieren, gilt es, das Fenster auf die Arbeitsfläche 0, also nach vdesk 0 zu verschieben. Der passende Menüeintrag könnte so aussehen:

Sticky:/pfad/zu/to.sh 0

Auch weitere, eventuell gewünschte Funktionen, wie etwa ein Hintergrundbild oder Desktpop-Icons, gilt es mit externen Tools nachzurüsten. Für die Anzeige einer Hintergrundgrafik bieten sich Tools wie Esetroot oder der Bildbetrachter xv an. Das Kommando xv -quit -root /opt/kde3/share/wallpapers/SuSE-Desktop_1024.png verschönert unter Suse Linux 9.3 die Arbeitsoberfläche mit dem Standard-Desktop-Hintergrund. Das einfache Einfärben gelingt auch mit xsetroot, dass die Arbeitsoberfläche nach einem xsetroot -solid blue in einheitliches blau taucht.

Fazit

WindowLab ist ein schlanker, rein funktionaler Fenstermanager, der Task-Leite und Startmenü platzsparend in einem Element vereint. Dabei ist die Anwendung nicht nur für Minimalisten interessant, sondern auch für Benutzer, die sich Ihre Desktop-Umgebung nach dem Baukastenprinzip aus vielen einzelnen Tools zusammenbasteln möchten. Ganz frei von Nebenwirkungen ist dieses Vorhaben jedoch nicht, da nicht alle Zusatzprogramme optimal mit WindowLab zusammenspielen. Das Umschalten der Fenster mithilfe der Taskleiste bring beispielsweise vdesk komplett durcheinander.

Kasten 1: WindowLab unter Suse Linux 9.3

Um WindowLab in das KDM-Auswahlmenü von Suse Linux 9.3 zu integrieren, reicht es aus, die Datei /opt/kde3/share/apps/kdm/sessions/windowlab.desktop anzulegen und mit folgendem Inhalt zu füllen:

[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Type=XSession
Exec=windowlab
TryExec=windowlab
Name=WindowLab
Comment[de]=Das Fensterlabor

Möchten Sie direkt beim Start des Fensterherrschers ein Hintergrundbild anzeigen, erreichen Sie das mit Hilfe eines Skripts, etwas start_windowlab.sh.

#!/bin/bash
xv -quit -root /opt/kde3/share/wallpapers/SuSE-Desktop_1024.png &
windowlab

Machen Sie dieses ausführbar und tragen Sie den vollen Pfad zu dem Skript hinter den Eintrag Exec= in der Datei windowlab.desktop ein.

Infos

[1] WindowLab: http://www.nickgravgaard.com/windowlab/

[2] aewm: http://www.red-bean.com/~decklin/aewm/

[3] KDM und GDM konfigurieren: Hagen Höpfner, "Hereinspaziert!", LinuxUser, 11/2004, S. 42 ff.

[4] vdesk: http://offog.org/code/

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