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Innere Werte

Puppy Live-CD

01.09.2005 Klein, aber fein: Die Live-Distribution Puppy tritt den Beweis an, dass trotz sparsamen Umgang mit Ressouren Komfort und Ausstattung nicht auf der Strecke bleiben müssen. Auf nur 60 MByte bringt Puppy alles mit, was das Herz begehrt.

Die Live-Distribution Puppy – was übersetzt so viel wie Welpe heisst – trägt seinen Namen ebenso wie sein Namensgeber (der Hund des Maintainers) nicht zu unrecht. Wofür andere Distributionen gut und gerne zwei GByte benötigen, braucht diese Live-Distribution gerade einmal 60 MByte.

Basierend auf dem schlanken Window-Manager Fvwm95 (Abbildung 1) bietet die Distribution eine Menge sinnvoller Applikationen. Für das Internet stehen neben der Mozilla-Suite Programme wie Sylpheed, GPhone und GAIM bereit.

Abbildung 1: Als Standard-Window-Managers verwendet Puppy den Fvwm95. Gefällt er nicht, lässt er sich mit wenigen Handgriffen gegen den Icewm austauschen.

Den Office-Bereich deckt Puppy unter anderem mit Abiword, Gnumeric und der DTP-Anwendung Scribus ab. Auch multimedial interessierten Zeitgenossen bietet das kleine Hündchen eine Menge: Programme wie Gxine oder Snack Gplayer treffen auch hier den richtigen Ton.

Sollte Ihr Lieblingsprogramm nicht vorhanden sein, bietet die Distribution eine reichaltige Auswahl an Applikationen wie OpenOffice, Firefox oder Opera, die Sie bequem über den Paketmanger PupGet nachinstallieren. Eine stattliche Anzahl an Wizards erleichtern die Handhabung und machen eine Konfiguration auf der Kommandozeile weitgehend überflüssig.

Verfügt der Rechner, auf dem Puppy bootet, über mehr als 128 MByte Hauptspeicher, dann läuft die Distribution über ein RAM-Drive komplett aus diesem. Entsprechend flott geht das Arbeiten mit dem System vonstatten. Dauert der Start anderer Live-CDs zuweilen mehere Minuten, zeigt Puppy, dass es auch anders geht: Im Test benötigte das System nie mehr als 30 Sekunden, bis es komplett initialisiert war.

Schnellstart

Da die ACPI-Unterstützung (Advanced Configuration and Power Management) bei einigen Rechnern Probleme bereitet, bietet Puppy am Boot-Prompt über die Eingabe von 2 die Möglichkeit, das System ohne diese Unterstüzung zu starten. Bei der Eingabe von 3 lässt ihnen das System die Wahl, auf welchem Speichermedium Sie Ihre persönlichen Daten ablegen möchten. Ein Return ohne weitere Eingaben startet den normalen Boot-Vorgang.

Da Puppy bemüht ist, anwenderspezifische Dateien dauerhaft zu speichern, sucht ein Script auf allen untersützten Festplatten nach einer Datei namens pup001. Ist sie vorhanden, mountet es diese (siehe Kasten "Anwenderspezifische Daten") ohne weitere Rückfragen und setzt den Bootvorgang mit den darin enthaltenen Konfigurationsinformationen fort. Ist das nicht der Fall, erstellt Puppy diese Datei in der ersten Partition, die genügend freien Platz bietet. Verfügt der Rechner über keine unterstützte Festplatte, folgt eine RÜckfrage, ob ein anderes Speichermedium – wie etwa USB-Stick – zur Verfügung steht. Falls nicht, legt das System auch die persönlichen Daten im RAM-Drive ab. Diese gehen dann naturgemäss beim Herunterfahren des Systems verloren.

Als letzter Schritt der Boot-Prozedur folgt die interaktive Abfrage der Ländereinstellung, der verwendeten Maus und der gewünschten Bildschirmauflösung. Diese Informationen speichert Puppy in Ihrem im Benutzerprofil. Sofern dieses nicht im (flüchtigen) Hauptspeicher untergebracht ist, startet das System zukünftig ohne weitere Rückfragen.

Anwenderspezifische Daten

Puppy speichert benutzerspezifische Dateien wie die Systemkonfiguration, nachinstallierte Programme und vom Anwender erstellte Dokumente in ein Image-File namens pup001, welches ein eigenes Ext2-Dateisystem mitbringt.

Beim hochfahren mountet Puppy zunächst das Wirts-Dateisystem in das Verzeichnis /mnt/home und im Anschluß das Image-File unter /root.

Als Speichermedium nutzt die Distribution entweder lokale IDE-Festplatten (SCSI- und S-ATA-Laufwerke werden nicht unterstützt) oder andere Datenträger wie USB-Sticks und Flash-ROM-Karten.

Puppy unterstützt die Dateisysteme Ext2/3, Reiser, VFAT und durch einen Kunstgriff auch NTFS. Um letzteres zu nutzen, laden Sie vom FTP-Server [3] die Datei pup001.zip auf Ihren Rechner und entpacken diese im Wurzelverzeichnis der Partition c:\. Puppy erkennt und mountet beim nächsten Hochfahren diese Datei.

Die Standardgröße des persönlichen Verzeichnisses beträgt 256 MByte. Steht auf den Laufwerken weniger Platz zur Verfügung, verkleinert Puppy diese Datei automatisch auf die passende Größe. Zum nachträglichen Ändern der Dateigröße stellt die Distribution unter StartUtilitiesResize /root Filesystem die passende Applikation bereit. Beachten Sie, dass eine nachträgliche Größenänderung auf NTFS-Partitionen nicht möglich ist. Ebenso wenig besteht die Möglichkeit, die Dateigrößen zu verkleinern.

Schräubchen drehen

Puppy stellt für beinahe jede wichtige Einstellung wie Netzwerk, Modem, Drucker oder Monitor passende Wizards bereit, welche Sie über StartSetup erreichen. Die wichtigsten Helferlein fasst das Tool Wizard Wizard zusammen.

Zum nachträglichen Ändern der Bildschirmauflösung klicken Sie im WizardWizard auf den Punkt Change Video Resolution. Möchten Sie die Maus- oder Tastatureinstellungen ändern, aktivieren Sie Change the mouse and keyboard.

Ein Klick auf den Menüpunkt Connect to Internet by ethernet interface startet den Netzwerk-Wizard (Abbildung 2). Im Normalfall findet des System die installierte Netzwerkkarte selbständig. Sollte das nicht der Fall sein, wählen Sie über den Menüpunkt Load a driver den passenden Treiber von Hand aus. Test_eth0 prüft, ob eine funktionsfähige Karte vorhanden ist – jedoch nicht, ob diese auch richtig konfiguriert wurde. Dies geschieht über den Punkt Configure_eth0. Verfügt Ihr Netzwerk über einen DHCP-Server, reicht ein Klick auf Auto_DHCP um die Konfiguration abzuschliessen. Andernfalls starten Sie über Manual_config eine sequentielle Abfrage, über die Sie die Parameter Ihres Netzwerkes angeben.

Abbildung 2: Puppys Ethernet-Wizard identifiziert in der Regel die Netzwerkkarte korrekt und lädt gleich den passenden Treiber.

ADSL-Nutzer richten nun noch über StartNetworkRoaring Penguin PPoE ADSL den Zugang zu Ihrem Provider ein. Auch die Konfiguration des Modems gliedert sich in zwei Teilbereiche. Die Hardware konfigurieren Sie im Wizard Wizard über den Punkt Connect to Internet by using dialup analog modem . An Dialersoftware, die für die Modem-Verbindung in das Internet sorgt, stellt die Distribution Gkdial, Xeznet und WvDial zur Verfügung; diese erreichen Sie über das Menü StartNetwork.

Der Punkt Setup a Firewall startet die Linux-Firewall, welche Sie jedoch zuerst über den DotPup Package manager installieren müssen. Im ersten Fenster stellt das Script eine Default- und eine benutzerdefinierte Installation zur Auswahl. Im benutzerdefinierten Modus folgen eine Reihe von Abfragen zur Art der Internetanbindung, vertrauenswürdiger Netze und benötigter Ports. Das Tool generiert und lädt im Anschluß anhand Ihrer Eingaben ein Iptables-Ruleset. Eine andere Möglichkeit, den Paketfilter Iptables zu verwalten, bietet das Programm Gtk-IPTables, welches Sie im Startmenü unter Setup finden. Dieses setzt jedoch – auch wenn es einfach anmutet – einiges an Wissen über Iptables und Ihr Netzwerk voraus.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


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LinuxUser 06/2012

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