Linux Multimedia Studio – Musik für alle!

Turntablerocker

Professionelle Sound-Anwendungen haben Linux in den letzten Jahren zu einer echten Konkurrenz für Windows und MacOS entwickelt. Mit LMMS, dem Linux Multimedia Studio gesellt sich eine Software dazu, die eine Vielzahl von Funktionen integriert und eine komfortable Oberfläche besitzt.

Vor nicht allzu langer Zeit waren Multimedia und Linux zwei unverbeinbare Welten. Das hat sich glücklicherweise radikal geändert. Selbst bei der Musikproduktion muss sich Linux nicht mehr hinter Windows oder MacOS verstecken: Mit Audacity bearbeiten Sie Sounddateien, Rosegarden kümmert sich um die Verarbeitung von Midi-Musik, in Hydrogen klicken Sie Beats und Rhythmen zusammen. Csound schließlich hilft Software-Synthesizer und Effekte zusammenbasteln.

Wie Sie unschwer erkennen, gibt es für jedes Problem eine separate Lösung. Doch um wirklich kreativ zu arbeiten, wünschen sich viele Anwender eine integrierte Software statt einzelner Komponenten. Daher gibt es seit dem Frühjahr letzten Jahres das Linux Multimedia Studio (LMMS). Es kombiniert alle der oben genannten Funktionen in einer Oberfläche. Das Aussehen lehnt sich an Fruity Loops unter Windows an.

LMMS installieren und einrichten

Um LMMS zu installieren, bleibt es Ihnen in der Regel nicht erspart, es aus den Quellen zu kompilieren. Binärpakete für die wichtigsten Distributionen gibt es leider noch nicht. Laden Sie sich den Quellcode also von [1] herunter.

Da LMMS als Echtzeitanwendung viel Rechenleistung benötigt, empfiehlt es sich, es mit den entsprechenden Optimierungsoptionen zu kompilieren. Die wichtigsten Compiler-Optionen für die Intel-Plattform zeigt der Kasten "Wichtige Compiler-Optionen".

Wichtige Compiler-Optionen

  • -O2 oder -O3: Diese Option gibt die Optimierungsstufe an, die der Compiler verwenden soll. Bei neueren Prozessoren mit viel Cache empfiehlt sich die Verwendung von -O3.
  • -mcpu=IHRECPU: Teilen Sie dem Compiler mit, für welchen Prozessor er den Code optimieren soll. Mögliche Werte für IHRECPU: pentium2, pentium3, pentium4, k6, k6-2, k6-3, athlon, athlon-tbird, athlon-4, athlon-xp. Weitere Möglichkeiten finden Sie in der Manpage des GCC. Ihr eigener Prozessortyp steht in /proc/cpuinfo.
  • -msse, -msse2: Weisen Sie den Compiler an, SSE-Befehle für Gleitkommaberechnungen zu verwenden. Das erhöht die Performance von LMMS erheblich. Allerdings unterstützen nur aktuelle AMD-Prozessoren und Intel-CPUs ab Pentium 3 diese Befehle.
  • -mfpmath=sse,387: Falls Ihr Prozessor SSE-Instruktionen unterstützt, schalten Sie mit dieser Option die Verwendung der SSE-Unit und die des internen Koprozessors ein.

Für besonders Experimentierfreudige und Leistungshungrige sei noch auf das Programm Acovea [2] verwiesen, das auf Basis von genetischen Algorithmen die besten Tuning-Optionen ermittelt.

Über Optionen beim configure-Aufruf schalten Sie bestimmte Features von LMMS ab, um das Programm noch schneller zu machen. So hat es wenig Sinn, LMMS mit Surround-Unterstützung zu kompilieren, wenn Sie keine Surround-fähige Soundkarte besitzen. Ohne Surround-Unterstützung muss LMMS an manchen Stellen nur die Hälfte der Daten verarbeiten, was sich durch eine deutlich höhere Performance bemerkbar macht.

Schalten Sie bei Bedarf also Surround-Sound mit --disable-surround ab. Können Sie auf harte Echtzeit verzichten, etwa wenn Sie kein Midi-Keyboard besitzen, verwenden Sie den Schalter --with-latency=WERT, wobei WERT stets eine Potenz von 2, also 64, 128 oder 256 sein sollte. Der Standardwert liegt bei 256, was in etwa einer Latenzzeit (Verzögerung zwischen Ereignis (Tastendruck) und und der Ausgabe des Tones) von 6 Millisekunden entspricht. Je kleiner der Wert, desto geringer die Latenzzeit und desto besser die Echtzeit.

Um nun all die gezeigten Optionen beim Kompilieren anzugeben, konfigurieren Sie die Sourcen mit folgendem Befehl: ./configure -prefix=/usr CXXFLAGS="-O2 ..." [--disable-surround] [--with-latency=WERT]. Danach baut das übliche make ein LMMS-Binary und make install installiert alle nötigen Dateien im System.

Mit make rpm bauen Sie ein fertiges RPM-Paket, das in der Regel unterhalb von /usr/src/ landet. Dieses installieren Sie dann mit rpm -i DATEI.rpm. Allerdings haben hier die Optionen, die Sie bei configure angeben keine Wirkung. Stattdessen müssen Sie die Umgebungsvariable RPM_OPT_FLAGS setzen.

Starten Sie das Programm nun mit lmms. Die Benutzung des Assistenten, der bei der Ersteinrichtung hilft, erklärt sich von selbst.

Die ersten Schritte

Nach dem Start sehen Sie die Oberfläche von LMMS, die sich in folgende Bereiche und Fenster gliedert: Das wichtigste Fenster, der Song-Editor, enthält die Playliste mit ihren verschiedenen Spuren sowie eine Werkzeugleiste. Der Beat+Bassline-Editor ermöglicht das Erstellen von Beats und Basslines, die Sie später im Song-Editor eintragen. Im Projekt-Notizen-Fenster notieren Sie alle Informationen über Ihr Projekt. Links befindet sich die Seitenleiste mit verschiedenen Arbeitsbereichen wie dem Projekt- und Sample-Browser.

Als erstes kreieren wir nun einen einfachen Beat. Dazu gehen Sie in den Sample-Browser (Meine Samples), öffnen den Ordner drums und klicken doppelt auf die Datei kick_hiphop01.ogg. Anschließend zeigt der Beat+Bassline-Editor eine neue Spur und einen neuen Kanal mit dem gewählten Sample. Das AudioFileProcessor-Plugin, das Sie im gleichen Fenster sehen, zeichnet verantwortlich dafür, Samples zu laden und lässt Sie Einstellungen bezüglich der Wiedergabe vornehmen.

Klimpern Sie probehalber auf der virtuellen Klaviertastatur herum, um zu testen, ob die Soundausgabe funktioniert und ob LMMS das Sample erfolgreich geladen hat. Hören Sie ein paar dumpfe Schläge, hat alles geklappt und Sie können das Kanalfenster schließen.

Jetzt geht es damit weiter, die ersten Steps zu setzen. Klicken Sie hierfür im zugehörigen Pattern des Beat+Bassline-Editors die entsprechenden grauen Buttons an, so dass diese ihre Farbe zu grün wechseln. Mit einem Klick auf den Abspielen-Button oberhalb der Spuren bewundern Sie Ihr erstes Ergebnis.

Natürlich ist ein Kick allein ziemlich langweilig. Bauen Sie je nach Wunsch Snares, Hihats und so weiter durch entsprechenden Doppelklick ein und setzen Sie die Steps. In Abbildung 1 sehen Sie einen fertigen Beispiel-Beat.

Abbildung 1: In LMMS erstellen Sie mit wenigen Klicks einfache Beats. Das Programm kommt mit einer Reihe an fertigen Samples, die Sie in Ihren Liedern verwenden können.

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