KDE-News

01.09.2005

Kurz notiert

Auf der Wikimania-Konferenz (http://www.wikimania.org) in Frankfurt werden nicht nur Wikipedianer zugegen sein, auch drei Abgesandte des KDE-Projekts kommen in die Main-Metropole, um mit den Entwicklern der Mediawiki-Software erste Vorschläge für eine Webservices-Schnittstelle zu erarbeiten. Diese Kooperation vereinbarten die beiden Projekte auf dem letzten LinuxTag in Karlsruhe. Die geplante Schnittstelle erlaubt unter anderem eine Integration von Diensten der Wikimedia in den KDE-Desktop.

Die Entwicklerkonferenz Akademy (http://conference2005.kde.org) in Malaga soll ganz im Zeichen der KDE-4-Entwicklung stehen. Dies reflektiert eine leichte Änderung der Release-Politik: Im Gegensatz zu früheren Freigaben spalteten die Entwickler den Code für das kommende KDE 3.5 bereits jetzt vom Hauptentwicklungsbaum ab und KDE 4 wird ab sofort zur Hauptlinie. Indes steht der Releasetermin für 3.5 noch nicht fest, man spekuliert über einen Termin zwischen Oktober 2005 und Februar 2006. KDE 4 wird frühstens Ende des dritten Quartals 2006 fertiggestellt werden.

Die Stadt Wien hat ihre Linux-Distribution namens Wienux vorgestellt. Auf Debian 3.1 basierend, verwendet die Stadt KDE für die Desktops. Für den Umgang mit CD- und DVD-Rohlingen setzen die Österreicher auf K3b als Brennprogramm, OpenOffice.org löst Word und Co. ab. Den Benutzern der rund 4 800 Arbeitsplätze bleibt jedoch freigestellt, ob sie auf Linux umstellen oder beim bisherigen Windows 2000 bleiben.

"Es muss nicht immer Linux sein" – frei nach diesem Motto passte Oleksandr Shneyder KDE auf den Hurd-Kernel (http://www.gnu.org/software/hurd/hurd.html) des GNU-Pojektes an. Hurd ist eine Alternative zum Linux-Kernel, verfolgt jedoch als sogenannter Micro-Kernel einen anderen technischen Ansatz. Debian-Benutzer mit viel Zeit und Forschungsdrang können Hurd eine Chance geben, denn Debian hält Hurd im Apt-Repository vor.

Für Open Solaris existieren nun native KDE-Pakete: Unter der Leitung von Stefan Teleman passte das KDE-Solaris-Projekt den Desktop auf den Compiler ONE Studio 10 von Sun an. Damit steht mit KDE 3.4.1 die erste moderen Desktop-Umgebung zur Verfügung, die vollständig auf Open Solaris läuft. Schon zuvor war KDE mit Hilfe des GCC-Compilers unter Solaris übersetzbar. Sun sieht das unter der CDDL-Lizenz stehende Open Solaris als Konkurrenz zu Linux.

Mit ihrer Seite http://www.kde-artists.org hat Janet Theombra einen Ort für Grafik-Begeisterte geschaffen, die dem KDE-Projekt helfen wollen. Die Seite stellt engagierte Entwickler und Grafiker vor, die sich um das Aussehen von KDE verdient gemacht haben und hilft Neulingen beim Einstieg in die Welt von Symbolen, Styles und Hintergrundbildern. Für Leute mit grafischem Talent bildet die Site einen gute Startpunkt zum Einstieg in das Projekt.

KDE-Artist David Vignoni, Designer der Nuvola-Icons, hat ein neues Theme für KDE-Symbole mit dem Namen Oxygen angekündigt. Zusammen mit seinen Kollegen vom KDE-Artist-Team will er bis zur Akademy-Konferenz daran arbeiten. Die notwendige Zeit dafür erhält er durch einen Vertrag mit Suse/Novell, der ihm Zeit für die Arbeit an KDE einräumt.

Chemie lernen leicht gemacht

Mit dem Release Hydrogen (Wasserstoff) wagt das Kalzium-Team erstmals eine Veröffentlichung der Lern-Software für Chemia ausserhalb des KDE-Edutainment-Projektes. Kalzium erlaubt anhand des Periodensystems die Erforschung der Elemente. So lässt sich per Schieberegler die Entdeckung der Elemente über die Jahrhunderte nachvollziehen oder beobachten, ab welcher Temperatur sie den Aggregatszustand wechseln. Eine Darstellung des Bohr'schen Atom-Modells und Informationen zum Alpha- und Beta-Zerfall oder der Atom-Masse runden das Programm ab.

Neben informativen Tooltipps für das Periodensystem nach Vorbild des KDE-Panels Kicker bringt die Software geballtes Wissen mit: Elektronen-Affinität, Elektronen-Radien sowie Details zur Benennung von Elementen sind nur ein Teil der Features von des aktuellen Releases.

Kalzium erfreut sich nach Aussage seines Betreuers Carsten Niehaus nicht nur bei Schülern und Studenten großer Beliebtheit: Auch Wissenschafter am Max-Planck-Institut für Kernphysik, der französischen Sorbonne und der Universität von Oxford setzen das Programm ein.

Damit das so bleibt, arbeiten die Entwickler bereits jetzt an neuer Funktionalität: Die aktuelle Entwicklerversion zeigt Absorptions- und Emmissionsspektren der meisten Elemente an. Außerdem befindet sich eine Tabellenansicht der Isotopen und ihrer Zerfallsarten in Arbeit, die besonders für Physiker interessant ist. Die Ergebnisse fließen in das Release mit dem Codenamen Helium ein, das Ende August erscheinen soll.

Die Entwickler sind per IRC im Freenode-Netzwerk (Kanal #kalzium) oder über die neue Kalzium-Mailing-Liste erreichbar. Details dazu finden Sie auf der Kalzium-Homepage unter http://edu.kde.org/kalzium/.

OpenOffice fügt sich in KDE ein

Wie OpenOffice-Hacker Jan Holesovsky bekannt gab, beinhaltet die Version 2.0 der Office-Suite erstmalig offiziell eine KDE-Integration. Diese war nicht offizeller Bestandteil und wurde in der Praxis bislang nur von Suse eingearbeitet. Der für Suse/Novell arbeitende Tscheche begann 2003 damit, OpenOffice näher an das Aussehen einer KDE-Anwendung zu bringen.

Bislang lieferte nur sein Arbeitgeber die Anpassungen in seiner Distribution aus. Seit dem Milestone m118 sind Holesovskys Bemühungen offiziell Bestandteil des freien Büropaketes. Die Anpassungen bieten dem Anwender KDE-artige Dialoge sowie zu KDE passende Symbole.

Hier und da tun sich aber noch Hindernisse auf: So lassen sich dank der Integration der IO-Slaves beispielsweise Dateien von einem Windows-Rechner holen, jedoch vermag OpenOffice diese dann nicht einfach wieder zurückspeichern. Dazu müssen Sie im aktuellen Meilenstein explizit den Speicherort angeben.

Die Entwicklung der KDE-Integration begann vor zwei Jahren als Incubator-Projekt. Im Zuge des Kaufs von Suse und Ximian durch Novell gehört Holesovsky zusammen mit dem Ximian-OpenOffice-Projekt zum OpenOffice-Team bei Novell.

Die KDE-Integration passt das Aussehen von OpenOffice an den Desktop an.

Zusätzlich Dateiinformationen

Wer gerne etwas von seinem Bildschirmplatz opfert, um auf den ersten Blick alle wichtigen Informationen zu einer Datei oder einem Verzeichnis zu bekommen, der sollte ein Auge auf Metabar werfen. Zusätzlich liefert Metabar formatspezifische Aktionen in Form von anklickbaren Verweisen.

Metabar arbeitet als Plugin für den Informationsbereich des Dateimanagers Konqueror. Ein Druck auf [F9] blendet den Bereich bei Bedarf ein und aus. Ein besonderes Goodie: Metabar funktioniert sogar, wenn der Konqueror als Internet-Browser zum Einsatz kommt. Quellpakete gibt es unter http://www.kde-apps.org.

Metabar stellt im Informationsbereich von Konqueror eine Vorschau sowie nützliche Aktionen bereit.

Amarok unterstützt Podcasts

Das Hype-Wort Podcasting setzt sich als Kunstbegriff aus den Worten iPod und Broadcasting zusammen. Hinter dem Begriff steckt eine einfache Idee: Mit einer MP3-Software und einem Mikrofon eigene Sendungen zu produzieren und über eine Dateibeschreibung im RSS-Format themenspezifische Radiosendungen zusammenzustellen.

Der KDE-Multimedia-Player Amarok beherrscht in der Version 1.3 nun neben herkömlichen Webstreams auch eben diese Podcasts. Wählen Sie einen solchen aus der Seitenleiste aus, zeigt das Programm die Stücke in der Play-Liste an.

Die zu Redaktionsschluss aktuelle Amarok-Beta mit dem Codenamen Silly Hat enthält dieses Feature noch nicht, kann jedoch schon die Bibliotheken eines installieren Real-Players zum Abspielen verwenden. Darüber hinaus verarbeitet der Suchfilter Google-artige Suchanfragen, und über das Kontextmenü der Playliste lassen sich Skripte direkt starten.

Projektplanung im Blick

Mit der Version 2.1.1 feiern die Entwickler des Projektplanungstools TaskJuggler (http://www.taskjuggler.org). Die neue Version erlaubt unter anderem den Export von Projekten ins iCal-Format. Dies ermöglicht es Projektteilnehmern, Aufgaben sowie Meilensteine in ihren persönlichen Kalender zu übernehmen.

Die Software versteht sich als professionelles Planungswerkzeug mit einer eigenen Sprache zur Beschreibung von Projekten. Daher verläuft die Lernkurve anfangs steiler als bei klassischen Gantt-Charting-Programmen wie MS Project. Entsprechend fällt auch die Warnung auf der TaskJuggler-Web-Seite aus: Das Programm sei nicht geeignet, um Gantt-Charts zu bauen, die nur den Chef oder die Investoren beeindrucken sollen (siehe dazu auch Artikel ab Seite 46 in dieser Ausgabe).

Suse-Mitarbeiter Chris Schläger begann TaskJuggler als kommandozeilenbasierte Anwendung, die aus einer Beschreibung der Projektsituation alle nötigen Pläne zu dessen Ausführung generiert. Mit Version 2.0 kam eine KDE-basierte, grafische Oberfläche hinzu, die einen Editor mit Syntax-Vervollständigung und Hervorhebung mitbringt. Eine umfangreiche Dokumentation und aussagekräftige Beispiele erleichtern darüber hinaus den Einstieg.

Das Programm beherrscht Schichtpläne ebenso wie Meilensteinplanung. Dabei kann das Programm auch Auslastung und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und Abhängigkeiten zwischen Teilprojekten berücksichtigen. Bei Novell kommt TaskJuggler mittlerweile bei der Planung von Projekten zum Einsatz.

TaskJuggler hilft bei der Fehlersuche in der Projektbeschreibung und belohnt die Mühe mit aussagekräftigen Meilensteindiagrammen und Auswertungen.

Sicherheitsalarm

Die Text-Editoren KWrite und Kate legen während des Speicherns Sicherheitskopien mit Standardberechtigungen an, auch wenn die gespeicherte Datei restriktivere Zugriffsrechte aufweist. Auf Mehrbenutzersystemen lassen sich so die Dateien ausspähen. Ein Update auf KDE 3.4.2 behebt das Problem.

Eine zweite Warnung betrifft eine mögliche Denial-of-Service Attacke: Eine Lücke in der Implementierung für das gerade in Osteuropa beliebte Gadu-Gadu-Protokoll des Messengers Kopete erlaubt das Ausführen beliebigen Programmcodes. Die Entwickler stellten einen Patch für diese in KDE 3.4.1 auftretende Sicherheitslücke zur Verfügung. Die meisten Distributoren reagierten bereits und stellen aktualisierte Pakete zur Verfügung. Das Problem betrifft nur Benutzer dieses Protokolls. (Daniel Molkentin/agr)

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