Sprücheklopfer

Glückskekse für Linux

01.09.2005
Ein zufälliger Sinnspruch oder Kalauer beim Start eines Terminal-Fensters oder als Signatur für private Mails lockert den Arbeitsalltag auf. Das Kommandozeilen-Tool Fortune hält Zitate für jeden Anlass bereit.

Normalerweise ist es der Chinese um die Ecke, der einem mit klugen Sprüchen aus Glückskeksen die Stimmung versüßt oder auch verhagelt. Wenn Ihnen das nicht reicht oder Sie viel zu selten asiatisch essen gehen, bringen Sie Ihrem Computer bei, auf Kommando und zu allen möglichen Gelegenheiten Sprüche zu klopfen. Wir werfen einen Blick auf Fortune, das diese Aufgabe bravourös erledigt.

Versionswirrwar

Die meisten Linux-Distributionen bringen Fortune von Haus aus mit, so dass Sie es nur von den Installationsmedien einspielen müssen. Bei Bei SuSE Linux 9.3 heißt das Paket fortune. Gentoo-Nutzer erweitern ihre Software-Kollektion mit dem Befehl emerge fortune-mod um den virtuellen Sprücheklopfer. Wie der unterschiedliche Name schon andeutet, handelt es sich bei diesem Paket tatsächlich um eine andere Version als unter Suse Linux. Das Original-Fortune wurde 1986 von Ken Arnold geschrieben und über die Jahre weiterentwickelt. 1995 veröffentlichte Amy A. Lewis eine verbesserte Version, aus der im Jahr 2004 fortune-mod [1] hervorging.

Dieser Artikel konzentriert sich auf die klassische Variante. Fast alle Beispiele können Sie jedoch genau wie hier beschrieben auch dann nachvollziehen, wenn Ihre Distribution stattdessen das Paket fortune-mod mitbringt.

Lockere Sprüche

Die einfachste Aufrufvariante des Tools besteht in der Eingabe von fortune, die ein Zitat oder einen Witz ausgibt. Die Texte stammen aus Datenbank-Dateien, die zum Lieferumfang des Programms gehören. Diese liegen zumeist im Verzeichnis /usr/share/fortune/. Mandrake-Nutzer sind dagegen im Ordner /usr/share/games/fortunes am richtigen Ort. Noch schneller erfahren Sie mit dem Befehl fortune -f, zu welchen Themengebieten Fortune passende Sprüche auf Lager hat.

Soll fortune nur Zitate aus einigen ausgewählten Dateien ausgeben, genügt es, ihm diese als Parameter zu übergeben. Ein

fortune startrek linuxcookie

gibt nur Zitate aus StarTrek (inkl. Angabe der Sternzeit) und Sprüche rund um Linux aus.

Vielseitige Plaudertasche

Sagen Ihnen die mitgebrachten Spruchsammlungen nicht zu, finden Sie wahrscheinlich im Internet das passende Fortune-Zubehör. Ein guter Ausgangspung für die Suche ist [2]. Simpson-Fans könnten an der chalkboard-Datenbank unter [3] Gefallen finden. Um die Bart-Simpson-Zitate an Fortune zu verfüttern, entpacken Sie das heruntergeladene Archiv und starten das Glückskeksprogramm mit dem Kommando

fortune ./fortune-simpsons-chalk↩
board/chalkboard

Wollen Sie mehrere Datenbanken benutzen, die Fortune nicht von Haus aus mitliefert? Dann bietet es sich an, ein separates Verzeichnis für die eigenen Spruchsammlungen anzulegen, etwa ~/.meine_spruchsammlung. In dieses kopieren Sie sowohl die Spruchdatenbank als auch die gleichnamige Datei mit der Endung .dat, also die Dateien chalkboard und chalkboard.dat.

Damit Fortune sich nun aus diesem Ordner bedient, übergeben Sie der Anwendung beim Aufruf das Verzeichnis mit fortune ~/.meine_spruchsammlung. Möchten Sie zusätzlich Zitate aus den mitgelieferten Spruchdatenbanken erhalten, geben Sie einfach beide Ordner auf der Kommandozeile an. Mit Hilfe von Prozentangaben beeinflussen Sie die Wahrscheinlichkeit, mit der Fortune die einzelnen Verzeichnisse berücksichtigt: fortune 90% ~/.meine_spruchsammlung 10% /usr/share/fortune sorgt dafür, dass 90% aller augegebenen Zitate aus der eigenen Sammlung stammen. Die Prozentangaben müssen in der Summe 100% ergeben, damit Fortune sich nicht beschwert.

Noch mehr Sprüche

Bevorzugen Sie anstelle der englischen Zitate Sprüche in Ihrer Muttersprache, sollten Sie einen Blick auf [4] werfen. Dort finden Sie im Archiv fortunes-de_0.20.orig.tar.gz eine deutschsprachige Kollektion an Sinnsprüchen. Nach dem Entpacken liegen die Dateien mit den Zitaten im Ordner Data. Allerdings liefert das Paket keinen Index zu den Sammlungen mit, der sich normalerweise in den Dateien mit der Endung .dat befindet. Der Aufruf von fortune ./anekdoten liefert daher nur die Fehlermeldung zurück, dass Fortune diese Datenbank nicht findet.

Das passende Werkzeug, um eine solche zu erzeugen, landet jedoch automatisch auf der Festplatte, wenn Sie Fortune installieren. Das Tool firmiert unter dem Namen strfile und durchsucht eine Datei nach Textblöcken, die durch ein einfaches Prozentzeichen separiert sind. Aus diesen Informationen erzeugt es eine Datei, die diese Textlöcke indexiert. Für unser Beispiel lautet der korrekte Aufruf

/usr/sbin/strfile anekdoten ↩
anekdoten.dat

Das Werkzeug strfile bietet sich damit auch an, eigene Zitatsammlungen Fortune-gerecht aufzubereiten. Erstellen Sie dazu eine Textdatei, in die Sie alle gewünschten Sprüche und Zitate schreiben. Hinter jeden Eintrag setzen Sie eine Zeile, in der ein einzelnes Prozentzeichen steht, etwa

Vier Beine gut, zwei Beine ↩
schlecht.
                – G. Orwell
%
Nachts ist es kälter als draußen.
%

Speichern Sie diese Datei unter einem beliebigen Namen, etwa my_fortunes, und erzeugen Sie mit dem Kommando /usr/sbin/strfile my_fortunes my_fortunes.dat den Index.

Wozu das ganze?

Neben reiner Spielerei auf der Kommadozeile existieren noch weitere Einsatzmöglichkeiten für Fortune, die die tägliche Arbeit angenehmer gestalten. So können Sie einen Fortune-Aufruf an das Ende der Datei ~/.bashrc schreiben, damit Sie jedes neu geöffnete Terminal-Fenster mit einem zufälligen Spruch begrüßt (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Aufruf von Fortune in der "~/.bashrc" verwandelt neu geöffnete Terminal-Fenster in Glückskekse.

Weiterhin eignet sich Fortune auch zur Zusammenarbeit mit einigen Bildschirmschonern: Unter KDE können Sie es beispielsweise über das Kontrollzentrum mit dem Phosphor-Bildschirmschoner kombinieren (Abbildung 2). KDE-Abstinenzler kommen mit dem Befehl xlock -mode marquee in den Genuss eines abwechslungsreichen Screensavers.

Abbildung 2: Einige Bildschirmschoner wie etwa KDEs Phosphor arbeiten mit Fortune zusammen.

Ebenso elegant nutzen Sie Fortune als Generator für Zufallsignaturen in Ihren Mails. KMail bietet beispielsweise unter Einstellungen / KMail einrichten die Option, für jede Identität eine eigene Signatur festzulegen. Damit Fortune Ihre elekronische Post mit einem Zitat oder lustigen Spruch versieht, aktivieren Sie im Drop-down-Feld Signatur verwenden aus die Option der Befehlsausgabe und tragen den Fortune-Aufruf hinter Befehl ein (Abbildung 3). Für Mail-Signaturen sollten Sie Fortune mit den Parametern -s -n 320 aufrufen. -s legt fest, das Fortune nur "kurze" Sprüche ausgibt, mit -n 320 bestimmen Sie, dass Fortune alle Zitate als kurz betrachtet, die nicht mehr als 320 Zeichen enthalten. Auf vielen Mailing-Listen gehört es zum guten Ton, keine Signatur zu verwenden, die länger als vier Zeilen mit 80 Zeichen ist. Mit dem angepassten Fortune-Kommando verhindern Sie, unbeabsichtigt ins Fettnäpfchen zu treten.

Abbildung 3: Über die Identitätseinstellungen in KMail aktivieren Sie Fortune als Signaturgenerator.

Auch andere Mail-Programme, wie beispielsweise Sylpheed, bieten die Option, die Ausgabe des Fortune-Kommandos als Signatur zu verwenden. Verwenden Sie ein Mail-Programm, das dieses Kunststück nicht beherrscht, ist auch das kein Problem. Schreiben Sie in dem Fall ein Skript oder richten Sie einen Cronjob ein, der in regelmäßigen Abständen Fortune aufruft und die Ausgabe des Kommandos in die Datei ~/.signature schreibt. Ihr Mail-Programm konfigurieren Sie so, dass es den Inhalt der zufällig gefüllten Datei als Signatur einsetzt.

Der Autor

Hagen Höpfner hat an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Informatik studiert und dort auch seine Promotion zum Dr.-Ing. erfolgreich abgeschlossen. Seit kurzem ist er Lecturer für Datenbanken und Informationssysteme an der International University in Germany (http://www.i-u.de) in Bruchsal.

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