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FreeBSD-Workshop, Teil 1: Installation

Diabolisch gut

FreeBSD kennen viele nur durch sein putziges Maskottchen Chuckie, den Daemon. Doch hinter dem Teufelchen steckt ein freies Betriebssystem mit langer Entwicklungsline, das als äußerst stabil und sicher gilt. Wir zeigen, wie Sie es als Desktop nutzen können.

FreeBSD hat vor allem unter Systemadministratoren einen exzellenten Ruf: Es gilt als extrem pflegeleicht, sehr stabil und äußerst performant. Zwar verfügt es nicht über eine ganz so exzellente Hardware-Unterstützung, wie es bei den neueren Linux-Distributionen der Fall ist – jedoch ist sein Support im Laufe der Zeit beeindruckend gewachsen.

Als Desktop-System fristet FreeBSD [1] bislang im Vergleich zu Linux eine Art Schattendasein. Dies liegt vor allem daran, dass die Konfiguration etwas aufwändiger ausfällt als etwa bei einer professionellen Linux-Distribution wie Suse oder Red Hat. An vielen Stellen ist der manuelle Eingriff des Benutzers gefragt. Doch das hervorragende Paketmanagement und die simple Konfiguration (wenn man sich daran gewöhnt hat) machen dies mehr als wett. In der Bedienung erweisen sich die Unterschiede zu Linux als marginal, die wichtigsten Kommandos funktionieren genau oder zumindest fast wie gewohnt.

Große Unterschiede gibt es jedoch bei dem was, unter der Haube des Systems passiert. Das fängt bei der Partitionierung an und zieht sich über die Behandlung von Devices bis zur Behandlung von Prozessen. Trotzdem muss man sich als ambitionierter Linux-Benutzer nicht scheuen, sich mit FreeBSD auseinander zu setzen. Es ist nicht schwerer zu installieren und zu verwalten als ein Debian oder Gentoo Linux. Gerade, wer Gentoo kennt und benutzt, dem kommt unter FreeBSD vieles bekannt vor. Die Befehle unterscheiden sich zwar, lassen sich prinzipiell aber durchaus vergleichen.

Die Stärken von FreeBSD

FreeBSD weist im Vergleich mit anderen Unix-artigen Betriebssystemen eine ganze Reihe von Stärken auf. So gibt es nur eine einzige Distribution und eine klar definierte Verzeichnisstruktur. Dadurch wirkt das System nicht "zusammengebastelt", sondern wie aus einem Guss. FreeBSD benötigt nur wenig an Ressourcen, um performant zu laufen, und lässt sich sehr leicht aktualisieren.

Mit FFS, dem Berkeley Fast File System, verfügt es über ein ausgereiftes Dateisystem. Alle unter GNU bekannten und wichtigen Server-Dienste stehen auch unter FreeBSD zur Verfügung, wie etwa Samba, Apache, Squid, MySQL oder LDAP. Ein Großteil aller freien Software gibt es auch für FreeBSD sowohl als Binary wia auch im Quellcode, teilweise mit BSD-spezifischen Patches. Reißen alle Stricke, kann FreeBSD auch mit einem Linux-Emulationslayer aufwarten.

Das System glänzt nicht nur mit einer hohen I/O-Leistung, sondern au ch mit reichlich Netzwerk-Performance, speziell beim Einsatz von Diensten. Nicht umsonst galt der TCP/IP-Stack von BSD lange Zeit als Referenz. Daneben bietet das System auch hervorragende Security-Features, wie die bekannte Firewall-Software pf ("packet filter"), die alle BSD-Varianten verwenden.

Davon gibt es neben FreeBSD auch noch OpenBSD [2] und NetBSD [3]. Alle drei Projekte befruchten sich bei wichtigen Vorhaben gegenseitig, was die Entwicklung aller fördert. FreeBSD kann mit einer ausführlichen Dokumentation aufwarten, dem FreeBSD Handbook [4]. Was dort nicht zu finden ist, beantwortet meist die sehr freundlich und aktive Community des Betriebssystems im Internet.

Schwachpunkte in FreeBSD

Aber auch einige mehr oder minder gravierende Nachteile von FreeBSD sollen hier zur Sprache kommen. Im Vergleich zu Linux bietet das System aufgrund seiner geringeren Verbreitung auch einen schwächere Hardware-Support. So fällt etwa die Unterstützung für Mehrprozessor-Systeme deutlich schlechter aus. Auch die Auswahl an mit FreeBSD kooperierenden Geräten wie TV- oder WLAN-Karten hält sich in eher engen Grenzen. Als einziger Grafikkartenhersteller stellt NVidia einen eigenen Treiber für FreeBSD bereit [5].

Linux-Umsteiger verwirren oft vor allen Dingen zwei Fakten: Zum einen kennt FreeBSD keine System-V-ähnlichen Runlevels – wobei man das je nach Philosophie auch als Vorteil werten kann. Zum anderen richtet die Standard-Installation keine Bash ein – für viele Linuxer ein überlebenswichtigs Werkzeug.

Ganz ähnlich wie bei traditionellen Linux-Distributionen dagegen kann die Konfiguration des Betriebssystems den Benutzer in den Wahnsinn treiben, wenn er nicht bereit ist, Manpages zu lesen. Ganz anders als für Linux gibt es dagegen nur sehr wenige deutschsprachige Literatur zu FreeBSD auf dem Buchmarkt.

Die (Free)BSD-Geschichte

Bei BSD, der Berkeley Standard Distribution, handelt es sich um einen der wichtigsten Entwicklungszweige der Unix-Historie (Abbildung 1). Die Geschichte von BSD beginnt Mitte der 70er Jahre, später gingen daraus bekannte Unix-Derivate wie etwa SunOS (das spätere Sun Solaris) oder NextStep hervor.

FreeBSD entstand jedoch erst Ende 1992 – also etwas später als Linux – aus einer Portierung von 4.3 BSD auf Intel-PCs. Sie war Folge eines Rechtstreits, als dessen Ergebnis ein Großteil des BSD-Codes neu geschrieben werden musste. Aus dieser Historie heraus ist FreeBSD gut für die x86-Architektur optimiert. Es läuft jedoch heute auch auf den Architekturen AMD64, EM64T, IA-64, UltraSPARC sowie einigen anderen.

Abbildung 1: Ein stark vereinfachter Entwicklungsbaum der Unix-Geschichte. Die BSD-Systeme (rechte Hälfte), von denen 1992/93 FreeBSD abzweigt, machen einen wesentlichen Teil davon aus. Auf der linken Hälfte finden sich die System-V-kompatiblen Systeme, in deren Verwandschaft auch Linux steht. Dazu gehören etwa HP-UX oder IBM AIX.

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