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Gepflegte Langeweile

Dokumente betrachten mit Evince

01.09.2005 Elektronische Dokumente in Formaten wie PDF anzuzeigen ist eine der am wenigsten aufregenden, aber wichtigsten Aufgaben von Desktop-Software. GNOMEs neuer PDF-Betrachter Evince bemüht sich, hier möglichst keine Überraschungen zu bieten.

Der papierlose Arbeitsplatz lässt zwar immer noch auf sich warten, genau wie die fliegenden Autos, mit denen wir schon seit 40 Jahren unterwegs wären, hätten die Visionäre Recht behalten. Dennoch werden immer mehr Dokumente elektronisch verfügbar gemacht, vorzugsweise als PDF. Dieses mittlerweile 13 Jahre alte Format wurde entwickelt von Adobe [2], ist teilweise offen gelegt und ist zum zum Quasi-Standard für "elektronische Papierdokumente", also Dokumente, die im Gegensatz zu HTML oder Ähnlichem ein exaktes, seitenbasiertes visuelles Layout haben, geworden.

Dokumentformate wie PostScript, auf dem PDF ursprünglich aufbaut, oder DVI (das geräteunabhängige Ausgabeformat von TeX und LaTeX) haben sich außerdem, gerade im Unix-Sektor, noch eine gewisse Bedeutung bewahrt. Die meisten Dokumente, die am Bildschirm gelesen werden, sind jedoch PDFs. An ihnen muss sich also auch Evince, der neue GNOME-Dokumentenbetrachter [3], messen lassen.

Das Programm

Evince ist ein auf den ersten Blick eher unscheinbares Werkzeug. Man wird es wohl eher selten aus dem GNOME-Menü oder von der Befehlszeile aus starten, sondern hauptsächlich über Dateiverknüpfungen. Neben der Menüzeile und einer spartanischen Werkzeugleiste mit Blätter- und Zoomkontrollen wird das Dokument in der üblichen Form einer senkrechten Reihe von stilisierten Seiten angezeigt.

evince-1.png

Evince bei der Arbeit. Praktisch: Ersetzt man im Anzeigefeld in der Werkzeugleiste die aktuelle Seitenzahl durch eine andere, wird diese Seite sofort angesprungen.

Diese kontinuierliche Darstellung lässt sich jedoch auch abschalten, so dass die Rollbalken nicht durch das ganze Dokument führen, sondern nur eine Seite bewegen, und auch ein Modus mit paarweiser Seitendarstellung steht zur Verfügung. Ebenso ein Vollbildmodus, bei dem alle Kontrollen außer den Rollbalken ausgeblendet werden; und ein nur auf den ersten Blick kurios erscheinender Präsentationsmodus, der keinerlei Kontrollen mehr darstellt und die Seiten vor schwarzem Hintergrund anzeigt (mit Tastaturbedienung). Evince hat eine erste rudimentäre Unterstützung für das (leider?) immer beliebter werdende MS-PowerPoint-Format, die natürlich gut zu dieser Präsentationsfunktion passt.

Ganz gleich in welchem Modus, Evince ist angenehm schnell beim Blättern und Zoomen selbst grafiklastiger Dokumente. Die Anzeigequalität kommt dabei nahe an Adobes unfreien Adobe Reader (vormals Acrobat Reader) heran. Gedruckt werden kann über die GNOME-Standardschnittstelle, das heißt, Druckereinstellungen wie Duplexmodus oder Ähnliches lassen sich ohne Probleme ansteuern. Da das ganze Programm ja ein pixelgenauer Dokumentenbetrachter ist, gibt es allerdings keine (sonst standardmäßig vorhandene) Druckvorschau.

Das alles alleine ist natürlich nicht spektakulär; aber dass ein PDF-Viewer zu Begeisterungsstürmen hinreißt, ist ja auch nicht zu erwarten. Schon etwas spannender wird es, wenn man im Ansicht-Menü die Seitenleiste einschaltet.

evince-2.png

Evince zeigt Miniaturen in der Seitenleiste

Dort können entweder die Seiten als Miniaturen durchgeblättert und angesteuert oder aber die Gliederung des Dokumentes als aufklappbare Baumstruktur dargestellt werden. Beides, Index und Miniaturbilder, muss dabei wohlgemerkt schon bei der Erzeugung des PDFs ins Dokument geschrieben worden sein.

Ein kleines Glanzstück ist die Suchfunktion. Herkömmliche Suchfunktionen arbeiten normalerweise mit einem Dialogfenster, das beim Suchen unweigerlich Teile des durchsuchten Dokumentes verdeckt. Wenn man sehr großes Pech hat, haben die Entwickler der Software dieses Fenster auch noch modal gemacht, so dass man das Suchfenster schließen muss, bevor man an der Fundstelle irgendwie tätig werden kann. Evinces Suchfunktion lässt dagegen eine Suchleiste am unteren Rand des Fensters erscheinen.

evince-3.png

Evinces Suchleiste

Diese Art Suchfunktion weisen auch der GNOME-Web-Browser Epiphany und sein entfernter Verwandter Mozilla Firefox auf. Sie soll in Zukunft in allen GNOME-Anwendungen Standard werden.

Dasselbe gilt für die konfigurierbare Werkzeugleiste. Öffnet man das Fenster Werkzeugleisteneditor, erscheint der gesamte Vorrat an Symbolen, die in der Leiste erscheinen können, Ganz im Geiste der "Direkten Manipulation", was einer der Grundgedanken des GNOME-Bedienungskonzeptes ist, lassen sich neue Symbole einfach in die Leiste hineinziehen. Zum Löschen eines Symbols reicht es, es aus der Leiste herauszuziehen.

evince-4.png

Fröhliches Herumschrauben an der Werkzeugleiste

Es steht zu hoffen, dass möglichst bald möglichst viele GNOME-Anwendungen diese Neuerungen übernehmen. Im Falle der Suchfunktion ist der unmittelbare Gewinn an Bedienkomfort immens; im Falle der änderbaren Werkzeugleisten hat die Welt nun wirklich schon lange genug gewartet. Vielleicht ist es ein Trost, dass die Implementierung deutlich besser ist als andere Arten des Bearbeitens von Symbolleisten, bei denen der Vorrat an Symbolen und die Leiste selbst typischerweise in einer Listendarstellung repräsentiert werden - ein eher unnötiger Umweg in der Bedienung.

Evince und das große Ganze

Doch nicht nur als Plattform für Leistungsmerkmale, die in Zukunft bei GNOME-Programmen normal werden sollen, nimmt Evince eine interessante Stellung in der GNOME-Geschichte ein. Es handelt sich immerhin schon um den mindestens dritten Versuch, das Anzeigen von Dokumenten in den Griff zu bekommen.

Einen eigenen PostScript-Betrachter (GGv = GNOME Ghostview) hatte GNOME schon lange, ebenso wie beispielsweise einen Bildbetrachter (EOG = Eye of GNOME). Nach Einführung des Dateimanagers Nautilus galt zunächst die Devise, die Betrachtung von Dateien möglichst weit zu integrieren, und so konnte Nautilus bald EOG- und GGv-Komponenten einbinden und die Dateien im Dateimanagerfenster selbst darzustellen. Noch während die Debatte darüber lief, wie weit man dies treiben solle (ist es richtig, wenn eine Textverarbeitung ihren vollständigen Funktionsumfang in einem Dateimanagerfenster anbietet?), wurde das Bedienkonzept für Nautilus geändert. Nautilus-Fenster sollen grundsätzlich nur noch der Dateiverwaltung dienen.

Zum Anzeigen von Dokumenten mussten nun andere Lösungen gefunden werden. Evince wird wohl bald offizieller GNOME-Dokumentenbetrachter werden und alle Vorgänger (GGv, gpdf) ablösen. Diskutiert wird zur Zeit noch die genaue Abgrenzung zu anderer GNOME-Software: Momentan werden als Dokumentformate PDF, PostScript, DVI, PowerPoint, TIFF und DjVu unterstützt. Schon letztere sind keine Text-, sondern Bildformate, die allerdings gerne für große Textscans verwendet werden. Somit steht zur Debatte, welche Aufgaben EOG, welche Evince übernehmen soll, von anderer GNOME-Bildverwaltungssoftware wie gThumb oder F-Spot ganz zu schweigen. Es war auch die Rede davon, Unterstützung für Office-Dokumentformate wie beispielsweise Microsoft Word oder OpenOffice.org Writer einzubauen - nur: Soll man zwei verschiedene Anwendungen bereitstellen, eine, um Dateien schnell zu betrachten, und eine um sie zu bearbeiten? Oder ist es nicht sinnvoller, einfach die Office-Programme selbst dahingehend zu verbessern?

Es scheint einen Konsens darüber zu geben, dass Evince die Plattform für die Anzeige linearer Dokumente sein wird. Ob neben "Nur-Lese"-Formaten wie PDF noch andere wie das Word-Format dazukommen werden, hat sich noch nicht wirklich entschieden.

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LinuxUser 05/2014

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