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Die Rückkehr der Antenne

DVB-T über USB

01.09.2005 Nicht jeder ist bereit, für das das neue digitale Fernsehen viel Geld auszugeben. Günstige DVB-Hardware existiert oft in Form kleiner USB-Boxen. Wir erklären, wie Sie solche Geräte in Betrieb nehmen und mit MythTV verwenden.

Die digitale Fernsehwelle rollt: In immer mehr deutschen Städten löst die digitale Ausstrahlung über Antenne (DVB-T) das liebgewonnene Flimmerfernsehen ab [1]. Wer ein passendes Empfangsgerät für den PC besitzt, macht aus seinem Linux-Computer ohne großen Kosten einen digitalen Videorecorder. Die frei verfügbare Recorder-Software wie MythTV [2] oder VDR [3] für digitalen Empfang einzurichten, ist allerdings nicht immer einfach. Dieser Artikel beschreibt, wie man damit einen USB-Adapter für DVB-T in Betrieb nimmt.

Aktuelle DVB-Hardware

Zwar ließ sich schon analoges Fernsehen mit einschlägiger Software wie MythTV aufnehmen [4]. Die Digitaltechnik DVB bringt in diesem Bereich aber einige Vorteile: Sendungen kommen bereits in einem digitalen Format beim eigenen Rechner an (MPEG). DVB unterstützt vom PAL-Standard abweichende Bildformate wie 16:9 oder HDTV und bietet aktuelle Programminformationen direkt vom Sender.

Grundsätzlich gibt es zwei Bauformen von DVB-Geräten: mit oder ohne eingebauten MPEG-Decoder, also der Komponente, die aus dem MPEG-Stream wieder ein sichtbares Video errechnet. Besitzt der DVB-Empfänger einen solchen Decoder als Hardware-Chip, besorgt der diese Berechnung. Alternativ übernimmt das der Haupt-Prozessor (CPU) des Computers. Mit Computern ab 1 GHz ist das aber kein Problem. Im Test schaffte das sogar ein iBook mit 800 GHz, bewegte sich dabei allerdings sichtlich an der Leistungsgrenze.

Neben herkömmlichen PCI-Steckkarten existiert mittlerweile eine große Auswahl an DVB-T-Geräten mit USB-Anschluss. Die externen Kästchen empfangen das digitale Programm und reichen es über USB an den Computer weiter. Eine Liste unterstützter Geräte führt das DVB-Wiki von LinuxTV.org [5]. In diesem Artikel kommt ein Cinergy T2 von Terratec zum Einsatz, das gelegentlich schon ab 80 Euro erhältlich ist. Die Entwickler des Referenzdesigns [6] haben den passenden Linux-Treiber dafür geschrieben, der deshalb auch alle anderen darauf basierenden Geräte unterstützt. Kernel-Versionen ab 2.6.10 bringen das DVB-Subsystem und den Treiber für die Cinergy-Box bereits mit. Wer noch einen älteren Kernel benutzt, sollte also am besten updaten [7].

Abbildung 1: Klein, aber oho: Das kleine Kästchen enthält einen DVB-T-Empfänger. Über USB stellt es den Kontakt zum PC her.

Funktioniert das Hotplugging, lädt Linux beim Einstecken der USB-Box gleich den passenden Treiber cinergyT2. Der Befehl dmesg zeigt die entsprechende Meldung im System-Log:

DVB: registering new adapter ↩
(TerraTec/qanu USB2.0 Highspeed ↩
DVB-T Receiver)

Der Treiber legt die nötigen Gerätedateien an, über die Anwendungen mit der DVB-T-Box kommunizieren: die vier Files demux0, dvr0, frontend0 und net0 im Verzeichnis /dev/dvb. Je nach Distribution stimmen die Zugriffsberechtigungen schon (Ubuntu) oder Sie müssen sie von Hand anpassen (Fedora Core 3).

Komplexe Programme wie MythTV bringen häufig eigene Fehlerquellen mit. Deshalb empfiehlt es sich, zunächst mit einfachen, ausgereiften Tools zu testen und erst dann zum nächsten Schritt überzugehen. Simple Kommandozeilenprogramme für DVB sind zum Beispiel die dvb-utils.

Tune in, drop out

Zu Beginn stellen Sie das Linux-DVB erst einmal auf die lokalen Gegebenheiten ein. Je nach Wohnort verwenden die örtlichen DVB-Sender nämlich unterschiedliche Frequenzen und Einstellungen. Die DVB-Utils enthalten ein Programm zum Suchen (Scannen) von existierenden Sendern. Leider beherrscht es noch keinen vollständigen Scan, sodass Sie für den Anfang eine Datei benötigen, die Grundfrequenzen und andere Parameter enthält.

Aktuelle Dateien finden Sie auf der Heft-CD, so von München, in dem DVB eben erst an den Start ging. Um dort nach Sendern zu scannen, verwenden Sie die Befehlszeile scan scanfiles-cvs/de-Muenchen. Wohnen Sie in einer anderen Stadt, benutzen Sie die entsprechende Scan-Datei. Sollte ihr Wohnort fehlen, werden Sie vielleicht im DVB-Utils-CVS [8] fündig, das stets die aktuelle Version der Software und neue Frequenz-Dateien führt (im Unterverzeichnis dvb-t).

Beim Suchen zeigt scan an, wenn es einen Sender findet und schreibt das Ergebnis in channels.conf. Legen Sie ein Verzeichnis ~/.tzap an und verschieben Sie die Datei dorthin. Nun können Sie mit dem passenden Utility für DVB-T den Empfänger auf einen Sender einstellen: tzap -r "kabel eins". Die verfügbaren Kanalnamen finden Sie bei Interesse in der ersten Spalte von channels.conf. Schafft es tzap, den Sender einzustellen, finden Sie am Ende der kontinuierlich ausgegebenen Zeilen die Meldung FE_HAS_LOCK. Die Option -r schaltet gleichzeitig den Empfang ein. Das bedeutet, dass der Treiber unter der Gerätedatei /dev/dvb/adapter0/dvr0 den MPEG-Transport-Stream bereitstellt. Überraschend einfach spielen Sie diesen mit einem Multimedia-Player ab, zum Beispiel mit mplayer /dev/dvb/adapter0/dvr0. Leider waren im Test bei dieser Variante Bild und Ton schon deutlich asynchron. Bessere Ergebnisse lieferte der Player Xine, der zusätzlich noch die Angabe der Videokodierung verlangt:

xine stdin://mpeg2 < $$
/dev/dvb/adapter0/dvr0

Mit diesen wenigen Mitteln können Sie bereits digitales Fernsehen genießen, auch wenn der Komfort etwas zu wünschen übrig lässt. Mit einigen Shell-Skripts und dem Cron- oder At-Daemon ließe sich sogar ein einfacher Videorecorder zusammenschustern. Einige Videoplayer unterstützen auch selbst in gewissem Maße DVB, sodass Sie zum Beispiel damit die Programme umschalten können. Kaffeine erlaubt sogar, nach Sendern zu suchen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Aktuelle Versionen von kaffeine unterstützen DVB und erlauben sogar, nach Sendern zu suchen.

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